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Grimma Radsport-Dino aus Grimma holt Pokal bei Retro-Rennen
Region Grimma Radsport-Dino aus Grimma holt Pokal bei Retro-Rennen
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00:23 17.09.2018
Von Kopf bis Fuß im Original: In diesem Outfit und mit diesem Diamant-Rennrad aus DDR-Zeiten hat Bernd Rottmann in Tirol an einer besonderen Ausfahrt mit historischen Rennrädern teilgenommen. Quelle: Frank Schmidt
Grimma/St. Johann

Zum 50-jährigen Jubiläum des Radweltpokals und der Masters Cycling Classics in St. Johann/Tirol fand erstmals eine Ausfahrt mit historischen Rennrädern statt. Mit dem Grimmaer Bernd Rottmann war auch einer aus dem Muldental am Start.

76-Jähriger fährt 8000 Kilometer im Jahr

„Da will ich unbedingt dabei sein“, sagte sich der heute 76-Jährige, der zu DDR-Zeiten aktiver Radsportler war und noch immer regelmäßig im Sattel sitzt, um bis zu 8000 Kilometer pro Jahr zu fahren. Während er heute ein modernes Rennrad sein Eigen nennt, ist er früher mit einem Diamant-Rad gestartet, welches er noch immer besitzt und mit dem er sich nun für das Retro-Rennen in Österreich angemeldet hatte.

Sohn rettet altes Diamant-Rad

„Eigentlich sollte das schon längst auf dem Schrotthaufen liegen, aber mein Sohn Mario hatte sein Veto eingelegt – bloß gut“, freute es Rottmann nun. Immerhin ein Modell mit Baujahr 1969 und Stahlrahmen, deshalb mit 16 Kilogramm nicht gerade leicht. Auch deshalb, weil daran eine eiserne Favorit-Schaltung montiert ist. Guter Stahl wurde auch für die Kettenblätter verwendet. Ein Doppelblatt vorn mit 47er- und 50er-Kranz und ein Fünferblatt hintern mit 13er-, 15er-, 17er-, 19er- und 21er-Kranz. Das habe dem damaligen Standard entsprochen, erklärte Rottmann.

Außerdem besitzt sein Diamant-Rad Stahltretlager samt Pedalkörben mit Lederriemen, Doppelzugbremsen und eine lange Stabluftpumpe. Damit konnten die original Kowalit-Reifen aufgepumpt werden. „Nagelneu habe ich die von Wolfgang Ihle aus Grimma bekommen“, sagte Rottmann. Doch das Nonplusultra war die Trinkflasche aus Aluminium mit Korken und Trinkschlauch, eine Leihgabe von Horst Kupfer in Seelingstädt. Alles in allem gute alte DDR-Qualität. Einzig der Ledersattel stammt aus Westberlin, über dessen abenteuerliche Beschaffung Rottmann eine getrennte Story erzählen könnte.

Radsport-Dino als Fotomodell gefragt

„Ich hatte für diese Ausfahrt mit Abstand das älteste Rennrad“, war Rottmann stolz darauf. Und damit ging er weit über die Ausschreibung hinaus. Denn darin stand etwas von „in die Zeit passende Ausstattung und Ausrüstung.“ Rottmann konnte aber mit Fug und Recht sagen, dass er im Original am Start dieser historischen Ausfahrt stand. „Und dort wollte sich jeder mit mir und dem Rad fotografieren lassen“, erinnerte sich der Radsport-Dino.

Schon deshalb habe sich der ganze Aufwand gelohnt, den er noch vor seiner Reise nach Tirol betreiben musste. „Ich habe mir wirklich jede Mühe gegeben, das Rennrad fahrtüchtig zu machen. Dabei hatte ich vor allem die Bremsbowdenzüge im Blick, denn davon war meine eigene Sicherheit abhängig“, sagte er.

Sportfreunde stellen Original-Kleidung zur Verfügung

Doch als das geschafft war, war er immer noch nicht komplett. „Ich konnte ja nicht halb nackt an den Start gehen. Da ich nur noch Schuhe und Hose im Original hatte, brauchte ich noch ein Trikot aus jener Zeit“, gab er zu bedenken. Das habe ihm Peter Brauns aus Wermsdorf gegeben. “Die Sturzkappe bekam ich vom RSG-Grimma.“ Bei dieser Gelegenheit wollte Rottmann nicht unerwähnt lassen, „dass ich mich bei all den Radsportfreunden und Kumpels bedanke, die mir in Vorbereitung meiner Mission irgendwie geholfen haben.“

Doch damit nicht genug. Nachdem Rottmann als Vierter der 45 Kilometer langen Retro-Ausfahrt das Ziel erreichte und dafür einen Pokal bekam, nahm er auch noch am Weltmeisterschaftslauf beim Airport-Sprint auf einer Landebahn teil, jedoch mit seinem normalen Rennrad. Tausend Meter insgesamt, 500 Meter hin, Wendeschleife, 500 Meter zurück. Und hier belegte er in seiner Altersklasse Platz zwei. Soll heißen, ein Muldentaler Radsportler kommt als Vizeweltmeister aus Tirol zurück. Glückwunsch dafür und Chapeau für eine besondere Werbetour, die dem ostdeutschen Radsport huldigte.

Von Frank Schmidt

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