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Grimma Racheakt oder gutes Recht? Schulstreit zwischen Grimma und Colditz eskaliert
Region Grimma Racheakt oder gutes Recht? Schulstreit zwischen Grimma und Colditz eskaliert
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00:22 28.10.2017
Quelle: Thomas Kube
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Colditz/Grimma

Als Anfang der Woche durchsickerte, der Stadtrat von Colditz wolle am Donnerstag die Zweckvereinbarung mit der Stadt Grimma zur Bildung von Grundschulbezirken kündigen, reagierten Eltern und Lehrer entsetzt. „Die drohende Kündigung macht uns ratlos, denn damit könnte der Fortbestand der Grundschule Großbothen gefährdet sein“, sagt eine aufgebrachte Elternratsvorsitzende der Schule aus dem Grimmaer Ortsteil. Ohne Rücksprache mit den Eltern sei das Thema auf die Tagesordnung gesetzt worden, so Katrin Juhrich. So werde das Problem zu Lasten der Kinder ausgetragen. „Das geht gar nicht.“

Hintergrund: 2011 wurde ein Teil Großbothens nach Grimma eingemeindet, Schönbach, Sermuth, Zschetzsch und Leisenau entschieden sich hingegen für Colditz. Mit der Zweckvereinbarung zum Schulbezirk zwischen den zwei gewachsenen Kommunen wurde geregelt, dass die Kinder jener vier Dörfer weiterhin die Grundschule in Großbothen besuchen können. Bereits 2014 wollte Colditz nach fünfjährigem Bestandsschutz den Vertrag aufkündigen und erlebte einen Aufstand der Eltern. Damit ist auch diesmal zu rechnen. Betroffene Eltern wollen bei der Stadtratssitzung die Bänke füllen.

Selbst Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) erfuhr erst durch empörte Eltern von der Beschlussvorlage und reagierte am Mittwoch mit einem Brandbrief an den Colditzer Rathauschef Matthias Schmiedel (parteilos). Durch einen solchen Beschluss, der auf die Einschulung der Kinder aus den vier Dörfern in die Grundschule Colditz ab 2020/21 zielt, würden sich die derzeit optimalen Anfahrtswege verschlechtern. Grimma wäre gezwungen, um die Schule Großbothen nicht zu gefährden, Kinder aus anderen Ortsteilen umzulenken und würde damit deren Lage ebenfalls verschlechtern. Grund- und Oberschule Colditz seien in ihrer Existenz auch ohne die Kinder der vier Ortsteile nicht gefährdet, so Berger, schon deshalb empfinde er die Aktivität inakzeptabel. Schmiedel betreibe nach dem Motto „Colditz first“ Eigenprofilierung „auf dem Rücken der Kinder“, wettert Berger.

Die Grundschule Großbothen besuchen derzeit 102 Kinder in fünf Klassen. Elternratschefin Juhrich hat recherchiert, dass in den künftigen Jahrgängen bis zu 13 Erstklässler aus den vier Ortschaften betroffen sind. Da für eine Grundschulklasse 15 Schüler notwendig sind, sieht sie eine deutliche Gefahr für die Einrichtung in Großbothen. Den Eltern drängen sich viele Fragen auf, etwa nach Hortplätzen in Colditz. Zudem machen Spekulationen die Runde, heißt es, der Vorstoß sei ein Racheakt für den avisierten Neubau der Oberschule Böhlen durch die Stadt Grimma. Wie berichtet, bangt Colditz um die Entwicklung der eigenen Oberschule und führt Klage gegen das Grimmaer Vorhaben.

Zu dem von der Verwaltung eingebrachten Antrag erwartet der Colditzer Bürgermeister Schmiedel am Donnerstag einen Beschluss über Partei- und Fraktionsgrenzen hinaus: „Es ist nur legitim, dass wir uns auch um die Mädchen und Jungen aus Leisenau, Sermuth, Schönbach und Zschetzsch bemühen. Wir liegen am Rand des Kreises, sanieren unsere Schulen und müssen schauen, dass wir sie auch auslasten.“ Die Colditzer hätten immer gesagt, dass es sich bei der Vereinbarung um eine Übergangslösung handele, so Schmiedel: „Wir waren so naiv und glaubten, ganz automatisch von der Grundschule Großbothen profitieren zu können. Doch wir haben uns getäuscht, tatsächlich wanderten die Fünftklässler an die freie Schule in Großbardau oder aber an die Oberschule Böhlen ab. Wir können da nicht länger untätig bleiben, sondern müssen reagieren.“ Wer schon als Grundschüler in Colditz ist, der werde im Anschluss mit großer Wahrscheinlichkeit auch die Oberschule Colditz besuchen – so die Hoffnung der Stadtväter. Nein, er mache keinen Hehl daraus, betont Schmiedel: „Der millionenschwere Neubau der Oberschule Böhlen auf der grünen Wiese und nur vier Kilometer von der Gemeindegrenze entfernt könnte zum Sargnagel selbst für die Einzügigkeit unserer Oberschule werden.“

Von Haig Latchinian und Frank Prenzel

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