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Oscar des Landkreises: Heimatpreise vergeben

Oscar des Landkreises: Heimatpreise vergeben

Der Heimatpreis ist der Oscar des Landkreises Leipzig. Und genau wie jenseits des Großen Teiches wussten die Nominierten auch bei der Preisverleihung im Kösserner Rittergut bis zuletzt nicht, wer die Nase vorn hat.

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Gefertigt wurde der Heimatpreis von Töpfermeisterin Gundula Müller aus Kohren-Sahlis.

Quelle: Andreas Döring

Kössern. Entsprechend enttäuscht zeigten sich die zehnjährigen Hannes Lufsky und Leon Grundmann, dass sie in der Kategorie Impuls leer ausgingen. Wie eine Mutter tröstete Konstanze Kötz, Kulturverantwortliche im Landratsamt, die beiden Jungen, die sich auf dem Hof ihrer Großpösnaer Löwenzahn-Grundschule um das Denkmal für die Opfer des Ersten Weltkrieges verdient gemacht haben: "Ihr seid die Allerjüngsten, die bisher nominiert wurden, vielleicht klappt es ja schon im nächsten Jahr", machte Kötz den Kindern Mut.

Zum 24. Mal in Folge verliehen Leipziger Volkszeitung und Landratsamt die begehrten Heimatpreise. Überreicht wurden die von Töpferin Gundula Müller aus Kohren-Sahlis gefertigten Kacheln durch Wurzens LVZ-Regionalverlagsleiterin Kerstin Friedrich, Landrat Gerhard Gey (CDU) und Moderator Heinrich Lillie. Im Publikum herzlich begrüßt wurde Werner Hubrich. Der 80-jährige einstige Landrat des Alt-Kreises Wurzen gehörte damals neben Manfred Müller und Viola Heß zu den Initiatoren und Verfechtern des Preises: "Es erfüllt mich mit großer Freude, dass das einst in Wurzen in den Boden gebrachte Pflänzchen im späteren Muldentalkreis weiter gedeihen durfte und nun im Landkreis Leipzig weiter blüht", sagte Hubrich, der Niederschlesier, der wie seine Frau Margarete 1946 in Wurzen eine neue Heimat fand. "Jeder Mensch braucht Heimat."

Das konnte Jörn-Heinrich Tobaben nur unterstreichen. Der Geschäftsführer der Metropolregion Mitteldeutschland und Hausherr freute sich, Gastgeber der Heimatpreis-Verleihung sein zu dürfen. Im September 2012 hatte er das verwahrloste Rittergut Kössern erworben und rekonstruiert es fortan Seite an Seite von Mitgesellschafter Benjamin Gorgas äußerst liebevoll. Er schwärmt von dem lange vergessenen, herrschaftlichen Anwesen auf der zwölf Meter hohen Porphyrkuppe mit fantastischem Muldenblick. Selbst August der Starke soll hier geweilt haben, wenn er im Thümmlitzwald zur Jagd ging. Tobaben, der aus Buxtehude stammt und in jeder freien Minute im Blaumann selbst Hand anlegt, hält nicht viel von Ossi-Wessi-Klischees: "Viele Ostdeutsche, die wegen der Arbeit in den Westen gegangen waren, sind zurück gekehrt. Viele Westdeutsche, die nach der Wende in den Osten übersiedelten, sind wieder im Westen. Und dann gibt es Leute wie mich, die in den Osten kamen, danach wieder westwärts wechselten und sich schließlich ganz bewusst wieder für den Osten entschieden, weil ihnen drüben was gefehlt hat." Es sei für ihn eine Lebensaufgabe, das Rittergut wieder zu einem der Mittelpunkte des Ortes zu machen: "Das sind wir der Familie von Abendroth schuldig, die man nach dem Krieg enteignete, auf Rügen verschleppte und sie so ihrer Heimat beraubte."

Aurelia von Caterstein alias Petra Brummer begrüßte die Gäste im ehemaligen Kuhstall. Als Anstandsdame derer von Erdmannsdorff wohne sie seit über 300 Jahren auf dem Dachboden des Jagdhauses: "Nur zu hohen Festen begebe ich mich unters gemeine Volk."

Der Bitte von LVZ-Organisatorin Carola Nowack um unterhaltsame und launige Wortbeiträge konnten die Laudatoren logischerweise nicht in jeder Beziehung entsprechen - zu unterschiedlich waren die Themen. Aber sie meisterten den Spagat zwischen Chorleiter, KZ-Außenlager und Jugendclub genauso taktvoll wie die Musiker. Der Leiter des Kösserner centrum musicum, Olaf Böhme, entschied sich zwischen Cosi fan tutte und Udo Jürgens Griechischem Wein bewusst für einen Stilbruch: Hanns Eisler.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.04.2015

Latchinian

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