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Grimma Oberschule Böhlen Schüler und Eltern tragen über 3300 Unterschriften zusammen
Region Grimma Oberschule Böhlen Schüler und Eltern tragen über 3300 Unterschriften zusammen
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00:20 12.11.2017
Halten vor dem alten Schulgebäude die mehr als 3300 Unterschriften für den Ersatzneubau der Oberschule Böhlen in der Hand: Elternratsvorsitzender Sören Weigt-Geiler und Schülersprecher Julian Schaffranek. Quelle: Foto: Frank Prenzel
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Grimma/Böhlen/Colditz

„Wir freuen uns auf unsere neue Schule“ – ein überdimensionales Spruchband ziert die Feuertreppe der Oberschule in Böhlen. Doch um den Ersatzneubau tobt ein erbitterter Streit zwischen dessen Verfechtern und der Nachbarkommune Colditz. Kommenden Dienstag werden nun Eltern- und Schülerrat der Bildungsstätte dem Colditzer Bürgermeister Matthias Schmiedel (parteilos) ein gewichtiges Paket auf den Tisch legen. Es sind Listen mit sage und schreibe 3331 Namenszügen (Stand 7. November). Die Unterzeichner fordern den Rathauschef und die Stadt Colditz auf, das Normenkontrollverfahren fallen zu lassen und damit den Bau des neuen Schulhauses endlich zu ermöglichen. Rund neun Millionen Euro will die Stadt Grimma dafür in die Hand nehmen.

Noch kein Termin bei Gericht

Im Mai hat der 1. Senat des Oberverwaltungsgerichtes (OVG) Bautzen entschieden, dass der Normenkontrollantrag der Stadt Colditz gegen den Bebauungsplan der Oberschule Böhlen zulässig ist. Ob noch in diesem Jahr ein Verhandlungstermin gefunden werden kann, sei offen, sagte auf LVZ-Anfrage OVG-Sprecherin Norma Schmidt-Rottmann. Sonst werde im ersten Quartal 2018 verhandelt. Colditz befürchtet negative Auswirkungen für seine Oberschule und möchte deshalb den Ersatzneubau stoppen. Das Gericht hat nun zu befinden, ob der Bebauungsplan wirksam ist.

Ohne die gerichtliche Entscheidung wird Grimma mit dem Bau nicht beginnen, so Oberbürgermeister Matthias Berger. Das Risiko, 3,2 Millionen Euro Fördergeld zurück zahlen zu müssen, sei zu groß. Die Stadt ist mit Dresden im Gespräch, damit die Fördermittel wegen des Zeitverzugs nicht verfallen.

Auslöser für die Unterschriftensammlung war das Colditzer Amtsblatt vom Mai, in dem die guten Bedingungen der Colditzer Sophienschule gepriesen wurden. Die Schulkonferenz in Böhlen kam daraufhin zu dem Schluss, etwas unternehmen zu müssen. „Warum verwehren Sie mit Ihrer Klage ebensolche Bedingungen für unsere Schüler in Böhlen“, lautet die entscheidende Frage an Schmiedel, die im Text für die Namenslisten formuliert ist. Der älteste Teil der beliebten Böhlener Schule wurde 1886 errichtet, 1974 kam ein Anbau hinzu. 2006 gab es mit Brandschutzmaßnahmen die letzte Investition. „Wir haben Sanierungsstau und veraltetes Mobiliar“, verdeutlicht Schulleiter Gunter Hempel. Das größte Problem aber ist der Platz. „Wir haben nur die Hälfte des geforderten Raumes“, so Hempel. Heißt: Mit ihren derzeit 317 Schülern platzt die Schule aus allen Nähten. Nur mit einem Neubau, der in Zweizügigkeit für maximal 350 Schüler ausgelegt ist, könne die räumliche Enge überwunden werden, sagt er.

Schüler und auch Eltern sammelten seit den Sommerferien in alle Richtungen Namenszüge, um Colditz von der Klage vor dem Oberverwaltungsgericht Bautzen abzubringen. „Eine ganze Region steht dahinter und plädiert für unser Schule“, betont Elternratsvorsitzender Sören Weigt-Geiler mit Blick auf den Listenstapel. Sogar 290 Bürger aus Colditz geben mit ihrer Unterschrift der Forderung Nachdruck. „Wir wollen die gleichen Lehr- und Lernbedingungen für unsere Schüler wie in Colditz“, bekräftigt der 36-Jährige. „Wir hoffen, dass die Stadt ihr Vorgehen überdenkt und wollen Ängste nehmen.“ Denn die Colditzer Oberschule könne durch das neue sächsische Schulgesetz auch einzügig betrieben werden und sei nicht in Gefahr.

Je vier Eltern- und Schülervertreter dürfen am Dienstag um 17 Uhr ins Colditzer Rathaus. Öffentlichkeit will Bürgermeister Schmiedel nicht dabei haben. „Wir hoffen auf die Vernunft“, gibt Böhlens Schülersprecher Julian Schaffranek zu verstehen. Auf LVZ-Anfrage machte Schmiedel aber bereits klar, dass Colditz nicht von seinem Vorhaben abrücken wird. Die Initiative der Eltern und Schüler sei „emotional verständlich“. Auf den juristischen Werdegang habe sie jedoch keinen Einfluss, so Schmiedel. „Wir haben keine Chance, uns anders zu wehren.“ Für Colditz sei die Oberschule eine existenzielle Frage, „wir brauchen die Zweizügigkeit“. Die Einzügigkeit verhindere Zuzug und stehe der Perspektive der Stadt entgegen. Colditz stehe als Unterzentrum eine Oberschule zu, werde aber von einem Dorf abgeworben, betont Schmiedel: „Uns fehlen die Colditzer Kinder, die nach Böhlen gehen, um unsere Schule zweizügig zu betreiben.“

Schmiedel will die Listen seinem Stadtrat vorlegen. Das Votum der Eltern und Schüler müsse man akzeptieren, sagt der Stadtchef. Bei einer Sammlung in Colditz würden aber wohl genauso viele Unterschriften pro Colditz zusammen kommen, meint er zu glauben.

Von Frank Prenzel

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