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Pferdeschlächter von Grimma kämpft für die Tradition

Pferdeschlächter von Grimma kämpft für die Tradition

Grimma. Die goldenen Zeiten für Pferdefleischer sind leider vorbei. Christian Wirth hat sie noch miterlebt, als er 1986 bei seinem Vater anfing, dessen Handwerk zu lernen – jetzt ist er nach eigener Aussage der einzige seiner Art im Muldental.

. „In den Hochzeiten, hatten wir hier bis zu 100 Pferde im Jahr", sagt Wirth. Doch es kommen immer weniger rein. Letztes Jahr waren es nur noch 25.

Die Kundschaft bleibe ihm aber treu, meint der Pferdefleischer. Wenn er seinen Laden aufmache – wie morgen und am Freitag –, verkaufe er auch mal 500 Roster in zwei Tagen. Aber vergleichbar mit DDR-Zeiten, als bis zu 50 Kunden morgens um acht Schlange standen, sei es nicht mehr. „So schlecht wie dieses Jahr war es noch nie", klagt Wirth. Und das liege nicht nur an geänderten Gewohnheiten, sondern an einer Hürde, gegen die man nicht viel ausrichten kann: die Europäische Union und ihre (Hygiene-)Vorschriften. Für den Grimmaer war besonders die vorgeschriebene Trennung von Schlachtung und Verarbeitung fatal. „Ich bin ein kleiner Ein-Mann-Betrieb. 45 Jahre sind wir schon in Grimma, haben Tausende von Pferden geschlachtet und nichts ist passiert." Er müsse ja sowieso Proben abgeben, die geprüft werden.

Die verlangte Trennung habe er nicht umsetzen können, da die Statik des Raumes, in dem er schlachtet und produziert, dies nicht zulasse. Wo hätte er denn einen zusätzlichen Schlachtraum anmieten sollen, fragt der Pferdefleischer. Und nötig sei der ganze Aufwand eigentlich auch nicht. „Aber die Doktoren verstehen die Abläufe bei mir einfach nicht. Die denken, ich schlachte und dann geht alles gleich in die Wurst." Pferdefleisch müsse jedoch erst gut abhängen, folglich sei beim ihm Schlachtung und Verarbeitung zwar nicht räumlich, wohl aber zeitlich getrennt. Doch es half alles nichts. Christian Wirth musste sich entscheiden und wählte die Produktion. Nun muss er zu jeder Schlachtung nach Grechwitz fahren, denn der dortige Großschlächter hatte alles normgerecht umbauen lassen; für den Grimmaer ein ungeheurer Aufwand. Er hat Protest eingelegt und hofft auf eine Ausnahmegenehmigung, damit er die letzten viereinhalb Jahre noch weitermachen kann. „Die Leute denken jetzt, ich schlachte nicht mehr", erklärt er, aber dem sei ja gar nicht so. Die Wurst vom Wirth gibt es immer noch.

Eine zusätzliche Aufgabe wartet nun am 1. Mai wieder auf ihn. Beim Pferderennen auf der Galopprennbahn in Leipzig ist Wirth für den Tiernotdienst zuständig. „Ohne mich geht‘s nicht los", so der 60-Jährige. Mit seiner regulären Tätigkeit hat das aber nicht zu tun. Darauf legt er besonderen Wert. Nur verfüge er über die Möglichkeiten, ein verletztes Tier in die Klinik zu bringen, zum Beispiel bei gerissener Sehne. Zu DDR-Hochzeiten gab es bis zu 30 Renntage im Jahr, jetzt sind es noch sechs. Aber der Tiernotdienst wird weiter gebraucht.

Thomas Düll

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