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Grimma Opfer der Messerattacke von Beucha nicht mehr in Lebensgefahr
Region Grimma Opfer der Messerattacke von Beucha nicht mehr in Lebensgefahr
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18:02 07.01.2019
Statt Taxifahrzeuge standen am Sonnabend Polizeiautos am Bahnhof Beucha. Ein junger Syrer hatte dort einen deutschen Jugendlichen schwer verletzt. Quelle: Frank Schmidt
Brandis/Beucha

Nach der Messerstecherei zwischen zwei Jugendlichen auf dem Bahnhof in Beucha am Sonnabend, schwebt das Opfer nicht mehr in Lebensgefahr. Der 17-Jährige sei aus dem Gröbsten raus, sagt Bürgermeister Arno Jesse (SPD). „Ich hatte Kontakt zu seiner Mutter aufgenommen. Der Junge wurde noch in der Nacht zum Sonntag in der Uniklinik Leipzig operiert und ist auf dem Weg der Besserung.“ Das Brandiser Stadtoberhaupt äußerte sich schockiert und bestürzt über das Geschehen vom Samstagabend. Es handle sich um den ersten, ihm bekannten schweren Zwischenfall in Brandis zwischen Ausländern und Deutschen in seiner Amtszeit, so Jesse.

Wahrscheinlich war Streit um ein Mädchen Auslöser

Wie berichtet, gerieten zwei Jugendliche auf dem Bahnhof Beucha in Streit. Der verbale Zoff, vermutlich um ein Mädchen, entwickelte sich zur handfesten Auseinandersetzung. In deren Verlauf soll der ein Jahr jüngere syrische Flüchtling ein Messer gezogen und mehrfach auf den Deutschen eingestochen haben. Zeugen berichteten, wie dieser an Arm und Bein sowie im Halsbereich verletzt wurde. Noch an Ort und Stelle wurde der Jugendliche notärztlich behandelt und anschließend in die Klinik gebracht.

Am Bahnhof in Beucha kam es am Wochenende zu einer Messerstecherei zwischen zwei Jugendlichen. Quelle: Frank Schmidt

Was auch immer im Vorfeld gelaufen sein mag – ein solcher Gewaltausbruch sei mit nichts zu rechtfertigen, betont Jesse. „Der junge Syrer hat Schutz bei uns gesucht, nun wird er selbst zur Gefahr – mir fehlen die Worte.“ Jesse lobt die Beuchaer, die zwar besorgt seien, aber besonnen reagierten. Bedauerlich finde er, dass ihn die Polizei das ganze Wochenende über nicht informiert habe, sagt der Bürgermeister: „Ich habe alles über die Medien erfahren.“

Haftbefehl gegen 16-jährigen Syrer

Nach Auskunft von Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz habe der Ermittlungsrichter beim Amtsgericht Leipzig inzwischen Haftbefehl wegen des dringenden Tatverdachts des versuchten Totschlags erlassen. Der 16-jährige Beschuldigte sitze in Untersuchungshaft. Er soll sich zu den Vorwürfen noch nicht geäußert haben.

Der Tatort am Bahnsteig des Beuchaer Bahnhofes wurde am Sonnabend abgesperrt. Quelle: Frank Schmidt

Bei dem 16-Jährigen, gegen den wegen der Messerattacke ermittelt wird, handelt es sich um einen sogenannten unbegleiteten minderjährigen Flüchtling, der seit Ende 2015 im Landkreis Leipzig registriert ist. In der Waldsteinberger Einrichtung ist er jedoch erst wieder seit Jahresbeginn untergebracht, sagt Brigitte Laux, Sprecherin des Landkreises, auf LVZ-Anfrage: „Er war also nur wenige Tage da.“

Rotes Kreuz führt Heim in Waldsteinberg

Aus Gründen des Jugend- und Datenschutzes müssten sich der Landkreis sowie der Träger des Heimes mit Informationen zurück halten, bittet Laux um Verständnis. „Nur so viel: Das Deutsche Rote Kreuz als Träger führt das Heim sehr engagiert und gut. Ich weiß, dass derzeit die Aufarbeitung mit den Jugendlichen in vollem Gange ist.“ Es gäbe pädagogische Hausordnungen und Sicherheitskonzepte, um den Umgang miteinander möglichst konfliktfrei zu gestalten. Darüber hinaus hätten unbegleitete Minderjährige auch einen Vormund aus dem Jugendamt als Ansprechpartner.

In den aktuell drei Einrichtungen des Landkreises Leipzig leben 39 unbegleitete Flüchtlinge, davon 28 zwischen 15 und 18 Jahren in Waldsteinberg. Dort würden sie in mehreren Wohngruppen intensiv von Sozialarbeitern betreut, informiert Landrat Henry Graichen (CDU). Er zeigt sich entsetzt über den Vorfall in Beucha: „Ich wünsche dem Opfer eine schnelle und vollständige Genesung. Ich bin überzeugt davon, dass Staatsanwaltschaft und Gerichte alles Notwendige tun, um den Fall aufzuklären.“

Deutsche Jugendliche prügelten sich in Wurzen

Kerstin Köditz, Grimmaer Landtagsabgeordnete der Linkspartei, kritisiert die Berichterstattung in der LVZ: Die Überschrift „Flüchtling sticht Jugendlichen nieder“ sei tendenziös. Der eine werde über das Alter, der andere über seine Herkunft definiert. Dabei handle es sich um Kinder. Ja, auch sie sei im höchsten Maße besorgt über die allgemein um sich greifende Verrohung, so Köditz: „Aber das hat nichts mit der Nationalität der Täter zu tun. Zu Silvester zogen deutsche Jugendliche mit Schlagring durch Wurzen. Wo blieb da der Aufschrei?“

Der Wurzener Kay Ritter, Landtagskandidat der CDU, ist erschüttert: „Wir brauchen uns nicht zu wundern, dass uns die Bürger fragen, was hier los ist.“ Jeder habe sich an die Gesetze zu halten. Das verlange man von den eigenen Leuten und erst recht von den Gästen: „Asylbewerber, die sich strafbar machen, haben hier nichts verloren!“ Der Rechtsstaat sei handlungsfähig, der Polizeistandort Wurzen rund um die Uhr besetzt: „Dafür hat sich unser Stadtverband erfolgreich stark gemacht.“

Von Haig Latchinian

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