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Pfarrer liest aus Luther-Briefen in Grimma

Pfarrer liest aus Luther-Briefen in Grimma

Es gilt als Saisonauftakt für den Geschichts- und Altertumsverein zu Grimma, wenn sich dessen Türen im Stadtgut am Ostermontag wieder öffnen. Und es gilt als sicher, dass der Verein mit seinen vielen interessanten Angeboten das Haus füllt und so wieder Leben in die ehrwürdigen Mauern einziehen lässt.

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Ein Ur-Grimmenser durch und durch: Pfarrer Helmut Berthold weiß aus Luthers Briefe heitere und ernste Episoden amüsant zu erzählen.

Quelle: Frank Schmidt

Grimma. Gleichwohl, wenn mit Helmut Berthold ein Pfarrer in Ruhestand zu einer netten Plauderstunde einlädt, in der er Luther und seine Briefe vorstellt.

Am Ostermontag, wenn sich also das Osterfest neigt, so Vereinsmitglied Burda Marx und Tochter des Referenten, mache es wenig Sinn mit Osterbräuchen aufzuwarten. Da sei die auf Luther bezogene Plauderstunde eine gute Alternative, zumal über die Feiertage die Lutherdekade in seinem vierten Jahr eingeläutet wurde (LVZ berichtete). Da lag es nahe Helmut Berthold als Referent zu gewinnen, der sich gar als „Ur-Grimmenser“ mit sehr engen Bezug zur Muldestadt vorstellt. „Alteingesessene kennen mich als Drahtwurm-Berti oder Drahtfritze, weil meine Eltern hier in der Schulstraße ein Drahtfachgeschäft hatten“, plaudert er aus dem Nähkästchen.

Drahtig war Helmut Berthold auch als Jugendlicher, er gehörte nämlich bis 1952 zur Kickerauswahl bei Motor Grimma. Danach ging er zum Studium nach Leipzig, und noch später war er Pfarrer in der Gemeinde Weesenstein, wo er noch heute wohnt. Damit wäre schon der Kreis geschlossen, um auf Luther und seine Briefe zurückzukommen. Sogar auserwählte und ganz seltene Briefen, die der Reformator an wer weiß wen alles geschrieben hat und die teilweise in dem Buch „Luther, wie ihn keiner kennt“ von Reimar Zeller veröffentlicht wurden. Eine schier unerschöpfliche Quelle für spannende Episoden, die Berthold mit einer beneidenswerten Art, so als hätte er Luthers Tintenfässchen persönlich gehalten, sehr unterhaltsam rüberbrachte, was den Nachmittag kurzweilig und äußerst amüsant machte. Wie auch die mittelalterliche Musik der Gruppe „Pjotr“ in den Redepausen dazu beitrug.

Allerdings ging es dem redseligen Pfarrer im Ruhestand auch darum deutlich zu machen, dass die Welt von heute keine Briefe mehr schreibt. Selbst seine Enkel würden mit ihm lieber per SMS oder E-Mail kommunizieren. „Aber damit geht die Rechtschreibung flöten und das gute Deutsch auch“, warnte er. Deshalb war eine Frage an seine Zuhörer schon vorprogrammiert. „Wann haben Sie das letzte Mal einen Brief geschrieben?“ Und als ob da jemand dem Referenten die Show stehlen wollte, meldeten sich tatsächlich einige.

Doch die, so ist sich Helmut Berthold sicher, bilden eher die Ausnahme. „Denn Luther war mit seinen Unmengen an Briefen, die er schrieb, schon damals unerreicht und ist es heute sowieso.“ Was freilich zu einen so wertvollen Nachlass verhalf. Nur Korrespondenz, die Luther erhalten hat, würde es nicht geben. „Weil er jeden Brief sofort beantwortet hat. Warum also sollte er ihn dann noch aufbewahren.“

Frank Schmidt

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