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Nur eine Stimme entscheidet in Ammelshain

Nur eine Stimme entscheidet in Ammelshain

Eine schwere Last musste Manuela Schmidt von der Wählervereinigung Ammelshain (WVA) in dieser Woche schultern. Sie allein hatte zu entscheiden, ob aus Sicht des Naunhofer Ortsteils die Planungen für den Bau einer Teilortsumgehung wie gehabt fortgeführt werden können.

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Vorentwurf: An der Polenzer Straße zweigt im Bereich des ehemaligen Wasserwerks die neue Umgehung ab. Linkerhand entsteht das Sicker- und Rückhaltebecken (RRB). In einer langgestreckten S-Kurve kreuzt die Fahrbahn kurz vor der Einbindung in die Altenhainer Straße die Eisenbahnlinie (schwarz).

Quelle: Ingenieurbüro für Verkehrsanlagen

Naunhof/Ammelshain. Sie sagte Ja.

Wann hatte der Ortschaftsrat zu einer Sitzung jemals so viele Besucher gesehen? Sämtliche Stühle und Bänke reichten nicht aus, um allen Platz zu bieten, die Einwohner standen bis hinaus in den Flur. Zum vom Landratsamt in Auftrag gegebenen Vorentwurf der Teilortsumgehung hatte die Stadtverwaltung eine Stellungnahme formuliert, über die der Rat nun befinden sollte. Doch die meisten Abgeordneten waren befangen, weil sie oder ihre Verwandten entweder Grundstücke auf der geplanten Trasse oder an den Straßen, die durch den Neubau entlastet werden, besitzen. So war laut Bürgermeister Volker Zocher (parteilos), der die Sächsische Gemeindeordnung zitierte, das Gremium nicht beschlussfähig. In solchen Fällen müsse der Ortsvorsteher allein entscheiden. Da dieser ebenfalls befangen war, oblag die Pflicht seiner Stellvertreterin Schmidt. Erst in der Bürgerfragestunde durften auch die anderen Abgeordneten und freilich die Einwohner mitreden.

Bevor es dazu kam, stellte Planer Uwe Reischke vom Ingenieurbüro für Verkehrsanlagen aus Leipzig das Projekt vor. Demnach soll die neue Trasse an der Polenzer Straße beginnen, die in diesem Bereich der Freistaat ausbauen und aus Richtung Ammelshain mit einer Linksabbiegerspur versehen will. Über 1340 Meter werde sie zunächst ebenerdig die Bahnlinie kreuzen und dann zur Altenhainer Straße führen. Die Altenhainer Straße selbst wird von dort aus bis zum Ortseingang von Ammelshain zum Wirtschaftsweg zurückgebaut, den Landwirte und Radfahrer nutzen können.

Regenwasser, das sich auf der sieben Meter breiten Fahrbahn sammelt, soll in einem geschlossenen System gesammelt und über ein Absetz- in ein Sicker- und Rückhaltebecken abgeleitet werden. Dieses könne fast das Doppelte der Wassermenge aufnehmen, die bei einem Starkregen anfällt. Und sollte es doch einmal nicht ausreichen, gebe es einen Überlauf in die Faule Parthe. Um für den Hochwasserfall gewappnet zu sein, werde der Straßenkörper durchlässig gestaltet. Reischke: "Das Wasser läuft durch sie hindurch, als gäbe es sie nicht."

Die Stadtverwaltung, die grundsätzlich hinter dem Vorhaben steht, regte dennoch eine Prüfung an, ob nicht lieber eine größere Mulde das Regenwasser aufnehmen sollte, weil sie eine Ableitung in die Faule Parthe als kritisch ansieht. Außerdem möchte die Kommune einen finanziellen Ausgleich, wenn die Altenhainer Straße eine Sackgasse und von der Kreis- zur kommunalen Straße herabgestuft wird. Diese Forderungen nickte Manuela Schmidt ab. Laut Rolf Löcher, Leiter des Amtes für Straßen- und Hochbau, ist es nun das Ziel, das Planfeststellungsverfahren Mitte des Jahres zu beantragen.

Ist es eingeleitet, können auch andere Behörden, Institutionen, Vereine und natürlich Bürger mitreden. Einen Vorgeschmack darauf gab die offene Diskussion am Ende der Ortschaftsratssitzung. Jürgen Streller, Abgeordneter der WVA und Kandidat für die neue Wählergemeinschaft Ammelshain, sprach sich gegen die Planungen aus. Eine Variante Null müsse auf den Tisch, die ohne Teilortsumgehung auskommt. Durch die neue Trasse werde die Hochwassergefahr steigen und die Verkehrsbelastung für die Polenzer Straße zunehmen. Viel Zustimmung erhielt er nicht aus dem Saal, stattdessen prasselte der lautstarke Protest fast des gesamten Publikums auf ihn ein, so dass Zocher und Ortsvorsteher Lutz Kadyk (WVA) mitunter Mühe hatten, für Ruhe zu sorgen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 09.05.2014
Pfeifer, Frank

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