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Grimma Orgelbauer legt Hand an in Nerchaus Kirche
Region Grimma Orgelbauer legt Hand an in Nerchaus Kirche
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00:36 20.04.2018
In der Kirche zu Nerchau wird derzeit die Orgel restauriert. Der Radebeuler Orgelbauer Johannes Lindner hat sich der Sache angenommen. Hier ist er beim Einbau einer Pfeife in den Orgelprospekt. Quelle: Thomas Kube
Grimma/Nerchau

Die umfassende Innensanierung der Nerchauer St.-Martins-Kirche biegt auf die Zielgerade ein. Mittlerweile ist auch der Orgelbauer im Gotteshaus. Johannes Lindner hat sich des Herzstücks im Sakralbau angenommen. Der 61-jährige Fachmann aus Radebeul verschafft der Jehmlich-Orgel ihren ursprünglichen Klang.

Es ist die zweite Stufe bei der Erneuerung der Kirche, die auf einem Hügel über der Mulde thront. In einem ersten Schritt war 2013 von der Turmspitze bis zur Dachrinne sozusagen die Kirchenhaube ausgewechselt worden. Seit Januar 2017 wird nun der Innenraum komplett aufgefrischt. Die Außensanierung ist laut Pfarrer Markus Wendland dann der letzte Part. Putz und Fenster seien zu überarbeiten, feuchte Stellen trocken zu legen. Allerdings ist dafür die Finanzierung noch offen und deshalb auch der Zeitpunkt. Ein Leader-Antrag sei gestellt, so der Pfarrer.

In der Kirche Nerchau kommt die Innensanierung gut voran. Der Orgelbauer verhilft der Jehmlich-Orgel zu altem Klang. Sie soll bald wieder wie zu ihrer Entstehungszeit 1912 klingen.

Orgel bekommt alten Klang von 1912

Schon lange wünscht sich die Kirchgemeinde in Nerchau, dass die Orgel der Dresdner Gebrüder Jehmlich wieder so schön klingt wie zu ihrer Bauzeit 1912. „So richtig spielfähig war sie nicht mehr“, weiß Wendland. Viele Jahre sammelten die Gemeindeglieder Geld für die Restaurierung des Instrumentes. Damit das gute Stück aber nicht gleich wieder Staub und Dreck schlucken muss, kam die ohnehin fällige Innensanierung des Kirchenraumes gleich mit aufs Tableau.

Decke wird aufbereitet

„Wir versetzen die Kirche auf den Stand von 1912“, erläutert der Pfarrer. Damals gab es die letzte große Innensanierung. Nur noch einmal in den 1950er Jahren waren die Maler im Haus und überstrichen dabei auch die Decke. Restauratorin Diana Berger-Schmidt entdeckte im vorigen Jahr deren ursprüngliche Gestaltung, die kastenförmig anmutet und aus zahlreichen farbigen Quadraten besteht. Nach dem Vorbild eines dieser Vierecke wurde die gesamte Decke nun neu aufbereitet. Der Blick nach oben lohnt sich.

Mittelgang entsteht neu

Dass der in den 1950er-Jahren entfernte Mittelgang wieder eingezogen wird, ist ein ebenso lang gehegter Wunsch der Kirchgemeinde. Das Kirchengestühl steht nun wieder auf der rechten und linken Seite. „Schon von der Blickachse her ist das wunderschön“, schwärmt Gottesmann Wendler. Beim Eintreten falle der Blick aufs Kreuz im schlichten Altarraum. Und bei Hochzeiten zum Beispiel könne das Brautpaar nun wieder den Mittelgang entlangschreiten.

Beleuchtung nach altem Vorbild

Auch beim neuen Beleuchtungskonzept besannen sich die Sanierer auf das Vorbild von 1912. Die Kirche erhielt zudem ein Beschallungssystem, das Hörgeschädigten die Teilnahme am Gottesdienst ermöglicht. Ein wesentliches Detail vermissen Kirchengänger derzeit jedoch: die Kanzel. Sie befindet sich momentan in den Händen des Holzschutzgutachters Jan Körner aus Frankenhain. Sie wird in einem Container sechs Wochen lang mit Stickstoff begast, um den Holzwürmern den Sauerstoff zu entziehen. Es ist das Ende der winzigen Schädlinge.

Innensanierung kostet rund 220 000 Euro

Alles in allem kostet die Innensanierung, bei der sich mehrere Gewerke die Klinke in die Hand gaben, rund 220 000 Euro. Einen Teil steuert die Landeskirche bei. Allein für die Aufarbeitung der Orgel sind 40 000 Euro hinzulegen. Kein Wunder: Es sei eine aufwendige Arbeit, sagt Orgelbauer Lindner, der ein Vierteljahr mit dem Instrument beschäftigt ist. Die Klaviatur hat der Spezialist, der pro Jahr drei bis vier Instrumenten neues Leben einhaucht, bereits aufgefrischt. Auch alle beweglichen Lederteilchen – also rund 1400 Membranen – sind in den nächsten Tagen zu erneuern. Das Jehmlich-Spiel, das in einem alten Gehäuse aus der Barockzeit steckt, besitzt um die 1000 Pfeifen, die der 61-Jährige Stück für Stück säubern und entbeulen muss. Die kleinste misst gerade mal sechs Millimeter. Die größten Pfeifen von bis zu 4,60 Meter mussten seinerzeit sogar gewinkelt werden, um unter die Kirchendecke zu passen. Indes ist eines der 17 Register nicht mehr vorhanden gewesen. Lindner kann es jedoch mit 54 Pfeifen aus derselben Zeit ersetzen. Auch der löchrige Blasebalg ist zu reparieren. Die Hauptarbeit aber bestehe in der Intonation, verrät der Fachmann. Die Klangfarbe eines jeden Registers müsse gleichmäßig sein.

Lindner weiß nur zu gut, dass Orgeln optisch wie klanglich dem Zeitgeschmack unterlagen. Das Nerchauer Instrument „hat keine Mechanik, alles funktioniert über Windströme“, erläutert der 61-Jährige das etwas anfällige System. Es sei also eine pneumatische Orgel und damit ein technisches Denkmal. „Denn so etwas wird nicht mehr gebaut“, konkretisiert der Experte. Für ihn ist die Nerchauer Jehmlich-Orgel mit ihren zwei Manualen und dem einen Pedal so etwas wie ein Oldtimer. Und der braucht bekanntlich viel Liebe.

Von Frank Prenzel

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