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Grimma Pietätlos: Diebe klauen Blumen von Gräbern
Region Grimma Pietätlos: Diebe klauen Blumen von Gräbern
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05:06 26.10.2018
Vom Friedhof in Mutzschen werden immer mal wieder Pflanzen gestohlen. Die betroffenen Hinterbliebenen sind verärgert. Quelle: Frank Prenzel
Grimma/Mutzschen

Annelies Träger fuhr der Schreck in die Glieder, als sie neulich – wie so oft – das Familiengrab ihrer Eltern und Großeltern auf dem Mutzschener Friedhof aufsuchte. Eine der fünf mit Grünpflanzen versehenen Pflanzschalen war verschwunden. „Es stand nur noch der Untersetzer da“, ist die 67-Jährige mehr als verärgert. Denn es ist nicht das erste Mal, dass sie Opfer eines pietätlosen Langfingers wird. Schon vor Jahren wurden ihr vom an der Friedhofsmauer gelegenen Familiengrab zwei Gottesaugen gestohlen. Kein Einzelfall. In Mutzschen langen Blumendiebe regelmäßig zu und stören damit die Trauer der Hinterbliebenen empfindlich.

Entsetzen bei Betroffenen

„Das ist respektlos“, erbost sich Annelies Träger, die das Familiengrab ebenso pflegt wie das Urnengrab ihrer Schwiegereltern. Zeitgleich mit ihrem Blumenverlust muss es mindestens zwei weitere Diebstähle gegeben haben. „Da fehlten ebenfalls Pflanzschalen“, weiß sie aus Gesprächen mit den Hinterbliebenen. Anfang des Jahres sei einer Frau eine Christrose ausgegraben worden“, schildert die Mutzschenerin einen weiteren Fall. Am krassesten sei gewesen, als zwei Tage nach einer Beerdigung von einem Gesteck nur noch die Schleife am Grab lag.

Nach dem Blumendiebstahl vor einigen Jahren hatte Annelies Träger dem Dieb mit einem selbst fabrizierten Schild ins Gewissen reden wollen. „Es macht mich traurig, aber auch wütend, dass es jemanden gibt, der so etwas macht an diesem Ort der Stille und vielleicht das eigene Grab mit den Pflanzen schmückt“, hatte sie geschrieben. Den oder die Täter hat das offenbar nicht abgeschreckt.

Fünf bis acht Fälle pro Jahr

Der Friedhofsverwalter spricht von fünf bis acht Fällen im Jahr, die ihm bekannt werden. „Es konzentriert sich auf die Pflanzzeiten“, sagt Klaus-Peter Domke vom Unternehmen Bestattung Domke, das im Auftrag der Kirchgemeinde Mutzschen den Gottesacker verwaltet und pflegt. Vor etwa drei Wochen, als auch Annelies Träger den Verlust beklagte, seien drei Hinterbliebene auf ihn zugekommen und hätten den Diebstahl von Einpflanzschalen gemeldet. Die Langfinger würden aber vor allem im Frühjahr zuschlagen, „wenn neue Blumen gepflanzt werden“.

Seit 25 Jahren hegt und pflegt Domke den fast ein Hektar großen Friedhof in Mutzschen, der etwa 380 Gräber zählt. Als gezielt würde er die Diebstähle von Grabschmuck nicht bezeichnen, doch schon einer sei einer zu viel. „Das ist unverschämt und pietätlos den Verstorbenen gegenüber“, gibt Vorarbeiter Domke zu verstehen. Der materielle Verlust sei es meist nicht, es treffe die Hinterbliebenen vor allem ideell. Auch ihn stimme das traurig, denn ein Friedhof sei eine Kulturstätte und ein Ort der Trauer.

Domke informiert den Kirchenvorstand, in dem er Mitglied ist, über entsprechende Vorfälle. Seiner Ansicht nach handelt es sich nicht nur um Diebstahl, sondern auch um Störung der Totenruhe. „Die gehen ja auf ein fremdes Grab“, lautet seine Begründung. In der Rechtssprechung wird indes kontrovers diskutiert, ob das Entfernen von Schmuck auch den Tatbestand der Grabschändung und damit der Störung der Totenruhe beinhaltet.

Kirchenvorstand sieht wenig Handhabe

Auf frischer Tat wurde bislang kein Langfinger ertappt. Der Friedhof ist im Sommer von 6 bis 20 und im Winter von 8 bis 17 Uhr geöffnet. Aber auch sonst werden die zwei Tore nicht verschlossen. Mutzschens Pfarrer Henning Olschowsky, der die Diebstähle als beschämend und pietätlos bezeichnet, will die Vorfälle nochmal im Kirchenvorstand besprechen. Außer Appelle sieht er allerdings kaum eine Handhabe, den Dieben das Leben schwer zu machen. Das Aufstellen von Kameras mache keinen Sinn, sagt er. Eine Überlegung wert wäre eine bessere Beleuchtung. „Aber auch das muss verhältnismäßig sein“, so Olschowsky. Von Anzeigen gegenüber der Polizei hat die Kirchgemeinde bislang abgesehen.

Es gehe gar nicht so sehr um die Blumen, meint der Pfarrer. „Die Menschen sind im Schmerz hier und verlieren durch den Diebstahl noch ein Symbol ihrer Trauer.“ Das berühre ihn sehr.

Von Frank Prenzel

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