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Grimma Ohne Widerspruch bedeutet Zustimmung: Naunhof für Kooperation mit Großpösna
Region Grimma Ohne Widerspruch bedeutet Zustimmung: Naunhof für Kooperation mit Großpösna
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00:28 30.03.2018
Der Entwurf des Regionalen Planungsverbgandes Leipzig-Westsachsen sieht die grundzentralen Verbünde Naunhof-Großpösna und Brandis-Borsdorf vor. Bisher bildeten Naunhof und Brandis eine Kooperation. Quelle: Regionaler Planungsverband
Naunhof

Ein Ende des grundzentralen Verbunds von Naunhof mit Brandis rückt in den Bereich des Möglichen. Mit einem Beschluss zur jüngsten Stadtratssitzung sendeten die Naunhofer Abgeordneten die Botschaft an die Macher des Regionalplans Leipzig-Westsachsen, sie seien mit der von ihnen vorgeschlagenen anderen Kooperation einverstanden. Der Entwurf für den künftigen Regionalplan sieht vor, den alten Verbund mit Brandis durch einen neuen mit Großpösna zu ersetzen.

Bis zuletzt hatte Bürgermeister Volker Zocher (parteilos) für den Bestand der Zusammenarbeit mit Brandis geworben und argumentiert, ein Verbund mit Großpösna würde die Stadt schlechter stellen. So verfasste er eine Stellungnahme, mit der dem Entwurf des Regionalplans widersprochen werden sollte; sie stieß im Parlament jedoch auf breite Ablehnung.

Im Nachgang kommentierte Zocher, der Stadtrat habe „mit der üblichen großen Mehrheit eine Stellungnahme zum Regionalplan abgelehnt.“ Dieser Satz löste bei mehreren Abgeordneten Entsetzen aus, suggerierte er doch, es habe eine Opposition aus Prinzip anstatt eine Entscheidung aus Sachgründen gegeben.

Uwe Kulisch (Unabhängige Wählervereinigung) kritisiert, dass es in der Sitzung zu keiner Abwägung kam. „Der Bürgermeister legte uns eine Stellungnahme vor mit der Alternative: ,Entweder seid ihr dafür oder gegen mich’“, moniert er. Dabei müsse durch die Bildung eines Verbunds mit Großpösna keineswegs die Beziehung mit Brandis komplett gekappt werden. „Man kann das eine tun, ohne das andere zu lassen“, meint Kulisch.

Seiner Meinung nach hat es Sinn, wenn Nachbarstädte zusammenarbeiten und sich Ressourcen teilen. Ein Grundzentrum sei aber darauf angelegt, den ländlichen Bereich einzubeziehen. Deshalb wäre ein Verbund aus der Verwaltungsgemeinschaft Naunhof und Großpösna mit einer Anbindung nach Leipzig vorteilhaft. „Er kann sich gut entwickeln und eine Stärkung Naunhofs bedeuten“, so Kulisch.

Für Michael Schramm (CDU) bedeutet die Autobahn 14 nach wie vor eine Grenze. „Ich kenne keinen Naunhofer, der in Brandis einkauft, hingegen viele, die zum Pösna-Park fahren“, argumentiert er. „Die Bürger sehen eher eine Gemeinschaft in diese Richtung.“ Verärgert zeigt sich der Christdemokrat, weil über das Thema vor über einem halben Jahr schon einmal in einer nichtöffentlichen Sitzung mit Zocher gesprochen worden sei. „Damals haben ihm die meisten Abgeordneten zu verstehen gegeben, dass sie eine Zusammenarbeit mit Großpösna wollen“, erklärt er. „Und jetzt legt er uns eine Stellungnahme zum Regionalplanentwurf vor, die das komplette Gegenteil besagt. Ihr konnten wir nicht zustimmen.“

Zocher-Kritik übt auch Mario Schaller (Bürgerinitiative Naunhof). „Er sieht Verbindendes mit Brandis, hat aber nie versucht, auch mit Großpösna Anknüpfungspunkte zu finden“, äußert er. Und diese gibt es seiner Meinung nach durchaus. Die Nachbargemeinde habe ihre Seenlandschaft weiterentwickelt, dazu dürfe nicht in Konkurrenz getreten werden. „Besser sei es, sich zu ergänzen und gemeinsam ein vielfältiges touristisches Angebot zu entwickeln, zu dem auch unsere Seen gehören“, denkt Schaller. Außerdem sei eine räumliche Verbindung gegeben, denn fast jeder, der von Naunhof nach Leipzig fährt, komme zwangsläufig durch Großpösna. Nicht zuletzt stünden im Verbund Naunhof-Brandis zwei Gymnasien in Konkurrenz, während viele Großpösnaer die Naunhofer Bildungsstätte besuchen.

Einzige politische Kraft im Stadtrat, die zu Zochers Position steht, ist die Linke, deren Abgeordneten allerdings zur Stadtratssitzung verhindert waren. „Ich würde den grundzentralen Verbund mit Brandis gerne erhalten, weil wir schon personell zusammenarbeiten“, sagt Michael Eichhorn.

Dass sein Ortsverband in dieser Frage gespalten ist, weiß er, denn seine Belgershainer und Parthensteiner Parteigenossen stünden eher für die Ausrichtung nach Großpösna. Das Sinnvollste ist aus Sicht Eichhorns, in noch größeren Regionen zu denken, einem Konstrukt aus Verwaltungsgemeinschaft Naunhof, Großpösna, Brandis, Machern und Borsdorf.

Da keine Zeit bleibt, fristgerecht bis Monatsende noch irgendeine Stellungnahme zum Regionalplan zu beschließen, äußert Naunhof offiziell keine Einwände gegen den Entwurf. Durch die Blume gesprochen heißt das, die Stadt ist einverstanden, anstelle mit Brandis einen Verbund mit Großpösna einzugehen.

Gestern Abend sollten sich der Stadtrat Brandis und der Gemeinderat Belgershain mit dem Regionalplan befassen. Das Parthensteiner Parlament hat bereits in der vergangenen Woche entschieden, keine Stellungnahme abzugeben.

Von Frank Pfeifer

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