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Grimma Premiere im Scheibenholz: Erstmals rennen in Leipzig Schafe um die Wette
Region Grimma Premiere im Scheibenholz: Erstmals rennen in Leipzig Schafe um die Wette
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20:00 20.10.2017
Henry Seifert (47) mit der Favoritin: Penny (2) macht sich als einziges schwarzes Schaf der Herde ganz gut bei den Trainings. 
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Trebsen/Leipzig

 Hopp, hopp, hopp, Schäfchen lauf Gal... Häh? Schäfchen? Klar doch! Beim internationalen Renntag am 28. Oktober wird eine Tradition, die in England schon länger gepflegt wird, nun auch erstmals in Leipzig zelebriert. Denn nächsten Sonnabend laufen zum Saisonabschluss im Scheibenholz (ab 10 Uhr) erstmals Schafe um die Wette. Hinter der Premiere steckt Henry Seifert, der in Trebsen die aus England stammende Rasse Bluefaced Leicester züchtet.

Mais als Belohnung

Auf die Plätze, fertig, Pfiff. Wenn das Kommando von Henry Seifert über den abgesteckten Parcours hallt, öffnet sich das Gatter. Wie vom Hafer gestochen, wetzen die Schafe los. Am Donnerstagabend sollen sie erstmals kleine Hindernisse überspringen, doch die sind ihnen ungeheuerlich. Lieber machen sie einen Bogen drumherum – da hat der Trainer noch was zu tun. Nach 80 Metern haben die Sprinter den Transportwagen erreicht, in dem Mais als Belohnung wartet.

Fünf pfeilschnelle Damen: Diese Schafe treten an

Fünf Power-Ladys sind es, die an den Start gehen wollen. Penny hebt stolz ihre lange Nase. Mögen sie andere doch das schwarze Schaf der Herde nennen, sie liegt bei den Trainings oft vorn. Wie die meisten ihrer Konkurrentinnen bringt sie zwei Jahre starke Muskelpakete mit.

Rosa schimmerten ihre Ohren, als Nummer zwei auf die Welt kam, nun heißt sie ein Leben lang Miss Piggy. Grace, die Gnade, verletzte sich als Lamm schwer an der Ferse und ist die Zahmste von allen, weil sie mit der Flasche aufgezogen wurde.

Bei Elizabeth, so ihr Herr, handelt es sich um das erste auf dem europäischen Festland geborene Tier dieser Rasse. Und Cindy, mit drei Jahren die Grande Dame des Rennens, erhielt ihren Namen nicht etwa, weil sie Marzahner Gene in sich trägt. Ihr Erbgut hat eher etwas gemein mit der Crawford, zeigt ihr Antlitz doch ebenso einen kleinen Schönheitsfleck.

Auch wenn sich das Testgelände in der Nähe des Trebsener Rummelsees befindet, handelt es sich für Henry Seifert beim geplanten Auftritt seiner Vierbeiner in der Messestadt alles andere als um einen Rummel. „Das hat nichts mit Veranstaltungen auf Dorffesten zu tun, sondern ist bundesweit das erste Schafrennen auf einer Galopprennbahn“, sagt der 47-Jährige. „Die Tiere sollen lernen, Umwelteinflüsse zu ignorieren.“ Nur zwei Gefühlszustände kenne die Art: Hunger und Angst. Allein das positive davon solle sie antreiben, weshalb sie nicht von einem Hund gehetzt, sondern mit Köstlichem gelockt werden. Helga (67) und Jürgen (73) Voigt, die nebenan ein Gartengrundstück ihr Eigen nennen, müssen stets das Publikum am Rand der Probestrecke spielen, damit die Schafe lernen, auch die Schaulustigen auszublenden.

Zweimal am Tage wird seit Anfang September geübt. Frühmorgens kurz nach Sechs und vor Sonnenuntergang. Mit einer kurzen Distanz zum Angewöhnen hat Seifert im September begonnen, in einer Woche soll sie 100 Meter betragen. Diese, verrät der Züchter, können die Tiere in zehn Sekunden schaffen. Das packt nicht mal jeder Mensch, auch wenn man ihm die Hammelbeine langzieht.

Nach Deutschland importiert

Bei den Engländern gelten die Bluefaced-Leicester-Schafe als Hochleistungsrasse. Und damit ist nicht in erster Linie ihre Sportlichkeit gemeint. Seifert hat sie nach Deutschland importiert, unter anderem vor einem knappen Jahr auf spektakuläre Weise in einem Flugzeug, um mit den männlichen Nachkommen Schäfer zu beliefern. Diese können die Böcke mit ihren eigenen Rassen kreuzen, wodurch sie kräftigere Muttertiere für ihre Herden erhalten. „Die Wolle der Blufaced-Leicester-Schafe ist zudem mit 35 bis 40 Euro pro Kilogramm die teuerste“, erklärt Henry Seifert.

24 Vierbeiner halten der Leipziger IT-Fachmann, der den Lebensunterhalt nach wie vor hauptsächlich mit seinem 1989 gegründeten EDV-Unternehmen verdient, und seine Frau Sandra auf den Flächen in Trebsen. „Für uns sind die Viecher ein Kindersatz“, gibt der Züchter lächelnd preis. Und wie ein Vater wird er wohl auf der Galopptrennbahn stolz sein auf die Siegerin, die mit einem Pokal und natürlich einem guten Fresserchen belohnt werden soll.

Letztes Pferderennen der Saison im Leipziger Scheibenholz am 28. Oktober, Einlass 10 Uhr, Beginn des Schafrennens als Vorprogramm gegen 10.30 Uhr

Von Frank Pfeifer

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