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Grimma Per Rohr quer durch Seelingstädt: Starkregen soll Ort nicht mehr schädigen
Region Grimma Per Rohr quer durch Seelingstädt: Starkregen soll Ort nicht mehr schädigen
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00:17 17.05.2017
Dieses Foto stammt von Werner Bornmann, der am 20. Juni 2013 an seinem Dachfenster auf den Auslöser drückte. Das Wasser, hier noch nicht ganz auf seinem Höchststand, schoss von hinten über die Trebsener Straße. Quelle: Foto: Werner Bornmann
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Trebsen/Seelingstädt

Die zweite Jahrhundertflut binnen kurzer Zeit an der Mulde lag gerade einmal 17 Tage zurück, als Wolkenbrüche über der gesamten Region niedergingen und Bäche in Flüsse verwandelten, Schlamm von den Feldern spülten. Am 20. Juni 2013 versank auch ein Teil von Seelingstädt. Die Gefahr der Wiederholung soll nun gebannt werden.

Von Trebsen her gesehen knapp 50 Meter vor der Kirche schoss das Wasser quer durch den Ort. Tommy Trölenberg, damals bei der Feuerwehr, erinnert sich: „Kniehoch riss es alles mit sich, was nicht niet- und nagelfest war.“ Überflutungen gab es schon öfter nach Starkregen oder wenn auf gefrorenem Boden Tauwetter einsetzte. „Aber noch nie war es so schlimm gewesen“, berichtet Trölenberg. Keller mit Gebäudetechnik, Garagen, Schuppen, Klärgruben und Gärten standen unter Wasser. Zurück blieben Schlamm, starke Erosionsschäden, abgedriftete Gehwegplatten und die unterspülte Trebsener Straße. „Die meisten, wenn auch noch nicht alle Schäden auf dem Hof meiner Eltern sind inzwischen beseitigt“, sagt Trölenberg, der jetzt in Grimma wohnt.

Im Auftrag der Stadt untersuchte das Ingenieurbüro Stowasserplan aus Radebeul Varianten, wie sich die Fluten von diesem Bereich am besten fernhalten lassen können. Der Ortschaftsrat debattierte mehrmals und unterbreitete Vorschläge, die in die Planungen einflossen. Auch die Anregungen der geschädigten Anwohner wurden berücksichtigt. Nun steht eine Konzeption, die weitgehend auf Zustimmung stößt.

Im Stadtrat stellte Bauamtsleiterin Marika Haupt die Lösung vor. Demnach werden die Landwirte angehalten, ihre Äcker südlich der Ortslage so zu bearbeiten, dass das Regenwasser nicht direkt bergab schießen kann. Mittels eines Walls am Rande des Felds soll das ankommende Wasser gesammelt werden. Der überfahrbare Damm lenkt die Brühe gleichzeitig zu einem Rohr, das durch ein freies Grundstück bis zur Trebsener Straße verlegt wird und die Fahrbahn quert. Auf der anderen Straßenseite liegt schon ein Rohr, das allerdings zu klein ist. Es soll durch eines mit einem größeren Durchmesser ersetzt werden. Nach der Ortsbebauung könnte das Wasser über einen Graben oder ein drittes Rohr zum Kranichbach gelangen. So würde es den Ort von Süd nach Nord durchqueren, ohne Schäden anzurichten.

Nach jetzigen Vorstellungen soll der Schutz den Wert HQ 100 erreichen. Das heißt, die Seelingstädter wären vor Fluten sicher, die – rein statistisch gesehen – alle 100 Jahre zu erwarten sind. Marika Haupt dämpfte jedoch die Erwartungen. „Ich denke, es wird am Ende auf weniger als HQ 100 hinauslaufen“, sagte sie.

Überhaupt würde nicht so schnell geschossen. Nachdem der Stadtrat der Vorzugsvariante zugestimmt hat, müssten nun Behörden, Verbände und Bürger in der sogenannten Anhörung der Träger öffentlicher Belange befragt werden. Abzuwarten bleibe, welche Einwände und Anregungen von ihnen eintreffen. Erst dann könne in weiteren Schritten die Genehmigungsplanung erstellt werden.

Da die Gesamtkosten nach jetzigen Schätzungen bei 181 000 Euro liegen, möchte die Stadt den Schutz mit Beihilfen vom Freistaat bauen. Zurzeit gibt es allerdings keine Förderrichtlinien, die Starkregenfälle berücksichtigen. Wie es aussieht, könnte aber noch in diesem Jahr eine Regelung in Kraft treten, die sogar einen Regelfördersatz von 90 Prozent verspricht. „Verbindlich lässt sich das aber erst nach deren Inkrafttreten sagen“, so Haupt.

Am liebsten wäre ihr, wenn die Rohre in einem Zuge mit der Sanierung der Trebsener Straße verlegt werden könnten. Darauf warten die Seelingstädter allerdings schon eine Ewigkeit. Laut dem zuständigen Landesamt für Straßenbau und Verkehr soll immerhin dieses Frühjahr eine Vorplanung fertig werden. Für Haupt macht es Sinn, in der Staatsstraße, die derzeit nur über eine mangelhafte Entwässerung verfügt, gezielt Einläufe einzubringen, die neben den geplanten Rohren auch noch viel Oberflächenwasser ableiten können.

Von Frank Pfeifer

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