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Parthensteins Bürgermeister Kretschel im Interview: "Damit nicht gerechnet"

Parthensteins Bürgermeister Kretschel im Interview: "Damit nicht gerechnet"

Seine Gemeinde steht hinter Jürgen Kretschel. Am 9. Juni vergangenen Jahres wurde der Parteilose mit fast 99 Prozent der Stimmen in seinem Amt als Parthensteiner Bürgermeister bestätigt.

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Im Gespräch: Bürgermeister Jürgen Kretschel

Quelle: Andreas Röse

Parthenstein. Auf diesen persönlichen Höhepunkt folgte im Herbst ein Tiefschlag. Der 59-Jährige musste ins Krankenhaus, fiel wegen einer Knie-Operation von Anfang Oktober bis Mitte Dezember aus. Die LVZ sprach mit ihm über das abgelaufene Jahr und seine Pläne.

Frage: Wie geht es Ihnen gesundheitlich?

Jürgen Kretschel: Ich fühle mich wieder fit. Es hat aber die Nerven beansprucht, wenn die Verwaltung umstrukturiert werden soll und man nur von außen Einfluss nehmen kann.

Sie meinen die Versetzung von Personal aus Parthenstein nach Naunhof, was für einige Aufregung sorgte. Kam das für Sie aus heiterem Himmel?

Damit haben wir nicht gerechnet. Wir hatten unsere Außenstelle der Stadtverwaltung als intakt bewertet, denn sie stand nicht schlechter da als vor zehn Jahren. Noch 2011 erhielten wir vom Landratsamt einen Bescheid, dass mit der Außenstelle alles in Ordnung ist. Warum nun bei der Bewertung der finanziellen Verhältnisse von Naunhof unser Standort herangezogen wurde, ist nicht nachvollziehbar. Wir haben uns selber finanziert, die Umsetzung von Mitarbeiterinnen bringt Naunhof keine Einsparungen.

Es heißt, Sie waren wegen der Neustrukturierung auf den Naunhofer Bürgermeister Zocher wütend...

Ich mache weder ihm, noch dem Stadtrat einen Vorwurf. Auch nicht dem Rechnungshof und dem Landratsamt, die der Stadt Naunhof Auflagen erteilten. Mein Vorwurf geht in erster Linie an den Gesetzgeber, also an den Freistaat. Er forderte größere Strukturen auf Landes-, Kreis- und Gemeindeebene, die aber nicht zu den beabsichtigten Einsparungen geführt haben. Die Akteure auf der untersten Ebene müssen das ausbaden. Wir sollten versuchen, uns nicht gegenseitig zu zerfleischen.

Wie sehen die Veränderungen in Ihrem Haus konkret aus?

Zwei Mitarbeiterinnen sind rüber ins Naunhofer Rathaus gewechselt, wo sie die Sachgebiete Soziales und Finanzplanung abdecken. Bei uns verbleiben eine Mitarbeiterin für allgemeine Verwaltungsarbeiten und eine Mitarbeiterin für die Liegenschafts- und Wohnungsverwaltung. Ich selbst bin weiter als Angestellter der Stadtverwaltung Naunhof der Leiter der Außenstelle Parthenstein und habe zusätzlich die Bauverwaltung für den Bereich der Gemeinde übernommen. Ehrenamtlich bleibe ich natürlich weiterhin der Bürgermeister. Wichtig dabei ist: Die politische und wirtschaftliche Eigenständigkeit der Gemeinde bleibt von dieser Verwaltungsneustrukturierung unberührt. Das heißt, niemand hat Zugriff auf das Vermögen der Gemeinde, und die Entscheidungen des Gemeinderates sind nicht beeinflussbar.

Also erweitert sich Ihr Arbeitsspektrum. Was gehört jetzt dazu?

Ich erledige das, was die Bürger in erster Linie wahrnehmen: die Organisation des Bauhofs, des Winterdienstes, der Straßen- und Gewässerunterhaltung sowie des Feuerwehrwesens. Als Bürgermeister obliegt mir die Personalverwaltung von 58 Mitarbeitern der Gemeinde, ich habe Sitzungen vorzubereiten und durchzuführen, Ehrungen vorzunehmen und vieles mehr.

Können Sie mit dieser neuen Struktur leben, haben Sie das Beste für Ihre Gemeinde erreicht?

Optimal wäre es gewesen, wenn alles beim Alten geblieben wäre. Aber zum einen verließ uns unser Bauverwaltungsmitarbeiter, was mich wie ein Blitz traf. Und zum anderen war bei den Gesprächen zur Neustrukturierung nicht mehr herauszuholen. Wichtig ist, dass die Bürgernähe erhalten geblieben ist.

Abgesehen von diesem Thema - wie schätzen Sie das vergangene Jahr ein?

