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Otterwischer Störche jetzt bestechend scharf

Live-Übertragung Otterwischer Störche jetzt bestechend scharf

Gestochen scharfe Bilder holt Storchenvater Klaus Döge jetzt vom Dach der Otterwischer Kirche. Ende Februar montierte er eine hochauflösende Kamera in schwindelerregender Höhe, mit der er das Gebaren von Familie Adebar rund um die Uhr filmt und live ins Internet stellt. Vor kurzem ist das Paar eingeflogen, Donnerstagmorgen lag das erste Ei im Nest.

Vater Storch im Anflug, seine Partnerin hat inzwischen mit dem Brüten begonnen.

Quelle: Thomas Kube

Otterwisch. Gestochen scharfe Bilder holt Storchenvater Klaus Döge jetzt vom Dach der Otterwischer Kirche. Ende Februar montierte er eine hochauflösende Kamera in schwindelerregender Höhe, mit der er das Gebaren von Familie Adebar rund um die Uhr filmt und live ins Internet überträgt. Vor Kurzem ist das Paar eingeflogen, Donnerstagmorgen lag das erste Ei im Nest.

Die gefiederten Besucher, die auf der sogenannten Ostroute über die Türkei aus Afrika kommen, hatten es dieses Jahr eilig. Am Ostersonntag landete die Frau im Nest, das Video beweist: Punkt 17.38 Uhr war sie da. Das Männchen, normalerweise zuerst vor Ort, folgte zwei Tage später, 12.33 Uhr. „Sie haben sich sofort zum ersten Mal gepaart“, sagt Döge, der vermutet, dass es sich um die Altstörche des vergangenen Jahres handelt. „Sie haben sich sofort gefunden und nicht erst gesucht.“

2015 hatten sie fünf Eier gelegt, eins mehr als der Durchschnitt bei Störchen. Ihnen entschlüpften aber nur vier Jungtiere, von denen zwei wegen der extremen Trockenheit verhungerten. Sie wurden wahrscheinlich von den anderen gefressen. „Das findet sich bei vielen Arten. Man lässt nichts verkommen, wenn das Futter knapp wird. So halten die Lebenden durch“, erläutert der Experte.

In diesem Jahr hält er ein ähnliches Schicksal für denkbar. Denn Mutter Storch hat sofort angefangen zu brüten. „Besser wäre es, sie würde warten, bis alle Eier da sind, denn dann schlüpfen die Jungen zur gleichen Zeit“, so der 65-Jährige. „Kommen aber zwei eher als die anderen, sind sie kräftiger und lassen, wenn es weniger Nahrung gibt, von ihren Geschwistern nichts übrig.“

Was immer auch geschieht, jeder, der über Computer und Internetanschluss verfügt, kann live zuschauen. Denn es handelt sich um den einzigen Horst im Landkreis Leipzig, der immer gefilmt wird. Im vergangenen Jahr hatte Döge erstmals eine Webcam installiert, die nicht nur ab und zu Fotos schießt, sondern laufende Bilder zu seinem Wohnhaus durch den Äther schickt, wo sie ins Internet eingespeist werden. Dieses Jahr tauschte er sie durch eine 250 Euro teure HD-Kamera aus. Sie sorgt für eine bessere Filmqualität und ist nachtaktiv. Über Spenden, die er erhält, kann Klaus Döge inzwischen solche Anschaffungen finanzieren. Die Betriebskosten, unter anderem für die Homepage, trägt er weiter selbst.

Aber das ist es dem ehemaligen Manager in der Computerbranche wert. Schließlich gilt es, die seit 1969 lückenlos laufende Dokumentation des Otterwischer Storchenlebens auf dem jeweiligen Stand der Technik fortzuführen. Nicht nur die 500 bis 600 Interessierten, die täglich die Internetseite anklicken, freut’s. Auch das Naturschutzinstitut Dresden hat sich schon angemeldet. „Sie wollen meine Videos, um sie auszuwerten“, sagt Döge und führt hinauf in den Kirchturm.

87 schmale steile Stufen sind bis zur Kamera zu nehmen. Der Enthusiast hat sie etwas höher gehängt als die alte, um einen steileren Blickwinkel ins Nest zu schaffen. „Ich komme jetzt nur noch selten hierher, denn die Kamera lässt sich vom Computer zu Hause aus bewegen und zoomen. Also muss ich nicht mehr hier oben die Einstellungen vornehmen, wenn ich beispielsweise eine Nahaufnahme von der Fütterung will“, sagt er.

Fasziniert schaut er hinaus auf die Tiere, die gerade miteinander schnäbeln. „Wenig Polstermaterial haben sie bisher herangeschafft“, schätzt der Vorsitzende der Ortsgruppe Otterwischs des Bundes für Umwelt und Naturschutz ein. „Aber sie waren eben auch sehr zeitig dran. Sie sind noch dabei, das Nest herzurichten.“

Das momentane Wetter sei für sie ideal. „Es ist feucht und warm, da finden die Störche viele Amphibien und Regenwürmer. Selbst Schnee würde den Tieren jetzt nichts ausmachen“, erklärt Döge. Sind die Jungen größer und können von der Mutter nicht mehr bedeckt werden, müsse es allerdings mit der Kälte vorbei sein. Wenn sie nach einem Regenguss nicht schnell trocknen, besteht die Gefahr zu erfrieren. Ein schönes Frühjahr darf also Familie Adebar gewünscht werden – und ein bisschen Eigennutz ist mit dabei.

www.storchennest-otterwisch.de

Von Frank Pfeifer

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