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Grimma Pomßener bringt Dorfgeschichte ins Rollen
Region Grimma Pomßener bringt Dorfgeschichte ins Rollen
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05:00 18.03.2011
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. Und dennoch gehört das gute Stück zu den besonderen Kostbarkeiten, die Christian Braun in seiner Sammlung pflegt. Der Pomßener, der über 20 Autos und Camping-Anhänger aus vier Jahrzehnten DDR-Produktion in seiner Oldie-Halle aufbewahrt, ist jetzt dabei, seinen zweiten Pomßen-Schlepper wieder flott zu machen.

Braun weiß, dass er damit Dorfgeschichte ins Rollen bringt. Der kleine Traktor, der zu DDR-Zeiten in vielen Unternehmen für innerbetriebliche Transportaufgaben eingesetzt worden war, wurde seit 1965 im VEB Kleinschlepper Pomßen, der früheren Produktionsgenossenschaft des metallverarbeitenden Handwerks Pomßen, hergestellt. Die kleinen, aber starken Transportschlepper – ursprünglich für Ziegeleien entwickelt – wurden nicht nur in Industriebetrieben, sondern beispielsweise auch von der Deutschen Post, der Deutschen Reichsbahn oder der Interflug gekauft. Auch exportiert wurde der Pomßen-Schlepper. Christian Braun weiß, dass noch bis vor kurzem Pomßen-Schlepper auf dem Flughafen im Havanna im Einsatz waren.

Viele Exemplare gibt es allerdings nicht mehr von den „guten, alten Stücken, die den Pomßenern besonders ans Herz gewachsen sind", sagt Braun, der vor Jahren schon einen Kleintraktor aus ehemaliger Pomßener Produktion für seine Sammlung erstanden hat. Der stammte allerdings aus dem Baujahr 1977. Der Schlepper, den er jetzt aufarbeitet, hat ein paar Jährchen mehr auf dem Buckel. Baujahr: 1969. „Von der Baureihe gibt es vermutlich landauf landab nur noch drei Stück", meint Braun. Lange genug habe er schließlich auch nach dem „Ur-Schlepper" Ausschau gehalten und gesucht. Fündig geworden war er im Oktober vergangenen Jahres, als das Fahrzeug, das einst in der Rostocker Neptunwerft gute Dienste verrichtet hatte,  im Internet angeboten worden war.

Jetzt wartet der Pomßen-Schlepper aufgebockt in der Oldtimer-Halle von Christian Braun auf seine Wiedergeburt. Das ist übrigens genau der Ort, wo der legendäre Pomßen-Schlepper früher auch produziert worden war. „Nachdem der Pomßener Betrieb 1990 abgewickelt worden war, hatte zwischenzeitlich ein Unternehmen aus dem Westen die Halle genutzt. Später übernahm Braun die rund 800 Quadratmeter große Halle für seine Sammlung. Hier also, in der Geburtsstätte des Pomßen-Schleppers, ist jetzt Braun dabei, mit Unterstützung seiner Freunde das gute alte Stück originalgetreu wieder in Fahrt bringen. Die Motorhaube zum Beispiel hat er bereits wieder in Form bringen lassen. Auch das Emblem, das die Haube wieder ziert, hat er extra anfertigen lassen: „PGH Metallbau Pomßen" . Darunter hat Braun sein Logo gesetzt: „IFA Garage Pomßen – Was uns bewegt(e)" steht da zu lesen. „Bewegen wird es die Pomßener bestimmt auch innerlich, wenn ich mit dem restaurierten Pomßen-Schlepper erstmals auf die Straße fahre", meint der Oldtimer-Sammler. Immerhin sei der damalige VEB Kleinschlepper Pomßen der größte Arbeitgeber im Ort gewesen. Für viele Ältere im Dorf verkörpert der Pomßen-Schlepper auch ein Stück berufliche Geschichte", sagt Braun.

In diesem Monat soll er wieder tuckern der Pomßen-Schlepper, der sogar im Bergbau unter Tage eingesetzt worden war. Und wenn Anfang Juli in Leipzig zum 15. Treffen für Bulldog, Dampf und Diesel eingeladen wird, will Braun auch dort mit seinem kleinen Schlepper für großes Stauenen sorgen.

Andreas Läbe

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