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Otterwischer Schafe dürfen an die frische Luft

Otterwischer Schafe dürfen an die frische Luft

Seit dieser Woche dürfen die Vierbeiner auf die Weide; Schäfer Jens Beyer nimmt sich vor, die nächsten Monate mit ihnen im Freien zu verbringen. Sein Chef, Denis Hagemann, hat derweil im Otterwischer Betrieb alle Hände voll zu tun.

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Drang in die Freiheit: Dennis Hagemann (links) und Jens Beyer bringen die Schafe nach draußen. Nach Monaten im Stall dürfen sie seit dieser Woche auf die Weide. Vor allem auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz in Grimma werden sie ihr Futter finden.

Quelle: Andreas Röse

Otterwisch. Für beide ein Job, der sie voll und ganz in Anspruch nimmt.

350 Mutterschafe und 300 Lämmer blökten im Otterwischer Stall, bis sie raus durften. Dort standen die Alten seit Dezember, als die Lammzeit begann. Vom Winterfell befreit, genießen sie nun die Freiheit. Sie sollen ihr Futter nicht nur auf Flächen der Agrargenossenschaft Otterwisch finden, vor allem werden sie auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz in Grimma zu sehen sein. "Dort betreiben wir Landschaftspflege", erklärt Hagemann. "Das ist unsere Haupteinnahmequelle."

Für diesen Dienst an der Natur erhält er Geld vom Landwirtschaftsamt. Ohne jene Mittel hätte sein Betrieb wohl kaum eine Zukunft. "Die Lämmerpreise sind zwar in den vergangenen zwei bis drei Jahren gestiegen, aber leben könnte ich davon nicht", schätzt der 37-Jährige. Die meisten Jungtiere vermarktet er direkt an die ortsansässige Fleischerei Hahn. Die restlichen gibt er an den Großhandel weiter oder zieht aus ihnen Muttertiere heran. Ein regelrechtes Minusgeschäft ist der Verkauf der Wolle. Hagemann erhält pro Kilogramm, wie er sagt, 50 Cent. "Da kostet der Schafscherer mehr", verdeutlicht er. "Zu DDR-Zeiten gab es fürs Kilo 80 bis 90 Mark."

Damals, vor der Wiedervereinigung, dachte er aber noch nicht an seinen jetzigen Beruf. Großvater und Vater waren Schäfer auf demselben Grundstück, das seinerzeit zur Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) gehörte. Doch sein Vater meinte, Handwerk habe goldenen Boden, und der Sohn wurde Zimmermann, gründete seinen eigenen Betrieb. 1994 zog er mit seiner Familie zu den Eltern, die sich nach der Auflösung der LPG selbstständig gemacht und das Haus auf dem Schäferei-Grundstück gekauft hatten.

Vor neun Jahren der Schicksalsschlag. Klaus Hagemann verunglückte tödlich. "Mein Vater war von heute auf morgen nicht mehr da, und hier standen 500 Schafe", verdeutlicht der Sohn die damalige Situation. "Ich musste mich entscheiden, ob ich die Tiere verkaufe oder nicht."

Er fasste den Beschluss, die Schäferei fortzuführen. Aufgewachsen war er mit den Tieren, so kannte er sich aus, was er ihnen zu fressen geben musste und wann sie zu scheren waren. "Aber es gab viele andere Hürden. Zum Beispiel fehlten mir alle Kontakte, ich wusste nicht, wo ich welche Fördermittel beantragen konnte", rekapituliert er. "Mein Vater hatte die gesamte Bürokratie allein erledigt. Das war eine große Herausforderung für mich." Denis Hagemann belegte einen betriebswirtschaftlichen Lehrgang, fuchste sich immer mehr ein.

Über den Sommer wird er sich um die neuen Fördermöglichkeiten kümmern und mit den Naturschutzbehörden einen Weideplan erstellen. Und sitzt er einmal nicht im Büro, dann produziert er schon auf den eigenen Flächen das Futter für den kommenden Winter. Jens Beyer wird dann mit den schwarzköpfigen Fleischschafen und Merino-Kreuzungen bei Wind und Wetter unter freiem Himmel sein, jeden Tag von Montag bis Sonntag mindestens zwölf Stunden - bis Dezember. Der 41-Jährige ist Schäfermeister mit Leib und Seele. "Meine Frau und Kinder haben sich daran gewöhnt", gibt er lächelnd preis.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.04.2014
Pfeifer, Frank

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