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Grimma Ostwaldscher Farbkegel im Verkehrskreisel
Region Grimma Ostwaldscher Farbkegel im Verkehrskreisel
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17:01 17.12.2015
Der Farbkegel soll auf die Ostwaldgedenkstätte in Großbothen – hier das Haus Energie, das auch das Museum beherbergt – hinweisen. Quelle: Foto: Thomas Kube
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Grimma/Hohnstädt

Der Kreisverkehr am Netto-Markt in Hohnstädt wird bunt. Die Grünfläche soll der Doppelkegel von Wilhelm Ostwald schmücken – mit 4,50 Meter Höhe und 6,60 Meter im Durchmesser ein an der Ortsdurchfahrt nicht zu übersehender Hinweis auf die Gedenkstätte für den Nobelpreisträger in Großbothen. „Der Doppelkegel mit 680 Farbquadraten ist eines unserer bedeutendsten Museumsobjekte“, erklärte Katy Reimelt vom Wilhelm-Ostwald-Park, die das Vorhaben zur jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses vorstellte, wo es durchweg Anklang fand.

Die Idee, so erzählte Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos), sei schon vor zwei, drei Jahren in einem Gespräch mit Gerda Tschira – die gemeinnützige Gerda und Klaus Tschira Stiftung kümmert sich seit 2009 um den Wilhelm Ostwald Park – über eine Werbeoffensive für die Großbothener Einrichtung entstanden. Er, Berger, habe damals den Vorschlag unterbreitet, den Kreisverkehr dafür zu nutzen – „ohne mit der sächsischen Bürokratie zu rechnen“. Das Straßenbauamt habe wissen lassen, „man könne mit jeder Skulptur leben, aber sie müsse zwei(!)dimensional sein“. Erst ein Besuch Tschiras bei Ministerpräsident Tillich habe den Durchbruch gebracht. Im August 2014 erfolgte schließlich die Ausschreibung, bei der drei Entwürfe eingingen.

Der jetzt vorgestellte berücksichtigt eine weitere Vorgabe des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr, den Verkehrskreisel mit gleich zwei Hecken zu umsäumen, damit ein „abirrender Motorradfahrer“ nicht am Farbkegel landet. Dieser wird zudem auf einer Erhöhung stehen, dem Umstand geschuldet, dass sich darunter der Zugang zu einem Abwasserschacht der Oewa befindet. Ein Schriftteil auf dem Kegel, der aus Richtung Autobahn zu lesen sein wird – also von dort, wo die Ortsfremden herkommen –, verweist auf den Wilhelm-Ostwald-Park im Grimmaer Ortsteil Großbothen, auf Museum und Tagungsmöglichkeiten. „Damit der Betrachter weiß, wo er das Original findet“, so Katy Reimelt. Die Kosten für das Vorhaben, ergänzte Berger, trägt die Tschira-Stiftung, der Grimmaer Bauhof hilft mit seinem grünen Daumen bei der Heckenpflege aus. Einen Termin für die Umsetzung gibt es laut Reimelt allerdings noch nicht. Er hänge daran, eine Firma zu finden, die mehr als drei Jahre Garantie auf das Material gibt, das zudem nicht fluoreszieren darf.

Ostwaldscher Farbdoppelkegel

Die einstige Wohn- und Wirkungsstätte des Nobelpreisträgers Wilhelm Ostwald vereint heute ein Museum im Haus Energie mit der original erhaltenen Bibliothek und ein Tagungszentrum in verschiedenen Häusern Glückauf, Werk und Waldhaus mit Seminarräumen und Übernachtungsmöglichkeiten. Das Museum beherbergt eine einzigartige Sammlung aus Objekten von und über den Chemiker und Universalgelehrten Ostwald.

Ab 1914 betrieb Wilhelm Ostwald im Auftrag des Deutschen Werkbundes farbtheoretische Studien aus ordnungswissenschaftlicher, physikalischer, chemischer, psychologischer und physiologischer Sicht. Er wollte nicht nur ein wissenschaftlich fundiertes System zur Ordnung, Systematisierung und Normung der Farbe schaffen, sondern seine Untersuchungen sollten einen Nutzen für Industrie und Handwerk erbringen: Sein Farbdoppelkegel mit Ausmischungen in Weiß und Schwarz erlaubt die exakte Bestimmung eines jeden Farbtons anhand von Buchstaben-Zahlen-Kombinationen. Ostwald stellte mehrere so genannte Farborgeln her. Die größte bestand aus 2520 gemessenen Farben. Für viele praktische Anwendungen genügte seiner Meinung nach aber eine Farborgel mit 680 Farben. Die Farbnorm bildete den Ausgangspunkt für einen Farbnormenatlas, Farbtonleitern, Farbskalen, Ausfärbungen und spezielle Farbenübersichten. 1917 erschien „Die Farbenfibel“, die bis 1930 insgesamt 14 Auflagen erreichte, und im Herbst des gleichen Jahres der erste Farbenatlas mit 2500 Farben. Für die Entwicklung dieses Farbsystems war Ostwalds naturwissenschaftliche Herangehensweise als Chemiker ebenso prägend wie seine eigene künstlerische Praxis als Maler von Landschafts- und Blumenbildern.

Von Ines Alekowa

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