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Parthensteiner Gemeinderäte fordern Fotografiererlaubnis der Eltern in Kitas

Streitfrage Parthensteiner Gemeinderäte fordern Fotografiererlaubnis der Eltern in Kitas

Sollen Eltern ihre Kinder in Kitas fotografieren dürfen? Eine Mehrheit der Parthensteiner Gemeinderäte meint Ja, wenn gewisse Voraussetzungen erfüllt sind. Gegen sich haben sie in dieser Frage Bürgermeister Jürgen Kretschel (parteilos), der für die kommunalen Einrichtungen strikte Regeln vorgegeben hat. Ausgefochten ist der Streit noch nicht.

Dürfen Eltern draufhalten, wenn die Kinder in der Kita ein Programm aufführen? Die Meinungen gehen auseinander.

Quelle: LVZ

Parthenstein. Sollen Eltern ihre Kinder in Kitas fotografieren dürfen? Eine Mehrheit der Parthensteiner Gemeinderäte meint Ja, wenn gewisse Voraussetzungen erfüllt sind. Gegen sich haben sie in dieser Frage Bürgermeister Jürgen Kretschel (parteilos), der für die kommunalen Einrichtungen strikte Regeln vorgegeben hat. Ausgefochten ist der Streit noch nicht. Zurzeit dürfen Eltern keine Fotos in den Kindertagesstätten schießen. „Ich befürchte, dass die Bilder ins Internet gestellt werden“, begründete Kretschel seine Position. Wenn das schriftliche Einverständnis der Eltern vorliegt, seien Gruppenbilder durch einen professionellen Fotografen möglich, dieser dürfe sie aber auch nicht im Netz verbreiten.

Christdemokraten schlagen Kompromiss vor

Einige Gemeinderäte fühlen sich gegängelt von dieser Gangart. Volker Klostermann (CDU) schob einen Beschlussvorschlag an, den auch die Christdemokraten Thomas Günz und Stefanie Diestel sowie Ralf Saupe von der Wählervereinigung Parthenstein – Freunde der Feuerwehr (WVP) unterschrieben. Sie schlugen einen Kompromiss vor. Demnach sollen die Eltern vorab gefragt werden, ob sie bei Veranstaltungen der Kitas im Allgemeinen oder bei besonders definierten Ereignissen einverstanden sind, wenn ihr Kind von anderen Eltern fotografiert wird. Bedingung: Die Aufnahmen dürften nur für den persönlichen Gebrauch verwendet werden und nicht im Internet erscheinen.

Kretschel stellte zunächst klar, dass er über diesen Antrag im Gemeinderat eigentlich nicht abstimmen lassen müsste. Für die Frage sei nicht das Parlament, sondern einzig der Bürgermeister in Abstimmung mit den Kindertagesstätten zuständig. Und mit deren Leiterinnen habe er sich geeinigt, die bewährte Linie weiterzufahren. Aus Gründen der Demokratie hätte er das Thema aber auf die Tagesordnung gesetzt. „Mir sind die Gefahren durchs Internet klar, aber man kann nicht alles verhindern“, erklärte Klostermann. „Es kann mir keiner erklären, warum ein Fremder Fotos machen darf – ich aber nicht, wenn mein dreijähriger Sohn im Weihnachtsprogramm als Schneeflocke auftritt.“

Einschnitte in Rechte der Eltern

Saupe appellierte an den Bürgermeister, seine Zustimmung zum Antrag zu erteilen. „Wie verletze ich die Rechte von Kindern, wenn ich sie im Beisein ihrer Eltern fotografiere“, fragte er und verlieh seiner Überzeugung Ausdruck, dass durch die jetzige Regelung „in die Entscheidungen der Eltern eingegriffen wird, die die Entwicklung ihrer Kinder dokumentieren wollen.“

Für Kretschel werde der Dokumentation genügend Rechnung getragen, wenn die Leiterinnen und Erzieherinnen der Einrichtungen die Kinder einzeln ablichten und daraus ein Portfolio erstellen, das die Eltern erhalten. Und bei Veranstaltungen wie zum Beispiel den Weihnachtsfeiern „stört es die Atmosphäre, wenn jeder Papa mit der Kamera vor der Bühne herumrennt.“

Schutz vor Facebook? „Das geht doch sowieso nicht"

Beendet war die Debatte damit nicht. Heike Steinbach von der Unabhängigen Wählervereinigung – Bürgerkomitee und Matthias Constantin (FDP) plädierten dafür, es mit der Einverständniserklärung zu probieren. „Und wenn es schiefgeht, wird die Sache ausgesetzt“, meinte Thomas Günz (CDU), der nachschob: „Wie wollen wir die Kinder vor Facebook schützen? Das geht doch sowieso nicht.“ Torsten Wanke (Linke) gab zu bedenken, dass die Kleinen nach der Kita die Grundschule besuchen. „Zur Schulanfangsfeier handelt es sich um die selben Kinder. Es wäre undenkbar, wenn dort dieselben Eltern keine Fotos machen dürften.“

Einzig Katrin Scholz (WVP) stärkte Kretschel den Rücken. „Auch wenn wir die Einverständniserklärungen der Eltern haben, kann hinterher niemand nachvollziehen, wer mit den Fotos Missbrauch im Internet betrieben hat“, sagte sie. Dann sei der Bürgermeister verantwortlich. Sieben Abgeordnete sprachen sich für die Neureglung aus, vier dagegen. Die anderen fünf enthielten sich der Stimme. Kretschel kündigte umgehend seinen Widerspruch an. Über ihn soll am 10. November im Gemeinderat diskutiert werden. Sollte er wieder scheitern, will der Bürgermeister die Angelegenheit der Kommunalaufsicht vorlegen.

Von Frank Pfeifer

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