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Grimma Orgeltage zum 200. Geburtstag von Ladegast
Region Grimma Orgeltage zum 200. Geburtstag von Ladegast
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07:06 29.08.2018
Frischer Blick voraus: Kantorin Cornelia Schneider freut sich auf die Orgeltage in der Naunhofer Stadtkirche. Im Hintergrud das von Ladegast erbaute Instrument. Quelle: Thomas Kube
Naunhof

Wer berühmt ist und 200 Jahre alt wird, hat es verdient, etwas ausgiebiger gefeiert zu werden. So nimmt sich Naunhof gleich vier Tage Zeit, den Erbauer der Orgel seiner Stadtkirche zu ehren. Auf Interessierte warten viel Musik und Informationen.

Ladegast hat runden Geburtstag

„Unsere diesjährigen Orgeltage stehen ganz im Zeichen von Friedrich Ladegast, der am 30. August 1818 geboren wurde“, sagt Ina Heintzschel, die dem Förderverein Ladegastorgel Naunhof vorsitzt. Zwei Jahre hatte die Veranstaltung der Kirchgemeinde und ihres Vereins pausiert, weil es immer einen finanziellen Kraftakt darstellt, sie durchzuziehen. Dafür stemmen die beiden Partner dieses Mal sogar ein viertägiges Programm.

Musikreihe wird fortgesetzt

Beginnen wird es am Donnerstag und damit am Geburtstag Ladegasts mit dem Konzert des ehemaligen Kantors Espen Malbö, der damit seine Reihe aller Orgelwerke von Johann Sebastian Bach beendet (LVZ berichtete). Nachfolgerin Cornelia Schneider kündigt an, dass die seit 2014 laufende Musikreihe fortgesetzt wird, weil sich der Termin an jedem vorletzten Mittwoch im Monat etabliert hat. „Die Konzerte werden aber künftig verschiedene Musiker mit Werken auch anderer Komponisten bestreiten“, sagt sie. „Die Orgel stammt zwar aus der Zeit der Romantik, ist aber nicht auf Stücke dieser Epoche festgelegt. Man kann auf ihr alles spielen von Bach bis zu modernen Werken.“

Orgel wie zu Zeiten von Ladegast

Dass sie dieses breite Spektrum bietet, ist maßgeblich Volker Dornbusch, der von 1992 bis 2006 Kantor in Naunhof war, sowie dem 2004 gegründeten Verein zur Restaurierung und Pflege der Ladegastorgel und Förderung der Kirchenmusik zu verdanken. Sie zogen alle Register, um das Instrument Ladegasts in seinen Originalzustand zurückzuversetzen.

Zweite Orgel der Kirche

Lang ist die Tradition der Kirchenmusik in Naunhof, laut Akten der Diözese Grimma reicht sie bis 1529 zurück. 1612, so fand der frühere Pfarrer Ulrich Eichler heraus, wurde die erste Orgel aufgestellt. Ihr Zustand sei Mitte des 19. Jahrhunderts so beklagenswert gewesen, dass 1880 ein Vertrag mit dem Weißenfelser Orgelbauer Friedrich Ladegast geschlossen wurde. Am 15. und 16. August 1882 habe der Leipziger Universitätsmusikdirektor Langer das Instrument abgenommen. 1950 sei bei einer Renovierung das Klangbild allerdings abgeändert worden.

Rückführung ein Gewinn

Damals, so vermutete Dornbusch, wurde versucht, Orgeln ans Klangbild des 18. Jahrhunderts anzunähern, in dem Bach wirkte. Dieser Fehler ließ sich mit der jüngsten Restaurierung ab 2008 korrigieren. Am 12. Juli 2011 wurde das Instrument mit seinem ursprünglichen Klang abgenommen, was Kirchgemeinde und Förderverein zu den ersten Orgeltagen ausgiebig feierten. „Diese Rückführung war ein Gewinn“, urteilt Kantorin Schneider.

Führung zur Ladegast-Orgel

Wer sich die Orgel näher anschauen will, ist am Freitagnachmittag zu einer Führung willkommen. Bereits am Vormittag lernen sie Siebtklässler des Freien Gymnasiums Naunhof kennen. „Wir gewähren auch Blicke ins Innenleben, erklären die Arbeitsweise des Blasebalgs im Glockenturm und demonstrieren, wie auf ihr gespielt wird“, sagt Vereinschefin Heitzschel. Wer mit dem Klavier vertraut ist, dürfe sogar mal in die Tasten greifen.

Franns von Promnitz gibt Konzert

Ein Profi kommt am Sonnabend nach Naunhof: Franns von Promnitz aus Dresden, der schon an den bedeutendsten Orgeln Europas gastierte. Er gibt die Goldberg-Variationen, in denen sich italienische, französische und deutsche Traditionen vereinen und die Bach für fast alle damals gebräuchlichen Tasteninsturmente schrieb. „Das Konzert verspricht ein interessantes Erlebnis, weil einzelne Stücke durch den Einsatz der Register sehr farbig gestaltet werden können. Der Charakter wird also anders unterstrichen als beim Spiel auf dem Cembalo oder Clavichord“, erläutert Schneider.

Bach-Kantate zum Ausklang der Orgeltage

Unter Leitung der Kantorin werden am Sonntag zum Festgottesdienst Solisten, Chor und Orchester Bachs Kantate „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“ aufführen. 40 Sänger fanden sich vergangene Woche zur Probe ein. Weitere Stimmen aus Baalsdorf und Mölkau, Schneiders ehemaliger Gemeinde, stießen inzwischen dazu. Ausklingen werden die Orgeltage nach dem Gottesdienst mit einem Brunch im Kirchgarten.

Programm der 6. Naunhofer Orgeltage

30. September, ab 18  Uhr, Wunschkonzert zum Abschluss der Reihe „Mit Bach durchs Kirchenjahr“, Espen Melbö (Orgel)

31. August, ab 10 Uhr, Orgelführung für Schüler des Freien Gymnasiums Naunhof , ab 14 Uhr Orgelführung für alle Interessierten

1. September, ab 18 Uhr, Konzert Johann Sebastian Bachs „Goldberg-Variationen“, Franns von Promnitz (Orgel)

2. September, ab 10 Uhr, Festgottesdienst mit Bachs Kantate „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“, Anja Binkenstein (Sopran), Elzbeta Laabs (Alt), Dietrich Barth (Tenor), Stephan Hönig (Bass) sowie Chor und Orchester unter Leitung von Cornelia Schneider; danach Brunch im Kirchgarten

Von Frank Pfeifer

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