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Grimma Otterwisch: Heilige Kühe und stürzende Milchpreise
Region Grimma Otterwisch: Heilige Kühe und stürzende Milchpreise
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14:13 19.05.2015
Auf Tuchfühlung mit dem lieben Vieh: Collin und Marvin zeigen beim Hoffest keinerlei Scheu vor Landwirt Christian Hahns Milchkühen. Quelle: Roger Dietze
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Otterwisch

"Die Leute kommen schon am Jahresbeginn auf mich zu, um zu erfahren, wann die nächste Auflage steigt."

Eingebrockt hat sich das der einstige Otterwischer Gemeinderat zu einem guten Teil selbst. Denn wo sonst kann man noch auf Tuchfühlung mit Milchkühen gehen, kann sich kostenlos mit der Kutsche durchs Dorf chauffieren lassen und den Klängen der Lauterbacher Dorfmusikanten lauschen? "Ich nutze meine Kontakte für unsere Gäste, so gut ich kann. Aber ohne meine Mitarbeiter wäre eine Festivität dieses Umfangs nicht durchführbar", dankt der 58-Jährige seiner 40 Frauen und Männer umfassenden Belegschaft. Diese hatte einmal mehr ihren Teil zur Gestaltung des Programms beigetragen, das unter anderem den Auftritt eines männlichen Helene-Fischer-Doubles, ein Schaubeschlagen, eine Voltigier-Darbietung und Zweispänner-Hindernisfahrten zu bieten hatte. Abgerundet wurden die zwei Tage durch einen Bauernmarkt und jede Menge musikalische Unterhaltung.

Mit nachdenklichen Worten hatte der Pomßener Pfarrer Christoph Gramzow das Hoffest eröffnet, daran erinnernd, dass Jesus Christus seinerseits zu seinen Mitmenschen im ländlichen Bereich gesprochen habe. "Seine Botschaft war dabei die, dass der Mensch nur einen bescheidenen Teil zu einer guten Ernte beitragen könne, während die Natur mit dem Segen Gottes dafür sorge, dass das Getreide wächst", so Gramzow, der zudem auf die in der Bibel hervorgehobene Bedeutung von Wasser, Brot und Milch verwies. "In Indien gelten Kühe unter anderem deshalb als heilig, weil sie dem Menschen das wichtige Nahrungsmittel Milch zur Verfügung stellen", sagt er.

Doch gerade die Milch mit ihrem schwankenden Preis ist es, die den Landwirten, die sie produzieren und somit ihren Lebensunterhalt bestreiten, seit Jahren nur schlecht in den Schlaf finden lässt. "Derzeit befindet sich der Preis wieder im Sturzflug, allgemein gesprochen wird Lebensmitteln heutzutage nicht mehr die Achtung entgegengebracht, die ihnen zukommt", beklagt Christian Hahn, der auf seine Art ein Kämpfer auf fast verlorenem Posten ist. "Ich habe in den vergangenen Jahren viele Milchbauern ihre Milchproduktion aufgeben sehen", beschreibt er die Situation.

240 Milchkühe hat der Otterwischer Landwirt in seinen Ställen stehen und damit eine Größe, mit der er früher gut wirtschaften konnte. Heute spricht er vom Überleben und der Verantwortung für 40 Mitarbeiter und deren Familien. "Die landwirtschaftlichen Subventionen verschieben so, wie sie gehandhabt werden, die Verhältnisse", sagt Hahn, der unlängst in der Schweiz gesehen haben will, wie es auch anders geht. "Vater Staat sollte Subventionen zum Schutz der gewachsenen landwirtschaftlichen Strukturen und nicht dafür einsetzen, dass die Großen noch größer werden."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.06.2014
Dietze, Roger

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