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OBM Berger: Mitleidsgedusel hilft nicht weiter

Zirkus Bügler in Nerchau OBM Berger: Mitleidsgedusel hilft nicht weiter

Das Winterquartier des Zirkus Bügler in Nerchau erhitzt weiter die Gemüter. Der Grimmaer Oberbürgermeister Matthias Berger verteidigte am Mittwoch die Position der Stadt. „Mitleidsgedusel hilft nicht weiter“, meinte er. Es sei Aufgabe der Stadt, Schaden abzuwenden.

Der Müll auf dem Gelände – ein Ärgernis.

Quelle: Frank Schmidt

Grimma/Nerchau. Der Zirkus Bügler in Nerchau kommt nicht aus den Schlagzeilen. Allerdings sind es die Zirkusleute nicht selbst, die sich zu Wort melden. Vielmehr wird mehr über sie gesprochen und diskutiert. Zuletzt hat sich eine Interessengruppe aus Nerchauer Bürgern um Pascal Wiatrowski ins Gespräch gebracht, die dem Zirkus temporär helfen will, solange dieser sein Winterquartier an dem BHG-Gelände aufgeschlagen hat (LVZ berichtete). Und so haben sich indes zwei Fronten gebildet, zwischen denen die Zirkusleute als Stein des Anstoßes stehen. Zum einen bemühen sich Nerchauer Bürger um Hilfe. Zum anderen steht die Stadt Grimma zum „konsequenten Vorgehen gegen Bügler“. Das ließ Obermeister Matthias Berger (parteilos) in einer Stellungnahme wissen. „Unsere Aufgabe ist es, Schaden von der Stadt abzuhalten. Ich denke, es ist nur normal, dass wir uns, wenn fremder Müll auf dem Grundstück der Stadt abgeladen wird, dagegen wehren. Wenn Nerchauer bereit sind, ihr Eigentum, sprich Flächen für den Zirkus zur Verfügung zu stellen, haben wir damit kein Problem. Die Verantwortung, die daraus resultiert, ist aber immens. Deshalb sollte sich dies jeder, der das vorhat, gut überlegen“, stellt Berger klar. Außerdem: „Der Bitte der Kirchgemeinde entsprechend haben wir die fachgerechte Verlegung eines Elektrokabels über unser Grundstück gestattet. Gleichzeitig haben wir jedoch um einen Nachweis der Einhaltung der technischen Normen als auch um eine Haftungsfreistellung der Kirchgemeinde gegen Ansprüche Dritter vor Inbetriebnahme der Elektroleitung gebeten. Leider liegt beides bislang nicht vor“, konstatierte das Stadtoberhaupt am Mittwoch weiter. Grundsätzlich aber freue sich Berger über jede Hilfe, die dem Zirkus gewährt werde. Aber: „Mitleidsgedusel hilft hier nicht weiter. Ich glaube, dass es bei Büglers schon lange nicht mehr um die Überwinterung eines Zirkus geht, sondern dass hier eine Gruppe von sozial in Not geratenen Menschen bei uns gestrandet ist und eine neue Orientierung braucht. Nachhaltige Hilfe zur Selbsthilfe ist hier gefragt. Ein Bündel Heu und ein warmer Händedruck im Interesse der Selbstdarstellung helfen dabei wenig und es werden Hoffnungen bei Büglers aufgebaut, deren Einhaltung die meisten langfristig überfordern dürfte“, ist sich Berger sicher.

Indes bricht mit besorgten Lesern eine dritte Front auf, die sich, wie Jochen Schickert aus Grimma, zu diesem Thema äußern. Er glaubt, „dass Pascal Wiatrowski absolut nicht als zentrale Figur gesehen werden könnte“ und mutmaßt weiter im Konjunktiv, „dass der Müll nicht der anderer Nerchauer, sondern seiner sein könnte.“ Dass der Zirkus wieder Strom habe, sei ebenso wenig ein Verdienst von Wiatrowski, sondern der von “privaten Initiativen.“ Er, Wiatrowski, hätte vielmehr den Zirkus „in eine völlig desorganisierte Lage gebracht – ohne Wasser, Abwasser und Strom.“ Erst die Kirchgemeinde habe etwas für die Zirkusleute getan, betont Schickert und verweist auf Pfarrer Markus Wendland und Peter Kessenich. Während Letzterer wegen Urlaub nicht erreichbar ist, bestätigt der Geistliche am Mittwoch auf Nachfrage, „dass wir versuchen zu helfen – was eben machbar ist. Mit Wasser, Essen oder Behördengängen.“ Außerdem seien die Zirkusleute im Januar für einen Auftritt in der Gemeinde engagiert und honoriert worden. „Mir ist bewusst, dass es verschiedentliche Ängste und Bedenken gibt, aber uns geht es um rein menschliche Hilfe für die Zirkusleute“, sagte Pfarrer Wendland.

Von Frank Schmidt

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