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Obstbaumalleen an Straßen rund um Naunhof und Bad Lausick immer seltener

Obstbaumalleen an Straßen rund um Naunhof und Bad Lausick immer seltener

Obstbäume entlang der Straßen prägten die Landschaft seit Jahrzehnten. Jetzt gelten sie als aussterbende Spezies, zum Beispiel um Naunhof und Bad Lausick. Was morsch und gefällt wird, wird kaum ersetzt.

Symbolhaft für früher und heute: An der Straße von Naunhof nach Fuchshain ist im Rückspiegel als Relikt noch einer der verbliebenen Obstbäume zu sehen. Der Blick nach vorn zeigt eine ausgeräumte Landschaft, wo einmal eine ganze Allee von Gehölzen stand.

Quelle: Klaus Peschel

Naunhof/Bad Lausick. Bäume gefährden Autofahrer, so sieht es der Gesetzgeber, der Neupflanzungen nur in weitem Abstand von der Fahrbahn erlaubt. Dem widersetzen sich oft die Landwirte, die an ihren Ackerböden festhalten.

"Im vergangenen Winter sind so viele Bäume an den Straßen weggekommen. Mit Sicherheit waren die nicht alle krank oder stellten eine Gefahr dar." Christian Hagmaier ist entsetzt. Viel zu häufig, viel zu schnell für seinen Geschmack wird die Säge an Bäume gelegt. "Von den ehemals blühenden Landschaften, die es nach der Wende noch gab, ist nicht mehr viel übrig", bedauert der Vorsitzende der Buchheimer Initiative für Natur- und Landschaftsschutz und spielt bewusst auf ein geflügeltes Kanzler-Wort an. Dabei seien die von den Vorvätern gepflanzten Obstbaumalleen wichtige Elemente der Kulturlandschaft.

Uwe Bauch von der Wählervereinigung Ammelshain fordert deshalb: "Die Fällung von Bäumen darf nicht vom Schreibtisch aus angeordnet werden." An der Straße von seinem Naunhofer Ortsteil nach Trebsen stehe nur noch ein Minimum der Obstbäume. Obstalleen würden aber stets ein schönes Bild abgeben, egal ob zur Blüte oder wenn die Bäume Früchte tragen. "Man darf hier nicht nur funktionell und technisch entscheiden!", sagt der Abgeordnete.

Streller für Erhalt

So sieht es auch Rainer Streller (Freie Wählervereinigung Fuchshain). "Wenn es schon nicht so einfach ist, die Bäume zu ersetzen, muss der Erhalt an erster Stelle stehen", betont der Ortschaftsrat. Entlang der Straßen von Fuchshain nach Naunhof und Albrechtshain seien jedoch die Obstgehölze systematisch gefällt worden. "Ich kannte sie, sie waren nicht krank, wie es uns das Landratsamt weismachen will", erklärt er. "Man soll mir mit Namen nennen, wer die Krankheit festgestellt hat. Mit ihm lasse ich mich gern auf eine Diskussion ein."

Die Schuld dafür, dass immer mehr Landstraßen zu baumlosen Pisten werden, gibt Hagmaier aus Buchheim dem Gesetzgeber. Der stellt sich etwa in seinen "Richtlinien für passiven Schutz an Straßen durch Fahrzeug-Rückhaltesysteme" oder den "Empfehlungen zum Schutz vor Unfällen beim Aufprall auf Bäume" auf die Seite der Autofahrer. "Schwere Verkehrsunfälle vermeiden wollen, ist grundsätzlich richtig. Doch der Ansatz stimmt nicht", sagt er.

Löscher sieht Unfallrisiko

"Straßenbäume stellen ein potenzielles Unfallrisiko dar", verteidigt Rolf Löcher, Leiter des Straßen- und Hochbauamtes des Landkreises Leipzig, die Richtlinien, spricht von widerstrebenden Interessen. Bäume, die neu gepflanzt werden, müssten 4,50 bis zu acht Meter vom Fahrbahnrand in die Erde. Oder sie müssten durch Leitplanken geschützt werden. "Eine Geschwindigkeitsbegrenzung, nur weil ich außerorts einen Baum schützen will, würde keiner akzeptieren." Wenn der Landkreis den Ausbau von Straßen plane, sehe er Grün vor, so der Amtsleiter. Doch weil der Landverbrauch erheblich sei, stoße die Behörde dabei an Grenzen.

Ein Beispiel, das Licht und Schatten zeigt, ist die von Kitzscher nach Großbardau führende Kreisstraße, die der Kreis in mehreren Abschnitten grundhaft erneuern ließ. Zwischen Lauterbach und Großbardau wurden, zumindest auf einer Seite, wieder Bäume gepflanzt - zwischen Lauterbach und Steinbach nicht. Hier seien ein Landwirtschaftsbetrieb und die Kirchgemeinde nicht bereit gewesen, den für einen Radweg und für Bäume nötigen Streifen zu verkaufen, sagt Löcher. Nicht schön, doch allenfalls zu ändern durch ein langwieriges Planfeststellungsverfahren mit der Chance, Flächen zu enteignen - oder zu scheitern. Die Bäume, die der Landkreis für die Verbreiterung dennoch zu pflanzen in der Pflicht ist, stehen laut Löcher jetzt ein Dutzend Kilometer entfernt und werten eine alte Stallbrache auf.

Kirmes fordert Demut

"Die Selbstverantwortlichkeit des Fahrers im Straßenverkehr muss wieder mehr Betonung finden, dann können auch die Bäume wieder näher an die Straßen rücken. Entsprechende Standards, die im Übrigen viele Steuergelder verschlingen, sollten überarbeitet werden", meint Georg-Ludwig von Breitenbuch, CDU-Landtagsabgeordneter und Landwirt in Kohren-Sahlis. Er kritisiert das "Fehlen von Demut, das auch vor Bäumen nicht Halt" mache.

Sind in ein, zwei Jahrzehnten (Obst-)Baumreihen entlang der Straßen im Landkreis Geschichte? "Dieses Szenario halten wir für nicht zutreffend und nicht belegbar", sagt Florian Schaefer, Sprecher des sächsischen Wirtschaftsministeriums. Naturschutzrechtliche Belange nähmen einen großen Stellenwert bei sämtlichen Straßenbauvorhaben ein. Die Neupflanzung und der Ersatz einzelner Bäume werde in jedem Fall geprüft.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 02.07.2014
Schulreich Ekkehard und Pfeifer

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