Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Grimma Projekt zu Flucht, Vertreibung und Integration
Region Grimma Projekt zu Flucht, Vertreibung und Integration
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:00 21.05.2010
Anzeige

. Augustin sein. Ganz speziell geht es dabei um Grimmaer und Muldentaler, die nach dem Krieg aus dem einstigen Kreis Militsch-Trachenberg in Schlesien flüchten mussten und in der hiesigen Region eine neue Heimat gefunden haben.

Museumsleiterin Marita Pesenecker hatte mit einem solchen Zuspruch bei der ersten Veranstaltung nicht gerechnet. Die Stühle reichten kaum aus. Manche, die gekommen waren, saßen still da und hörten zu. Andere ließen die frostigen Januar-Tage des Jahres 1945, an die alle mit Schaudern zurück dachten, noch einmal nachvollziehbar Revue passieren. Nur einen Koffer und eine Tasche habe sie dabei gehabt, erinnert sich die 86-jährige Johanna Prüfer, geborene Elias, die heute in Nerchau wohnt.

In ihrer damaligen Heimatstadt Trachenberg hätte es am 18. Januar geheißen „Rette sich, wer kann". Irgendwie kam sie mit dem Zug bis nach Grimma. In der Fürstenschule, dem heutigen Gymnasium, fand sie Platz in einer Massenunterkunft. „Dann kamen auch noch Dresdener, die nach den Bombenangriffen obdachlos waren, und wir wurden alle auf die umliegenden Orte verteilt."

Ruth Müller wohnt jetzt in Seelingstädt. Als blutjunge Ruth Tschetschorke wurde sie vor reichlich 65 Jahren aus ihrem Heimatort Waldheide vertrieben. „Uns wurde gesagt, dass wir zwei Wochen weg müssten, und so haben wir nicht allzu viel mitgenommen." Die Alten und die Kinder kamen auf Pferdewagen. „Wir mussten laufen. Es waren Minus 20 Grad Kälte, und alle haben fürchterlich gefroren." Im Mai sei sie dann zum ersten Mal wieder nach Hause gegangen.

„Wir haben dort Schreckliches gesehen, uns wurde alles weggenommen." Kurze Zeit später die schlimme und ernüchternde Botschaft: Die Deutschen müssen hier raus. „Soldaten mit Gewehren und Gummiknüppeln haben uns befohlen, dass wir den Ort verlassen sollten." Nur das, was sie auf dem Leibe hatte, sei ihr als Kleidung geblieben. Erinnerungen konnte sie nur in Gedanken mitnehmen.

Auch Alfons Neumüll, der heute in Bad Lausick lebt, erzählt in der Runde von seiner Flucht aus der Heimat. Er war 17 Jahre, als er aus dem schlesischen Oels vertrieben wurde, sich später auf einem Bauernhof verdingen musste und dann im Uran-Bergbau tätig war. Eine einstige Neuwalderin berichtet, dass damals ihre Großeltern nicht aus der Wohnung gingen und man von ihnen niemals wieder etwas gehört habe.

Vieles an Geschichten und Geschichte von Familien der schlesischen Region Militsch-Trachenberg und Umgebung aus den Jahren 1945 und danach wird in nächster Zeit wieder aufleben, wenn Schüler der 9. und 10. Klassen des Gymnasiums Einzelgespräche mit Zeitzeugen führen. In der großen Museums-Runde erklärte sich die Mehrzahl der Anwesenden dazu bereit.

Silke Hoffmann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Grethen. Wenn Meinungsforscher eine Prognose wagen müssten, was Grethens Bürger von einer zentralen Abwasserentsorgung per Freigefällekanal mit zentralem Pumpwerk halten, würde das Ergebnis vermutlich lauten: prinzipiell Zustimmung.

21.05.2010

Grimma. Die ersten Tipis stehen bereits im Reservat der Bison-Farm in Neuneunitz bei Grimma. Dort geht am kommenden Pfingstwochenende das nunmehr 9. Powwow über die Prärie der Grimmaer Hochebene.

20.05.2010

Albrechtshain. Die Adventure GbR Leipzig, die am Albrechtshainer See seit 2007 den Kletterwald betreibt, ist jetzt auch Betreiber des Campingplatzes am See.

19.05.2010
Anzeige