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Rausschmiss aus der Feuerwehr? In Fuchshain lichten sich die Reihen

Verhärtete Fronten Rausschmiss aus der Feuerwehr? In Fuchshain lichten sich die Reihen

Nicht im Sinne der Initiatoren verlief die Krisensitzung des Stadtrats, in der die Ortsfeuerwehr Fuchshain gerettet werden sollte. Wunsch der Abgeordneten war es, mit allen beteiligten Seiten hinter verschlossenen Türen reden zu können, um zu vermitteln. Bürgermeister Volker Zocher (parteilos) hatte jedoch kurz vorher mehrere Kameraden aus den Reihen der aktiven Wehr verabschiedet.

Geschlossenes Tor. Die Feuerwehr Fuchshain ist nicht mehr allein, sondern nur noch im Zusammenwirken mit den anderen Wehren der Stadt einsatzfähig. Die aktive Abteilung besteht aus drei Mann.

Quelle: Thomas Kube

Naunhof/Fuchshain. Alles andere als im Sinne der Initiatoren verlief die Krisensitzung des Stadtrats, in der die Ortsfeuerwehr Fuchshain gerettet werden sollte. Wunsch der Abgeordneten war es, mit allen beteiligten Seiten hinter verschlossenen Türen reden zu können, um zu vermitteln. Bürgermeister Volker Zocher (parteilos) hatte jedoch kurz vorher mehrere Kameraden aus den Reihen der aktiven Wehr verabschiedet. Nun soll versucht werden, mit den drei verbliebenen eine neue Truppe im Naunhofer Ortsteil aufzubauen.

Mittels eines Fragebogens klärte die Kommune ab, wer noch in der Fuchshainer Wehr tätig sein will. Daraufhin, so Stadtsprecherin Anja Lohn, verblieben drei im aktiven Dienst, fünf wechselten in die Alters- und Ehrenabteilung von Naunhof und vier schieden aus. Das sehen aber nicht alle so.

„Für mich ist es das Schlimmste in meinen Leben, dass ich aus der Feuerwehr rausgeschmissen wurde“, sagt Jürgen Reichert, der 1998 in Fuchshain eingetreten war und bis zur Pensionierung 2010 in der Branddirektion Leipzig als Abteilungsleiter arbeitete. Zusammen mit vier seiner Kameraden habe er auf den Fragebogen geantwortet, sie wöllten nicht austreten, sondern eine Ehren- und Altersabteilung von Fuchshain bilden. Daraufhin hätten sie Briefe vom Bürgermeister erhalten, der sie entlassen und der Altersabteilung von Naunhof zugeordnet habe. „Dort wollen wir aber nicht hin“, so Reichert.

Ein Unding für Michael Schramm (CDU), der die Ratssitzung im Namen von zwölf Abgeordneten beantragt hatte. „Wir wollten uns mit allen Seiten zusammensetzen, um den Fortbestand der Wehr zu sichern“, erklärt er. „Wenn aber nach zwei Stunden fast alle Räte appellieren, die Kündigungsschreiben zurückzunehmen und die Kameraden einzuladen, und der Bürgermeister erwidert, er setze sich mit diesen Leuten nicht an einen Tisch, dann ist es zwecklos zu reden.“

Der Konflikt schaukelte sich im vergangenen Jahr hoch. „Wehrleiter Steffen Richter, der schwer krank ist, und sein Stellvertreter Malte Friedrich kamen immer weniger zum Dienst“, schildert Reichert. „Ich versuchte, die anderen Kameraden zusammenzuhalten.“ Friedrich entgegnet: „Auch Leiter sind einmal beruflich eingespannt. Ich habe keinem anderen vorgeworfen, wenn er mal längere Zeit nicht zum Dienst kam.“

Der neue Brandschutzbedarfsplan sieht vor, die Fuchshainer Wehr intensiver auszubilden. „Wir sollen fünf Dienste pro Jahr in der Stadt absolvieren. Das kam bei uns gut an. Doch dann erhielten wir eine Anweisung, wonach die kompletten Dienste in Naunhof zu erfolgen hätten, was wir nicht möchten“, so Reichert. Er wirft der Fuchshainer Wehrleitung und der Stadt vor, nie mit den Kameraden geredet zu haben. Das weist Friedrich zurück. „Ich habe Anfang 2016 mit den Kameraden gesprochen“, versichert er. „Aber sie wollten keine vernünftige Ausbildung machen. Diese ist jedoch allein aus Versicherungsgründen notwendig. Wir sind nun mal kein Verein, sondern eine Behörde mit Aufgaben und Pflichten. Da wir aber zu klein sind, müssen wir zur Ausbildung nach Naunhof.“

Anfang dieses Jahres spitzte sich die Lage zu, als die Stadt das Schloss des Gerätehauses auswechseln ließ. „Man muss sich das mal vorstellen: Die Sirene ertönt, und wir kommen nicht ins Depot“, klagt Reichert. Friedrich entgegnet, die Schlösser seien auch in den Wehren von Naunhof und Ammelshain ausgetauscht worden. „Es gab eine Dienstanweisung, wonach nur noch Leute mit Führungsqualitäten Schlüssel erhalten“, erklärt er.

Im Fuchshainer Gerätehaus hätten oft offene Bierflaschen und volle Aschenbecher gestanden. „Das sah aus wie in einer Gaststätte“, kritisiert Friedrich. „Außerdem öffneten unsere Kameraden die Türen für andere Vereine, die sich ohne Wissen der Leitung dort tümmelten.“ Reichert spricht hingegen von einer „Razzia der Stadt“. Sechs Bedienstete hätten im März das Gerätehaus aufgesucht und dort einen Kasten Bier und einen benutzten Aschenbecher vorgefunden. „Nach der Ausbildung gibt es überall ein Bierchen, das gehört zur Kameradschaftspflege, die unterbunden werden sollte“, meint er.

Die Fronten sind verhärtet. Ortsvorsteher Michael Pöhland bedauert die Situation. „Wie die Stadt mit unseren Kameraden umging, war nicht in Ordnung“, urteilt er. „Vieles wurde ihnen auf dem Dienstweg in Papierform zugestellt, anstatt mit ihnen zu reden. Als wir im Ortschaftsrat von den Spannungen erfuhren, regten wir ein Gespräch mit der Stadt an, die es aber ablehnte.“

Mit der Verwaltung und der Stadtwehrleitung, so Pöhland, müsse nun dafür gesorgt werden, dass die Fuchshainer Truppe Bestand hat. Laut Stadtsprecherin Anja Lohn will die Kommune den Standort erhalten. Vorübergehend würden aber die verbliebenen aktiven Mitglieder ihre Dienste in Naunhof absolvieren. Zwar sei die Einsatzbereitschaft durch das gemeinsame Handeln der drei Ortswehren und die Löschhilfevereinbarungen mit umliegenden Gemeinden gesichert. Es gelte aber die volle Stärke in Fuchshain wiederherzustellen.

Malte Friedrich sieht dafür gute Chancen. „Wir haben schon einige Kameraden mit einer Ausbildung in Aussicht, die aus anderen Orten zugezogen sind“, sagt er. „Nun bedarf es der Werbung.“

Von Frank Pfeifer

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