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Obdachlosigkeit ist im Muldental ein verstecktes Problem – Diakonie hilft Betroffenen

Wohnungslosenhilfe Obdachlosigkeit ist im Muldental ein verstecktes Problem – Diakonie hilft Betroffenen

Die Diakonie Leipziger Land startete im Herbst vorigen Jahres ein neues Projekt: die Wohnungslosenhilfe im Raum Grimma-Naunhof-Wurzen. Sie fängt Menschen am Rand der Gesellschaft auf und bietet ihnen Hilfe an. Projektleiterin Madeleine Burisch spricht von einem versteckten Problem, das aber existent ist.

Job los, Partner weg und überschuldet: Die Diakonie hilft Obdachlosen.

Quelle: dpa-Zentralbild

Lankdreis Leipzig. Die Diakonie Leipziger Land startete im Herbst vorigen Jahres ein neues Projekt: die Wohnungslosenhilfe im Raum Grimma-Naunhof-Wurzen. Sie fängt Menschen am Rand der Gesellschaft auf und bietet ihnen Hilfe an. Projektleiterin Madeleine Burisch zieht eine erste Bilanz.

Frau Burisch, im Gegensatz zum Bild in Großstädten sind Obdachlose hier bei uns auf dem flachen Land kaum sichtbar. Wie hoch ist der Bedarf?

Obdachlosigkeit gibt es auch bei uns. Das Problem ist versteckter, aber trotzdem da. Zielgruppe unseres Angebots sind ja nicht nur diejenigen, die bereits auf der Straße leben, sondern auch alle, die kurz davor stehen, ihre Wohnung zu verlieren. Das sieht man den Betroffenen nicht unbedingt an.

Was für Menschen suchen bei Ihnen Hilfe?

Es sind meist Männer mit zerrütteten Familienverhältnissen und wenig Kontakten. Wenn sie ihren Job oder den Partner verlieren, können sie sich plötzlich die große Wohnung nicht mehr leisten und eine kleinere, bezahlbare Bleibe ist schwer zu finden. Dazu kommen manchmal weitere Probleme wie Sucht oder psychische Belastungen. Und wer sich einmal etwas zuschulden kommen lässt, hat oft einen „Stempel“. Das spricht sich herum und er findet nur schwer etwas Neues, denn jeder Vermieter möchte Ärger vermeiden. Ich habe einen Klienten, der in den letzten Jahren 13 Mal umgezogen ist. Der Mann ist inzwischen bei vielen Vermietern bekannt.

Eine Wärmestube oder eine Notunterkunft gehören nicht zum Angebot. Was konkret tun Sie, um den Menschen zu helfen?

Viele kommen erst, wenn sich die Zahlungsrückstände häufen und sie kurz vor dem Rauswurf stehen. Wunder kann ich nicht vollbringen, aber eine Brücke zu Ämtern und anderen Beratungsstellen schlagen. Manchmal helfen auch ganz praktische Dinge: das Telefon oder die Dusche in der Beratungsstelle. Ich begleite auch bei Wohnungsbesichtigungen und komme zum Hausbesuch.

Viele suchen sicher auch ein offenes Ohr.

Ja, manche stecken in tiefen Krisen und wollen ihr Herz ausschütten. Im Blick habe ich den ganzen Menschen, nicht nur Mietverträge, Stundungen und Wohnungsannoncen. Wichtig ist mir außerdem, Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten, damit Menschen aktiv werden und Verantwortung übernehmen. Ich habe . einen Klienten, der wegen Beziehungsproblemen immer wieder von seiner Freundin aus der Wohnung geworfen wird. Außerdem hat er Probleme mit seiner Aggressivität, weswegen ich ihm den Kontakt zu einer Psychologin vermittelt habe. Und ich habe mit ihm Wochenziele festgelegt: zum Beispiel das Formular beim Jobcenter einzureichen.

Was wünschen Sie sich für diese Menschen von Politik und Gesellschaft?

Wenn ich mit Vermietern telefoniere, höre ich manchmal Sätze wie: „So eine Klientel möchten wir bei uns nicht haben“. Das ist einerseits nachvollziehbar, andererseits hat jeder eine zweite Chance verdient. Ich wünsche mir mehr Menschlichkeit, Verständnis und bezahlbare Wohnungen. Vermieter sollten sich ein Herz fassen und Wohnungen auch an diese Menschen vergeben. Leerstand gibt es schließlich genug.

Kontakt: Diakonie Leipziger Land, Wohnungslosenhilfe, Tel. 03437 9829798, E-Mail: madeleine.burisch@diakonie-leipziger-land.de, www.diakonie-leipziger-land.de

Von Cornelia Killisch

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