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Grimma Paddler kämpfen ums Überleben - Trotz Regatta-Absage wagten sie sich auf die Mulde
Region Grimma Paddler kämpfen ums Überleben - Trotz Regatta-Absage wagten sie sich auf die Mulde
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10:29 30.08.2010
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Muldental

Doch trotz offizieller Absage stürzten sich einige ins Abenteuer. Auf eigene Gefahr. Motto: Eine Bootsfahrt, die ist lustig. Am Neichener Wehr war Schluss mit lustig. Hier kämpften Paddler ums Überleben.

Alles fängt so verheißungsvoll an. Die Sonne lacht. Rudern muss kaum jemand. Die starke Strömung bewegt die Boote wie von Geisterhand. In der Bahrener Loreley wird sogar das Schlaraffenland ausgerufen: Siegfried Hennig und seine Freunde beköstigen die Bootsmänner mit Eierlikör und halben Eiern. Kostenlos! Auch der Altenhainer Heimatverein um Lutz Engler greift dankend zu. Die Stärkung ist wichtig. Das Golzerner Wehr wartet. Ein harter Kanten. Treppen und Pontons sind nach der Absage längst abgebaut. Das Umtragen - eine Herausforderung. Die gut gelaunten Altenhainer meistern sie und schicken eine Flaschenpost los: "Anfrage an den Sender Jerewan. Stimmt es, dass die Mulde-Regatta ausfiel? Im Prinzip ja, aber Unentwegte ließen sich treiben."

Die Männer vom Fanclub "Hubbe nei" lassen sich allzu sorglos treiben. Am Neichener Wehr gibt es für sie kein Halten mehr. Zwei Mann gehen über Bord. Einer rettet sich auf eine Landzunge, den anderen drückt es unters Schlauchboot. In Todesangst kann er den Arm gerade noch herausstrecken. Seine Kameraden reagieren sofort, zerren ihn hoch. Das Wildwasser, der Sog, dazu die ständigen Rufe des klitschnassen Mitstreiters von der Landzunge aus: "Springt doch! Warum springt Ihr nicht?!" Eine Stunde lang halten sich die Männer krampfhaft an Stricken fest. Das Boot gleicht einer Nussschale in tosender See. Doch es kippt nicht und läuft auch nicht voll. Die Besatzung mit ihren Weihnachtsmannmützen hat mehr als nur einen Glücksengel: Axel Kretzschmar und Thomas Freitag, zwei Wurzener, wagen es. Mit dem Kanu rudern sie gegen die Strömung und werfen das rettende Seil zu. Nun paddeln auch noch Ingo Noack aus Kühren und Tobias Scheeler aus Körlitz in die Nähe der Verunglückten, um am Seil zu ziehen. Doch das Boot steckt im Strudel fest.

Wielange können sich die Männer noch halten? Schnell ist die Neichener Feuerwehr zur Stelle. Kurz darauf folgen die Kameraden aus Trebsen und Altenhain. Ein Auto bleibt im Matsch stecken. Die Nerven liegen blank. Es kommt zu kurzem Gerangel mit übereifrigen Helfern. Doch Einsatzleiter Christian Pfaff behält kühlen Kopf. Als alle an einem Strang ziehen, erreicht das Boot das rettende Ufer. Völlig entkräftet und durchnässt gehen die "Weihnachtsmänner" zu Boden. Ein Epileptiker wird notversorgt und ins Krankenhaus gebracht. Der jüngste Feuerwehrmann, der 16-jährige Roberto Hecht, rennt für ihn nach einer Decke. Toller Hecht! Alle leben. Alle liegen sich in den Armen. Schildbürger Sven Kröker (aus Schildau), der den Notruf absetzte, genauso wie die hilfsbereiten Kanufahrer, die selber ins Wasser fielen. Sie wissen: Das war verdammt knapp.

Das nächste Mal nimmt sich der Fanclub "Hubbe nei" ein Beispiel an Hans-Peter Bohne. Der erscheint am Start in Grimma im Schottenrock. Es sei zwar ein Geheimnis, was er drunter trägt, doch keines, was er drauf hat: "Bei den Macherner Highland-Games werfe ich Baumstämme. Aber wenn die Regatta abgesagt ist, muss ich nichts beweisen." Da spart sich der vorausschauende "Schotte" lieber seine Kräfte.

Haig Latchinian

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