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Nobelkarosse geht auf letzte Reise von Brandis nach Berlin

Nobelkarosse geht auf letzte Reise von Brandis nach Berlin


Brandis. Von Berlin ins Muldental und wieder zurück. So ist der Weg einer DDR-Staatskarosse vom Modell Volvo, die nun ihre wirklich letzte Fahrt in das DDR-Museum der einstigen DDR-Hauptstadt angetreten hat.

. Der bisherige Eigentümer nach der Wende, Gerrit Crummenerl aus Brandis, stellt diesen Nobelhobel aus dem Honecker-Fuhrpark dem Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung.

Dem Autofan Crummenerl fiel es relativ leicht, den Volvo des letzten Landwirtschaftsministers, so jedenfalls seine Erkenntnis über die Nutzung dieses Autos vor der Wende, herzugeben. „Der Wagen erfüllt nun eine wichtige Aufgabe als Zeitzeugnis. Damit steht der ideelle Wert weit über dem materiellen Wert." Ein gewichtiger Grund. Es gibt aber noch einen anderen. Crummenerl besitzt weitere Limousinen der DDR-Obrigkeit. Darunter einen Volvo Krankenwagen, der immer zur Regierungsbegleitung gehörte. Und auch Honeckers persönliche Staatslimousine, ein Citroen CX 25 Prestige. „Die meisten Leute denken, Honi hatte nur Volvo als Dienstwagen. Das stimmt nur für die Zeit von 1977 bis 1980. Danach kam der Citroen. Quasi ein Geschenk an die DDR, weiß Crummenerl heute, damit die Franzosen ihr Gelenkwellenwerk in Mosel bauen durften. Ein unrühmliches Kapitel deutsch-französischer Handelsbeziehungen vergangener Tage, so Crummenerl, denn nach der Wende habe der Autobauer Citroen davon nichts mehr wissen wollen. Was sich besonders darin manifestierte, dass Honeckers alter Dienstwagen erst als Attraktion einer Sonderausstellung auf der Automesse in Leipzig gezeigt werden sollte, dann aber zum unerwünschten Objekt erklärt wurde. „Die Messeleitung hatte den Wagen angefragt und wir zugesagt", erinnerte sich Crummenerl. Und nachdem das Auto hergerichtet wurde, sei unerwartet die Absage gekommen. Citroen habe gegen das Vorhaben interveniert und habe der Messeleitung angedroht, seinen gesamten Messestand abzubauen, sollte Honeckers Dienstwagen ausgestellt werden. Aber warum? „Die Franzosen schämten sich und wollten nicht mit Honecker in Verbindung gebracht werden. Dieser Mann wäre ein schlechter Werbeträger", gab Crummenerl die damalige Begründung wieder.

Aber zurück zum 5,60 Meter langen Volvo Baujahr 1982, der nun gewissermaßen seine letzte Ruhestätte fand. Sein sinnbildliches Sterbchen machte der Wagen noch in Brandis. Anders ausgedrückt, der Wagen wurde seiner 140 PS beraubt. Nach 70 000 Kilometern Laufleistung musste der Motor ausgebaut werden. Aus brandschutztechnischen Gründen, wie es hieß, wurden auch andere Innereien wie Tank und Getriebe demontiert, gehören aber zum „Lieferumfang". Damit rollte der Volvo per Huckepack nach Berlin, begleitet von einem Transporter mit den Innereien. Fortan wird dieser Volvo die einstige Honecker-Flotte repräsentieren, zu der etwa 300 dieser Modelle gehörten.

Nicht alle rollten im Dienst der Regierung und des Ministerrates, wie Crummenerl weiß. Auch in den Bezirksbehörden der SED ließen sich die Genossen mit solch einem Volvo durch den Arbeiter- und Bauernstaat chauffieren.

Frank Schmidt

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