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Pep Grimma will Leerstand beseitigen: Stadträte fürchten um Innenstadt

Handel Pep Grimma will Leerstand beseitigen: Stadträte fürchten um Innenstadt

Im Prima Einkaufs-Park am Rande von Grimma liegen etwa zehn Prozent der Verkaufsfläche brach. Das möchte der Eigentümer ändern, neue Mieter gewinnen und das Einkaufszentrum umgestalten. Doch aus den Reihen des Stadtrates gibt es Gegenwind. Eine Beschlussvorlage zur Änderung des Bebauungsplanes wurde deshalb abgesetzt.

Der Pep in Grimma will gegen den Leerstand ankämpfen.

Quelle: Frank Prenzel

Grimma. Der Prima Einkaufs-Park am westlichen Stadtrand von Grimma, kurz Pep genannt, ist in die Jahre gekommen und wirkt etwas angestaubt. Erika Reichardt geht hier aber gern ihren Einkäufen nach. „Man hat viele Läden und kriegt fast alles“, lobt die 70-Jährige, während ihr Mann oberhalb der Rolltreppe auf sie wartet. Rundum glücklich ist die Rentnerin aber nicht. Gerade bei Schuhen und Kleidung wünscht sich die Grimmaerin weitere Händler im Pep. Und sie bemängelt das gastronomische Angebot. „Oben war ja mal noch ein Imbiss, aber der ist weg“, weiß sie.

In der Tat muss sich der Pep-Kunde beschränken, wenn er seinen Hunger und Appetit stillen will. Verweilen kann er im Zweigeschosser nur im SB-Café, im Tee- und Eis-Eck und bei der Landfleischerei. Das Modeangebot ist aber durchaus vielfältig, und mit Kaufland, Aldi und Rossmann beherbergt der Pep Zugpferde unter seinem Dach. Dennoch: die obere Etage des vor 22 Jahren eingeweihten Marktes fällt inzwischen durch Leerstand auf und wirkt wenig einladend.

Ein Zustand, den der Eigentümer ändern und den kleinen Einkaufstempel fit für die Zukunft machen möchte – auch mit neuen Händlern. Dazu soll 2017 die Planung abgeschlossen und auf deren Basis ein Bauantrag gestellt werden. Umbau und Neueröffnung des Einkaufszentrum sind für 2018 ins Auge gefasst.

Allerdings weht aus Grimma Gegenwind. Eine Beschlussvorlage, den Bebauungsplan Gerichtswiesen für den Pep anzupassen und öffentlich auszulegen, nahm Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) in der vorigen Woche von der Tagesordnung des Stadtrates. Denn bei der Vorbesprechung im Technischen Ausschuss hatte es hinter verschlossenen Türen offenbar massiven Widerstand gegen die Pep-Pläne gegeben. Ein weiterer Ausbau sei nicht gewünscht, die Stadträte würden befürchten, dass sich der Markt auf der grünen Wiese zu Lasten der Innenstadt weiter manifestiert, erklärt Berger auf LVZ-Nachfrage. Ein Aufwachsen des Pep konterkariere das Anliegen, in der Innenstadt mit Rewe und der Drogeriekette DM neue Verkaufszentren zu schaffen. Die sollen beitragen, die City zu beleben – und damit auch das Geschäft der Händler rund um den Markt .

Damit bricht ein Konflikt wieder auf, der in Grimma nicht nur einmal ausgefochten wurde. Laut Berger besteht auch jetzt die Angst, dass der Pep-Markt Potenzial abzieht. Und er kann die Befürchtung nachvollziehen. „Wir müssen die Innenstadt und nicht die grüne Wiese stark machen“, so seine Ansicht. Allerdings sei der Pep nun einmal da, man müsse fair miteinander umgehen und einen Kompromiss finden.

Wer der Eigentümer des Pep Grimma ist, bleibt im Dunkeln. Es sei ein US-amerikanischer Investor, der nicht benannt wird, gibt Sarah Verheyen zu verstehen, die von Berlin aus als Projektverantwortliche für den Pep-Markt arbeitet. Angestellt ist sie bei der Jones Lang LaSalle Retail Asset Management GmbH (JLL), die Anfang des Jahres die Acrest Property Group GmbH schluckte – jenes Unternehmen, das der Pep-Eigentümer im April 2015 mit dem Management in Grimma beauftragt hatte.

„Wir wollen das Center umstrukturieren, damit es langfristig am Markt bestehen kann“, erklärt JLL-Mitarbeiter Stefan Woyde, der das Baurecht an den Gerichtswiesen herbeiführen soll. „Dafür brauchen wir einen anderen Mietermix, der jetzige ist nicht ideal.“ Wichtig seien sogenannte Magnetbetriebe wie das Kaufland, aber auch Dienstleister und Gastronomen. Die Bemühungen zielen letztlich darauf, dass der Kunde länger im Pep verweilt und in die Tasche greift, wo er es vielleicht gar nicht will.

Indes steht Woyde noch am Anfang. Erst wenn die Stadt den Weg ebnet und klar ist, wer im Pep mit welchen Vorstellungen neu einzieht und welche Ansprüche die jetzigen 33 Händler haben, kann es an die Umgestaltungspläne gehen. Rund 13 000 der 15 600 Pep-Quadratmeter sind reine Verkaufsfläche. Davon liegen derzeit nach JLL-Angaben etwa zehn Prozent brach. Die Leerstandsquote ist der wunde Punkt, der die Pep-Chefs antreibt. „Wir sehen aber auch das Potenzial des Centers, so Woyde. Eine Konkurrenz zum innerstädtischen Handel sehe sie mit dem Pep nicht. „Es geht darum, Kaufkraft in Grimma zu halten und nicht etwa nach Leipzig abfließen zu lassen.“

Das haben die Pep-Leute auch noch mal am Montag klar gemacht, als sie beim Rathauschef vorsprachen. Der Pep sehe sich nicht als Gegner der Innenstadt, sondern als ein Gewerbeteil Grimmas, so die Argumentation. Im Januar geht es in die nächste Beratungsrunde. Dann werden die Pep-Verantwortlichen dem Technischen Ausschuss und dem Grimmaer Gewerbeverein Rede und Antwort stehen.

Von Frank Prenzel

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