Es war ein durchschnittliches Jahr. Wir hatten einen großen Zulauf in den Kindertagesstätten. Highlight war die Fertigstellung des Dorfgemeinschaftszentrums in Klinga. Vom Hochwasser sind wir verschont geblieben. Es gab nur ein paar kleinere Probleme am Cladegraben, aber wir haben beim Landkreis keine Flutschäden angemeldet. Nicht zuletzt war wichtig: Das Vereinswesen hat gut funktioniert.

Die Investitionen in die Kindertagesstätten haben sich also gelohnt?

Unsere Strategie war richtig, dass wir in den zurückliegenden Jahren in Klinga und Großsteinberg neu gebaut haben. Alle Kindertagesstätten sind voll. Es kann sogar passieren, dass wir darüber nachdenken müssen, noch mehr Platz zu schaffen.

Das Dorfgemeinschaftszentrum Klinga, so hört man, wird ganz gut angenommen...

Wir hatten nicht geahnt, dass solche Massen von Anmeldungen für Privatfeiern und Unternehmensveranstaltungen eintreffen. Einen Kollegen haben wir eingestellt, der die Einrichtung stundenweise betreut. Das Zentrum ist übrigens nicht nur für die Klingaer da. Wer den Raum, der für 200 Leute Platz bietet, nutzen möchte und von außerhalb kommt, kann auch gern kommen. Dieses Jahr soll erstmals die Schulanfangsfeier der gesamten Gemeinde dort stattfinden. Es ist zwar nicht möglich, ein solches Haus kostendeckend zu betreiben. Aber ein Großteil der Ausgaben kann schon jetzt durch die Einnahmen beglichen werden.

Sie sprachen auch das Vereinsleben an. In der Außenwirkung sieht es so aus, als hätte die Gemeinde davon überdurchschnittlich viel zu bieten. Woran liegt das?

Früher hat jeder sein Süppchen für sich gekocht. Doch in den vergangenen Jahren verbesserte sich das Zusammenwirken aller. Events werden jetzt gemeinsam vorbereitet. Pomßen war in dieser Hinsicht Vorreiter, die anderen Ortsteile haben nachgezogen. So wird die Arbeit auf viele Schultern verteilt. Darüber freue ich mich, denn das verstärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl in der gesamten Gemeinde.

In Naunhof und seinen Ortsteilen gibt es momentan Differenzen. Manchen Vereinen wird vorgeworfen, sie würden bevorzugt. Wie sieht Ihre Vereinspolitik aus?

Wir versuchen, die Rahmenbedingungen für alle Vereine gleich zu gestalten, auch wenn das nicht ganz hundertprozentig möglich sein kann. Auf diese Weise muss sich niemand hintenangesetzt fühlen. Das trägt zum Vereinsfrieden bei.

Vor einem Jahr hatten Sie im LVZ-Interview von einem Interessenten gesprochen, der den Bahnhof in Großsteinberg herrichten wollte. Bis jetzt ist nichts geschehen....

Es handelte sich um einen Eisenbahnenthusiasten und Lokführer aus der Region, der große Pläne hatte. Doch aus dem Verkauf ist nichts geworden. Die Sache ist vom Tisch.

Wem gehört der Bahnhof jetzt?

Ich habe keine Ahnung, wer ihn derzeit besitzt. Er ist aber unser größtes Sorgenkind. Irgendwelches Volk tummelt sich darin, es kommt zum Vandalismus. Inzwischen nahm sich die Polizei der Sache an.

Was sollte aus dem Gebäude Ihrer Meinung nach werden?

Es gehört zum Ort, eine Nachnutzung wäre mir lieb. Als öffentliche Einrichtung oder Standort für Unternehmen ist der Bahnhof nicht vorstellbar. Dafür liegt Naunhof zu nahe; Gewerbe, wie zum Beispiel ein Friseur, könnte sich nicht halten. Aber es wäre denkbar, ein Wohnhaus daraus zu machen. Nur alle halbe Stunde kommt ein Zug, an der Staatsstraße in Klinga verursacht der Verkehr mehr Lärm. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass sich ein Eigentümer findet, der sich engagiert. Ein Abriss wäre für mich die letzte Möglichkeit.

Was planen Sie als Gemeinde für dieses Jahr?

Wir hoffen, dass der Ausbau der Staatsstraße in Grethen im dritten oder vierten Quartal beginnt. Dort wären wir mit dem Fußweg und der Beleuchtung beteiligt. Im Klingaer Wohngebiet Südwest wollen wir einen neuen Spielplatz anlegen. Außerdem sind Werterhaltungsmaßnahmen vorgesehen. Zurzeit werden schon Gruppenräume der Kindertagesstätte Grethen saniert. In Räumen für den Ganztagsunterricht im Keller der Grundschule gibt es Nässeschäden, dort müssen wir etwas tun. Der Block Werner-Seelenbinder-Straße 6 in Großsteinberg braucht mehr Pkw-Stellflächen, weil die jetzigen nicht ausreichen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.01.2014
Pfeifer, Frank

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