Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Grimma Paintballer haben Macherner Tresenwald-Areal im Visier
Region Grimma Paintballer haben Macherner Tresenwald-Areal im Visier
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 30.09.2016
Taktik und Teamgeist stehen beim Paintball im Vordergrund, mit Kriegsspielen habe man nichts am Hut, versichern die Anhänger des neuen Freizeitsports. Quelle: dpa
Anzeige
Machern

Ein Leipziger Unternehmer trägt sich mit der Absicht, am Rande des Macherner Tresenwaldes ein Eldorado für Paintballer zu errichten. Bei dem Gelände handelt es um die ehemalige Vermittlungsstelle der Deutschen Post, die nach einem Beschluss des Nationalen Verteidigungsrates der damaligen DDR zur „Sicherstellung der Nachrichtenversorgung“, wie es hieß, errichtet wurde. „Das Gelände liegt für uns ideal. Es befindet sich weitab vom Schuss. Häuser gibt es nicht in der Nähe“, untermauert Pierre Rötsch sein Interesse. Der Messestädter ist seit Jahren Anhänger des Freizeitsports mit Softair-Waffen. „In Leipzig betreiben wir bereits eine Anlage.“ Die logistischen Voraussetzungen in Machern würden ihm allerdings besser gefallen.

In der Gemeinde stellte Rötsch seine Ambitionen bereits vor. Auch ein Konzept zur Umnutzung des ehemaligen Telekom-Gebäudes legte er vor. Der Unternehmer könnte sich gut vorstellen, die Fläche am südlichen Rand des Tresenwaldes auch als Wettkampfstätte zu nutzen. „Es gibt mehrere Ligen, in denen wir antreten.“ So würden sich die großen Wiesenflächen, die das Areal bietet, als Spielfeld der Deutschen Paintball-Liga eignen.

Früher wurde das Gelände von Hunden bewacht

Das Areal dümpelt seit Jahren vor sich hin. Ein massiver Gebäudekomplex, der sich hinter Zäunen verbirgt und früher von Volkspolizisten mit Hunden bewacht wurde, lässt noch immer erahnen, wie wichtig die Übertragungsstelle den Post-Oberen war. Rund 20 Angestellte sollen hier tätig gewesen sein. Gearbeitet wurde im Dreischichtsystem. Auch militärische Aufgaben im Rahmen der „Landesverteidigung“ wurden der Übermittlungsstelle zugeschrieben. Mit der Wende ging die Fläche samt Immobilien an die Bundespost über, die 2002 den Betrieb einstellte. Später gehörten die Flurstücke einer Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom. Aktueller Eigentümer ist die Leipziger Stadtbau Immobilien GmbH.

„Unsere Mitgliederzahlen in Leipzig sind steigend“, berichtet Rötsch über wachsenden Zulauf. Deshalb wolle man sich in Machern mit einem größeren Gelände für den Zuspruch rüsten. „Viele bringen, gerade auch an den Wochenenden, ihre Kinder und Partner mit.“ Zunehmend begeistere der Sport auch Frauen. „Von Kriegsspielen distanzieren wir uns, Paintball ist eher Räuber-und-Gendarm-Spielen für Erwachsene.“ Es seien Teamgeist, Taktik und Köpfchen gefragt. Gesetzesänderungen würden es inzwischen auch erlauben, dass schon Kinder mit Farbpatronen Jagd auf Gegenspieler machen. „Theoretisch ist das ab neun Jahren möglich. Wir würden diesen Freizeitspaß aber erst aber zwölf Jahren anbieten, weil die Kinder erst dann in der Lage sind, Anweisungen zu folgen.“

Bei dem Areal handelt es sich um ein sensibles Gebiet mit Spaziergängern, Erholungssuchenden und einem Golfplatz in der Nähe. Paintball darf in Deutschland nur auf privatem Gelände gespielt werden. Niemand werde im Tresenwald mit Farbmunition durchs Unterholz ballern. „Wir würden uns nur innerhalb des bereits umzäunten Bereiches aufhalten. Dort ist angedacht, ein Spielfeld der Deutschen Paintball-Liga und zwei kleinere Spielfelder für Anfänger und Hobbyspieler anzulegen.“ Auch Platz für zwei weitere Beachvolleyballfelder wäre vorhanden. „Die Halle bietet zudem ideale Voraussetzungen, einen Indoor-Spielplatz zu errichten.“ Unter der Woche könnten Kindergeburtstage stattfinden. „Auch für Firmen eignet sich Paintball unterm Stichwort Teambildung.“

Erhöhtes Verkehrsaufkommen befürchtet

Obwohl einige Macherner Kommunalpolitiker offen zugaben, sich unter Paintball nichts vorstellen zu können, ging eine erste Probeabstimmung zugunsten der Antragsteller aus. „Mich werdet ihr dort nicht sehen. Aber ich stehe dem Vorhaben nicht im Wege“, meinte Vize-Bürgermeister Klaus Zaspel (CDU). Bedenken wurden vor allem zur Zufahrt und einem möglicherweise erhöhten Verkehrsaufkommen laut. „Mit wie vielen Leuten muss man auf der Anlage rechnen“, wollte Gemeinderätin Monika Alexandrow wissen. „ An Wochenenden rund 100“, gab Rötsch Auskunft. Der Verein selbst, der von den Leipzigern betrieben wird, zähle rund 40 Mitglieder. Derzeit führt nur eine Betonstraße von der B 6 Richtung Tresenwald. Die Zufahrt schrecke die neuen Nutzer nicht. „Der Sport spielt sich oft auf abgelegenen Flächen ab. Paintballer sind solche Hoppelwege gewöhnt.“

Neun Gemeinderäte konnten sich eine Unterstützung des Vorhabens schließlich vorstellen - bei nur einer Gegenstimme. Um die Pläne weiter voranzutreiben, muss die Kreisentwicklung ins Boot, betonte Hanka Lesser von der Macherner Bauverwaltung. Nächster Schritt wäre dann der Abschluss eines städtebaulichen Vertrages zwischen den Paintballern und der Kommune, um die Kosten eines nötigen Bebauungsplanverfahrens zu regeln. Auch das Gelände muss noch von der Stadtbau erworben werden, der jedoch ein großes Interesse am Verkauf nachgesagt wird. Auch ein Online-Handel für Paintball-Ausrüstung soll von Machern aus betrieben werden. Laut Konzept werde ein Umsatz von jährlich 750 000 Euro erwartet.

Von Simone Prenzel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

ÖPNV fährt die Ortschaften von Grimma täglich an. Allerdings reichen die Angebote nicht aus, um Veranstaltungen unter anderem im Jagdhaus Kössern oder auf dem Rittergut besuchen zu können. Veranstalter, wie das Jagdhaus, helfen jedoch bei Nachfrage.

27.09.2016

Die Leipziger Kriminalpolizei ermittelt nach einem Diebstahl in Grimma. Wie die Behörde mitteilte, war bereits in der Nacht zum Samstag das Namensschild der Landtagsabgeordneten Kerstin Köditz (Die Linke), welches am Eingang ihres Bürgerbüros in Grimma angebracht war, gestohlen worden.

27.09.2016

Ein Naturlehrpfad wurde jetzt in Großbothen eingeweiht. Große Einsatzbereitschaft zeigte dabei der Förderverein der Schule, des Hortes und der Kindertagesstätte. Die Tschira-Stiftung griff den Verein materiell unter die Arme.

27.09.2016
Anzeige