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Projekt zu Flucht, Vertreibung und Integration

Projekt zu Flucht, Vertreibung und Integration

Grimma. „Flucht – Vertreibung – Integration": Das war das Motto einer ersten Gesprächsrunde im Kreismuseum Grimma; und das soll das Thema eines zwei Jahre laufenden gemeinsamen Projektes des Museums und des Gymnasiums St.

. Augustin sein. Ganz speziell geht es dabei um Grimmaer und Muldentaler, die nach dem Krieg aus dem einstigen Kreis Militsch-Trachenberg in Schlesien flüchten mussten und in der hiesigen Region eine neue Heimat gefunden haben.

Museumsleiterin Marita Pesenecker hatte mit einem solchen Zuspruch bei der ersten Veranstaltung nicht gerechnet. Die Stühle reichten kaum aus. Manche, die gekommen waren, saßen still da und hörten zu. Andere ließen die frostigen Januar-Tage des Jahres 1945, an die alle mit Schaudern zurück dachten, noch einmal nachvollziehbar Revue passieren. Nur einen Koffer und eine Tasche habe sie dabei gehabt, erinnert sich die 86-jährige Johanna Prüfer, geborene Elias, die heute in Nerchau wohnt.

In ihrer damaligen Heimatstadt Trachenberg hätte es am 18. Januar geheißen „Rette sich, wer kann". Irgendwie kam sie mit dem Zug bis nach Grimma. In der Fürstenschule, dem heutigen Gymnasium, fand sie Platz in einer Massenunterkunft. „Dann kamen auch noch Dresdener, die nach den Bombenangriffen obdachlos waren, und wir wurden alle auf die umliegenden Orte verteilt."

Ruth Müller wohnt jetzt in Seelingstädt. Als blutjunge Ruth Tschetschorke wurde sie vor reichlich 65 Jahren aus ihrem Heimatort Waldheide vertrieben. „Uns wurde gesagt, dass wir zwei Wochen weg müssten, und so haben wir nicht allzu viel mitgenommen." Die Alten und die Kinder kamen auf Pferdewagen. „Wir mussten laufen. Es waren Minus 20 Grad Kälte, und alle haben fürchterlich gefroren." Im Mai sei sie dann zum ersten Mal wieder nach Hause gegangen.

„Wir haben dort Schreckliches gesehen, uns wurde alles weggenommen." Kurze Zeit später die schlimme und ernüchternde Botschaft: Die Deutschen müssen hier raus. „Soldaten mit Gewehren und Gummiknüppeln haben uns befohlen, dass wir den Ort verlassen sollten." Nur das, was sie auf dem Leibe hatte, sei ihr als Kleidung geblieben. Erinnerungen konnte sie nur in Gedanken mitnehmen.

Auch Alfons Neumüll, der heute in Bad Lausick lebt, erzählt in der Runde von seiner Flucht aus der Heimat. Er war 17 Jahre, als er aus dem schlesischen Oels vertrieben wurde, sich später auf einem Bauernhof verdingen musste und dann im Uran-Bergbau tätig war. Eine einstige Neuwalderin berichtet, dass damals ihre Großeltern nicht aus der Wohnung gingen und man von ihnen niemals wieder etwas gehört habe.

Vieles an Geschichten und Geschichte von Familien der schlesischen Region Militsch-Trachenberg und Umgebung aus den Jahren 1945 und danach wird in nächster Zeit wieder aufleben, wenn Schüler der 9. und 10. Klassen des Gymnasiums Einzelgespräche mit Zeitzeugen führen. In der großen Museums-Runde erklärte sich die Mehrzahl der Anwesenden dazu bereit.

Silke Hoffmann

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