Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Grimma Pfarrer Gramzow verlässt seine Gemeinden
Region Grimma Pfarrer Gramzow verlässt seine Gemeinden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:06 25.10.2018
Pfarrer Christoph Gramzow in der Pomßener Kirche. Nach fünf Jahren verlässt er die Gemeinde und geht in seine alte Heimat, Bad Schmiedeberg in Sachsen-Anhalt. Quelle: Thomas Kube
Parthenstein/Belgershain

Geht es nach den Worten von Jesus im Markus-Evangelium, dann taugt der Prophet nichts im eigenen Land. Pfarrer Christoph Gramzow wagt trotzdem den Schritt zurück in die Region, aus der er stammt. Ende Oktober verlässt er die Kirchgemeinden Pomßen-Belgershain und Köhra, zu denen außerdem Threna, Rohrbach und Großsteinberg gehören.

Aufgewachsen ist er in Trebitz, einem kleinen Dorf, das zum Wirkungsbereich seiner neuen Pfarrstelle Bad Schmiedeberg-Pretzsch gehört, die er am 1. November antritt. „Meine Frau stammt aus der Region und arbeitet dort als Ärztin in einer Reha-Klinik, Eltern und Verwandtschaft wohnen dort“, sagt der 49-Jährige. Nachdem er davon erfahren hatte, dass ein Pfarrer gesucht wird, und von mehreren Bekannten gebeten wurde, sich zu bewerben, fiel seine Entscheidung.

Rückkehr bietet viele Chancen

Freilich weiß er um die Risiken, die mit einer Rückkehr verbunden sind. „Ich werde mit Menschen zu tun haben, die mich als Kind kannten. Wie begegnen wir uns?“, stellt er in den Raum. Andererseits liege viel Zeit zwischen dem Damals und Jetzt, was ihn hoffen lässt: „Ich denke aufgrund meiner Lebens- und Berufserfahrung, dass ich mich mit der besonderen Situation auseinandersetzen kann. Sie bietet viele Chancen und Anknüpfungspunkte.“

Viel unbekannter war er, als er im Pomßener Pfarrhaus an seinem 44. Geburtstag, dem 1. September 2013, den Dienst aufnahm. Seine erste Pfarrstelle überhaupt, denn zuvor hatte er in Leipzig und Halle evangelische Theologie studiert, zum Doktor der Theologie promoviert und als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Leipzig gearbeitet. Er war Programmleiter bei der Evangelischen Verlagsanstalt und vertrat zuletzt den Lehrstuhl für Religionspädagogik an der Theologischen Fakultät der Universität, bis er befand, die Zeit sei reif für die Praxis.

Wertschätzung von Anfang an

„Von Anfang an wurde ich in den Gemeinden freundlich aufgenommen“, blickt er zurück. „In den Kreisen und im Gottesdienst stieß ich auf Interesse, Aufgeschlossenheit und Neugier. Ich fand schnell Anschluss. Das kann ich auch von meinen Kollegen im Pfarrkonvent sagen.“ Wertschätzung sei ihm nicht nur von Gemeindemitgliedern, sondern auch von den Kommunen Parthenstein und Belgershain entgegengebracht worden.

Neuland bei Bauangelegenheiten

In die Kernarbeit eines Pfarrers hatte er schnell hinein gefunden, brachte er doch von seiner Heimat her ehrenamtliche Erfahrungen aus der Kinder- und Jugendarbeit sowie von Gottesdienstvertretungen mit. „Was Bauangelegenheiten betrifft, war ich hingegen ziemlich unbedarft“, räumt Gramzow ein. „Ich bin sehr dankbar, dass mir hier Rolf Albrecht beratend zur Seite stand und Termine bei Baubesprechungen wahrnahm.“ Mit Hilfe des Kirchenvorstandsmitglieds wurden in den fünf Jahren in der Pomßener Kirche der Glockenstuhl saniert und das Geläut restauriert sowie im Großsteinberger Gotteshaus ein Glockenstuhl eingebaut und eine dritte Glocke gegossen.

Von einer guten Zusammenarbeit spricht auch Albrecht. „Schade, dass der Pfarrer geht, das ist ein Verlust für uns“, sagt er. Auch Superintendent Jochen Kinder bedauert Gramzows Wegzug, wenngleich er ihn hinsichtlich der persönlichen Situation verstehen kann. „Es ist immer schön, wenn sich jemand auf den ländlichen Raum einlässt. Und das hat er engagiert getan“, urteilt er.

Nachfolgerin Bettina Reichelt tritt am 1. November an

Was aus der Pfarrstelle auf Dauer wird, kann Kinder noch nicht absehen, solange sich der gesamte Kirchenbezirk Leipziger Land in Strukturdiskussionen befindet. Zunächst sei aber eine gute Lösung gefunden worden. Am 1. November tritt Pfarrerin Bettina Reichelt aus Leipzig eine halbe Stelle im Pomßener Pfarrhaus an. „Damit können wir viel absichern und neue Gedanken entwickeln“, zeigt sich die 51-Jährige zuversichtlich und betont: „Das ist zumindest mehr, als wenn ein Pfarrer, der eine volle Stelle hat, dieses Gebiet noch zusätzlich betreuen muss.“

Reichelt war bis 2000 Pfarrerin in Regis-Breitingen. Danach arbeitete sie als freie Autorin und Lektorin sowie zu 50 Prozent als Pfarrerin in Liebertwolkitz. Ihre halbe Stelle im Schulpfarramt Leipziger Land behält sie, wenn sie in Pomßen und Umgebung ihren Dienst versieht.

Gottesdienst zur Verabschiedung von Pfarrer Christoph Gramzow am 28. Oktober, ab 14 Uhr, in der Kirche Pomßen

Von Frank Pfeifer

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ein Jack Russell Terrier hat am Mittwoch ein Mädchen am Hort der Grundschule Grimma ins Bein gebissen. Die Halterin versuchte den Hund festzuhalten. Doch er konnte sich losreißen.

25.10.2018

Eine leblose Person ist am Donnerstagvormittag auf der Zwickauer Mulde bei Colditz angetrieben worden. Der Körper war im Uferbereich nahe dem Kraftwerk gefunden worden.

25.10.2018

Der Ruderverein Grimma ist für den Sächsischen Integrationspreis nominiert. Für den Vorsitzenden, Hubertus von Below, kam die Nachricht durchaus überraschend.

25.10.2018