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Probleme mit Muldental in Fahrt: Eltern bilden aus Verzweiflung Fahrgemeinschaften

ÖPNV Probleme mit Muldental in Fahrt: Eltern bilden aus Verzweiflung Fahrgemeinschaften

Vor allem im Schülerverkehr gibt es massive Beschwerden. Das ÖPNV-Projekt Muldental in Fahrt habe deutliche Verschlechterungen mit sich gebracht, hieß es im Grimmaer Stadtrat. Eltern würden Fahrgemeinschaften bilden, weil sie verlässliche Busverbindungen für ihre Kinder vermissen. Die Regionalbus Leipzig GmbH versichert, mit Hochdruck an festgestellten Problemen zu arbeiten.

Nicht alles läuft reibungslos beim Projekt Muldental in Fahrt, für das in Grimma am Monatsanfang der offizielle Startschuss fiel.

Quelle: MDV

Landkreis Leipzig/Grimma. Muldental in Fahrt – das zukunftsweisende ÖPNV-Vorhaben soll mehr Leute zum Umsteigen auf den Bus animieren. In Grimma wären Fahrgäste derzeit allerdings schon froh, wenn sie mitgenommen würden. Im jüngsten Stadtrat jedenfalls hagelte es massive Kritik am neuen Busnetz. „Vor allem im Schülerverkehr gibt es massive Probleme“, kritisierte Christian Donner, Stadtrat der Fraktion „Bürger für Grimma“. Zu Stoßzeiten würden insbesondere auf der A-Linie nur kleine Busse mit rund 20 Plätzen eingesetzt. „Dies führt täglich dazu, dass Schüler und auch andere Fahrgäste aufgrund des begrenzten Platzangebots nicht mitfahren können.“ Der Umstand, dass zum Unterrichtsende von zwei großen Schulen – dem Gymnasium St. Augustin und der Oberschule Grimma mit mehreren hundert Schülern – nur kleine Busse rollen, sei mit gesundem Menschenverstand nicht greifbar, bemängelte Donner. Die Fraktion sammelte mehrere Beispiele, die nicht gerade nach einem ÖPNV wie aus dem Bilderbuch klingen. So passierte es Otterwischer Grundschülern, dass ihr Anschlussbus in Kleinbardau bereits weg war. „In der Folge standen Erstklässler verloren an der Haltestelle.“ Probleme schilderte Donner auch an anderen Tagen auf der Linie 610: Ein Bus kam nicht pünktlich in Kleinbardau an, so dass Bad Lausicker Oberschüler nur noch die Rücklichter des Fahrzeugs sahen, mit dem sie eigentlich in ihren Heimatort Bernbruch wollten. An einem anderen Tag fiel der Bus gleich ganz aus, Schulkinder standen erneut ratlos am Bordstein. In Grimma erklärte ein Busfahrer verdutzten Schülern, dass er jetzt erstmal 20 Minuten Pause einlegt. Im Ergebnis machten sich die Zehnjährigen allein durch den Wald Richtung Waldbardau auf. Weil kein Platz mehr frei war, hätten in Grimma auch junge Mütter mit Kinderwagen oder Senioren mit Rollator auf den nächsten Bus warten müssen.

Donners Kritik blieb nicht die einzige. Auch Steffen Kretschmar, Leiter der Oberschule Grimma, fällt es schwer, das Revolutionäre des Projektes zu erkennen. „Für die Mehrzahl unserer Schüler hat sich die Verbindung verschlechtert. Ich sehe nicht, was das für einen Sinn macht“, kritisierte Kretschmar, ebenfalls Stadtrat der Fraktion Bürger für Grimma. „Kinder sind jetzt teilweise anderthalb Stunden unterwegs, davon müssen sie mitunter eine halbe Stunde auf den nächsten Anschluss warten.“ Eltern, die die Zustände für untragbar halten, hätten inzwischen aus Verzweiflung Fahrgemeinschaften gebildet, so der Schulleiter. Ähnliche Erfahrungen machte das Gymnasium St. Augustin. Karsten Schrempel, Stadtrat und Lehrer an der Abiturschmiede, äußerte ebenfalls sein Unverständnis. Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) räumte ein, dass sich auch im Rathaus das Telefon heiß klingelt. „Es ist richtig, dass es viele Reibungsverluste und auch Zorn gibt.“ Für Chaos habe unter anderem gesorgt, dass für die Grimmaer A-Linie zwei unterschiedliche Fahrpläne im Internet standen. „Das ist natürlich wenig hilfreich.“ Der Stadtchef versicherte, dass alle Kritiken aufgenommen und weitergeleitet würden. Seiner Einschätzung nach müssten dabei auch grundsätzliche Dinge besprochen werden. Berger sagte: „Mit Feinjustierung allein ist es nicht getan.“

Andreas Kultscher, Geschäftsführer der Regionalbus Leipzig GmbH, versicherte am Freitag gegenüber LVZ, dass man alle Meinungen auswerte. „Was die Kunden als Problem benennen, wird aufgenommen. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, Probleme abzustellen.“ In einigen Fällen würde es reichen, auf neu geschaffene Verbindungen aufmerksam zu machen. „Dazu werden wir auch unsere Öffentlichkeitsarbeit, die bereits sehr umfangreich war, noch weiter verstärken. Aber auch betriebliche Abläufe“, räumte Kultscher ein, „müssen optimiert werden.“ Nicht nur für die Fahrgäste, auch für die 30 neu eingestellten Busfahrer sei das Netz neu. Regionalbus wirbt deshalb um Verständnis, dass es Anlaufschwierigkeiten gebe. „Natürlich müssen Fahrer Anschlüsse halten, hier wird es noch einmal konkrete Anweisungen geben.“ Intensiv werde die Startphase auch mit beauftragten Subunternehmen ausgewertet. Wo es massive Kritiken gibt, wie bei der 610, wird umgehend reagiert. „Ab Montag wird die Linie für die Grundschüler aus Otterwisch nach Großbardau durchfahren, sie müssen nicht mehr in Kleinbardau umsteigen.“ Kultscher verwies aber auch darauf, dass Startschwierigkeiten zu Schuljahresbeginn nichts Ungewöhnliches seien – noch dazu, wenn sie mit einer kompletten Netzreform einher gehen. „Wir schauen uns genau an, wo eventuell ein größerer Bus gebraucht wird“, versicherte der Unternehmenschef. Teilweise seien Verstärkerfahrten bereits veranlasst. Kultscher will auch nicht ausschließen, dass Lücken gerissen wurden, die nicht beabsichtigt waren. Das betreffe zum Beispiel die Verbindung Grimma-Brandis. „Hier muss möglicherweise grundsätzlich neu geplant werden, weil Fahrzeiten zu knapp bemessen waren.“

Für die Region Brandis zieht Bürgermeister Arno Jesse (SPD) aber generell ein positives erstes Fazit. „Sicher gibt es kleinere Veränderungen, die nicht von allen als optimal angesehen werden. Insgesamt kann ich aber festhalten, dass es für die Stadt Brandis keine Schwierigkeiten für die Schulanbindung gibt.“ Im Gegenteil: Vertaktung und Anbindung seien gut gelungen und insbesondere gebe es nun auch für die außerschulischen Angebote ein attraktives ÖPNV-Angebot. Jesse ist zuversichtlich: „Wo es vereinzelt Probleme gibt, wird man sich hinsetzen und diese lösen, so meine Erfahrung mit allen Projektteilnehmern.“

Von Simone Prenzel und Frank Prenzel

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