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Grimma Offizielles Bienchen vom Landratsamt: Colditz schreibt wieder schwarze Zahlen
Region Grimma Offizielles Bienchen vom Landratsamt: Colditz schreibt wieder schwarze Zahlen
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09:37 15.02.2017
Sprudelnde Steuereinnahmen in Colditz. Quelle: dpa
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Colditz

Ob seine Kugelschreiber nur eine Farbe kennen – Rot? Der Colditzer Finanzer Wolf-Dieter Jahn lacht. Und hat auch einigen Grund dazu. Bei der Klausurtagung der Verwaltungsspitze des Landkreises und der Bürgermeister wurde die Stadt für ihre Haushaltsführung von offizieller Seite gelobt. Colditz mauserte sich von einer D-Kommune (instabile Kassenlage) im Jahre 2014 binnen drei Jahren zur B-Kommune (hinreichende Leistungsfähigkeit) – Ende 2017 winke sogar der Status einer A-Kommune (stabiler Haushalt). Der Rotstift könne helfen, in Colditz weiter schwarze Zahlen zu schreiben, sagt der Kämmerer augenzwinkernd.

Als der studierte Betriebswirtschaftler Jahn Anfang 2014 den Schlüssel zur Colditzer Schatztruhe übernommen hatte, war da kaum noch etwas drin. „Flüssigen 500 000 Euro standen gut zehn Millionen Schulden gegenüber.“ Hinzu kam, dass der Finanzplan von 2013 mittelfristig auch im liquiden Bereich ein sattes Defizit von einer dreiviertel Million prognostizierte. Doch es sollte anders kommen. Colditz, von der Kirchenmaus zum Krösus?

„Wir haben nicht unwesentlich an der Steuerschraube gedreht“, holt Amtsleiter Jahn aus: „Die Grundsteuer A beträgt aktuell 400 Prozent, die Grundsteuer B 540, die Gewerbesteuer 450 Prozent. Dadurch haben wir rund 700 000 Euro Mehreinnahmen pro Jahr.“ Zudem seien die Stellen der Mitarbeiter, die in Ruhestand gingen, in der Regel nicht wieder neu besetzt worden, sagt der Finanzer. Neben Personalabbau sei auch Schuldentilgung ein Thema: „Mein persönliches Ziel sind eine halbe Million Euro jährlich.“ Die Colditzer Wohnungsbaugesellschaft (CWG), deren Gesellschafter die Stadt zu 100 Prozent ist, muss seit 2015 Gewinne an die Kommune abführen: Bis einschließlich 2016 jeweils 100 000 Euro, 2017 und 2018 dann 200 000 und ab 2019 sogar 300 000 Euro. Jahn: „Dieser Beitrag ist nur gerecht, schließlich bringt die Kommune jedes Jahr Millionen auf, um Wohnraum vorzuhalten – Geld des Steuerzahlers.“

Während Bürgermeister Matthias Schmiedel (parteilos) seiner Verwaltung ein Riesenkompliment macht, sieht die Opposition im Stadtrat das Eigenlob kritisch: „Der Aufstieg zur B- und perspektivisch zur A-Kommune ist vor allem Verdienst der Bürger und Unternehmer“, kontert Manfred Heinz (FDP). „Über die Steuer zahlen sie einerseits mehr. Andererseits müssen sie mit Einsparungen, etwa bei der Jugendfeuerwehr leben oder mit höheren Gebühren, zum Beispiel bei der Sportstättennutzung.“ Colditz sei zwischenzeitlich nur deshalb in finanzielle Schieflage geraten, weil nach der Fusion 2012 über die Verhältnisse gelebt wurde, fast wie beim Monopoly, so Heinz.

Kämmerer Jahn sieht dagegen die Erschließung des Wohn- und Gewerbegebiets Anfang der 90er-Jahre als Schuldentreiber. „Natürlich profitiert die Kommune von der guten Konjunktur und einer florierenden Gewerbesteuer. 2014 betrugen die Einnahmen trotz Rückzahlungen 1,8 Millionen Euro, 2015 rund 2,8 und 2016 etwa 2,4 Millionen Euro.“ Auch durch die erfreuliche Entwicklung bei der Einkommenssteuer verdiene das Rathaus mit – 2016 immerhin fast zwei Millionen Euro.

Er wisse, dass nicht allein der Rotstift regieren dürfe, so Jahn: „Wenn wir fällige Instandhaltungen unterlassen, könnte es im Nachhinein teurer werden.“ Entsprechend baut er auch auf die Neuordnung des Finanzausgleichs und die Stärkung der Kommunen. Jahn fehlen zwar noch die Jahresabschlüsse, da es bislang nur Prognosen zur Höhe der Abschreibungen gibt, doch bedankt auch er sich bei Kollegen und Stadtrat: „Ich denke, wir haben eine gute Arbeit geleistet.“

Von Haig Latchinian

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