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Räder für Asylbewerber in Bad Lausick:Neue Werkstatt macht's möglich

Räder für Asylbewerber in Bad Lausick:Neue Werkstatt macht's möglich

Während an der Rad-Geländepiste in Bad Lausick am Sonnabend erneut gearbeitet wurde, ging die Fahrradwerkstatt am Nachmittag offiziell in Betrieb: In einem Schuppen auf der einstigen Rollschuhbahn am Bad Lausicker Stadtrand hergerichtet, sollen hier ab Mai Fahrräder repariert werden.

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Bahram Bahrami (li.) hat in der neuen Fahrradwerkstatt in Bad Lausick künftig den Hut auf, rechts Andreas Rauhut vom Flexiblen Jugendmanagement.

Quelle: Jens Paul Taubert

Bad Lausick. Räder, die sich Asylbewerber aus dem Umland dann ausleihen können, um leichter zu Behörden oder zum Einkauf zu kommen. Die Werkstatt ist nur eine Facette jener Vision, die der Kinder- und Jugendring des Landkreises Leipzig gemeinsam mit jungen Leuten aus der Region für das grüne, lange in Dornröschenschlaf liegende Areal entwickelt. Um die Wiedernutzung des einstigen Vereinshauses voranzubringen, das Volleyballfeld herzurichten, die Rad-Piste weiterzubauen, wurden viele Helfer erwartet.

An der Fassade fehlt noch die Farbe, doch drinnen hat sich allerhand getan: Seit vergangenem Herbst haben sich Jugendliche und Asylsuchende unter der fachlichen Anleitung von Roland Klingner einen Schuppen auf dem Gelände an der Glastener Straße vorgenommen, den Fußboden erneuert, das Dach ein Stück höher gesetzt, das Gehäuse innen ausgebaut. Ab Mai ist die Fahrradwerkstatt geöffnet, immer mittwochs von 11 bis 17 Uhr. "Mindestens", sagt Bahram Bahrami, der hier den Hut aufhat. Der Mann aus dem Iran kennt sich aus mit Rennrädern - und obendrein: "Ich habe Erfahrung in der Arbeit mit Flüchtlingen." Denn der 44-Jährige war selbst einer, als er nach Deutschland kam. Inzwischen mit anerkanntem Aufenthaltsstatus, sei er für den Kinder- und Jugendring, Pächter der gesamten Immobilie, der richtige Mann, um die Werkstatt zu betreuen, sagt Andreas Rauhut vom Flexiblen Jugendmanagement: "Menschen sollen sich hier begegnen über gemeinsames Tun."

Die Werkstatt richte sich im Besonderen an Flüchtlinge, die in der Region ein zeitweiliges Obdach gefunden hätten und denen es gerade auf dem Lande an der nötigen Beweglichkeit fehle. Nach Bad Lausick kämen viele, um in den Zug zu steigen oder um einzukaufen - allerdings nur schwer. Ein Rad mache da vieles leichter; deshalb wolle man hier Zweiräder aufbauen und an diese Menschen verleihen. "Im Landkreis gibt es so etwas noch nicht", sagt er. Es sei ein Stück praktischer Willkommenskultur, ein Projekt, gefördert über das Programm Lokale Partnerschaft für Demokratie. Einen Fundus an Rädern und Teilen gebe es bereits, zur Verfügung gestellt von Städten wie Frohburg und Geithain und von Privatpersonen. Auch Werkzeuge habe man beschafft. Einem Start stehe nichts mehr im Wege.

"Noch ist auf dem Gelände jede Menge zu tun", sagte Anett Börner vom Kinder- und Jugendring. Die Dirtbiker hätten sich angesagt, die Organisatoren des "Rastlos"-Festivals, die Leute der jungen Initiative namens Lautstark, Mitglieder des Jugendrings; weitere Helfer.

Der Weiterbau der Geländepiste käme jetzt noch besser voran, denn über das Förderprogramm "Hoch vom Sofa" bekomme man jetzt 2000 Euro, freut sich Rauhuts Kollegin Cornelia Klingner: "Damit kann man was machen."

Arbeit gibt es auf dem Vereinsgelände in den nächsten Monaten zur Genüge. Seit dem Sommer 2014 fanden mehrfach Einsätze und Arbeits-Camps statt. Doch noch ist eine Nutzung für Freizeiten, Erlebnispädagogik und Projekte nur eingeschränkt möglich. Ein Kernproblem: Wasser- und Elektroanschluss müssen komplett erneuert werden. Das koste, sagt Klingner, und dieses Geld sei zurzeit nicht da. Deshalb müsse man sich mit einem mobilen Toilettenhäuschen behelfen und im Sommer, wenn hier ein "Borderless"-Camp geplant sei, sich mit einem Sanitärwagen behelfen. "Aber wir sind dran."

Dran sei man auch am Erarbeiten einer Nutzungsordnung. Die soll regeln, nach welchen Spielregeln das Gelände künftig genutzt werden kann. Denn das sei ja ein erklärtes Ziel aller Bemühungen, so Klingner: hier einen Ort zu schaffen, wo sich junge Leute in ihrer Freizeit treffen könnten.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.04.2015
Ekkehard Schulreich

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