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Grimma Rainer Schmidt: Das ganze Jahr über ist Pilzzeit, man muss nur die Pilze kennen
Region Grimma Rainer Schmidt: Das ganze Jahr über ist Pilzzeit, man muss nur die Pilze kennen
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00:19 24.07.2017
Einen Anischampion hält Rainer Schmidt in seinen Händen. Im Vordergrund sind Nelkenschwindlinge. Quelle: Foto: Thomas Kube
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Grimma/Mutzschen

Obwohl die Pilzsaison noch nicht begonnen hat, hält Rainer Schmidt (65) einen Anischampignon und mehrere Nelkenschwindlinge in seinen Händen. Denn für den Mutzschener ist jeden Tag Pilzsaison. „Man kann jeden Tag Pilze finden“, meint der anerkannte Pilzberater im Muldentalkreis.

Am 19. Mai 1979 hatte er als junger Mann angefangen, Pilzsuchende zu beraten. Im Durchschnitt listete der gelernte Dachdecker 50 bis 70 Beratungen in seinem Registerbuch auf. „Spitze waren 150 Beratungen im Jahr 1983“, erinnert sich der Senior, der seit zwei Jahren in der Rente ist. „Das war ein tolles Pilzjahr“, sagt er. Wenn er nach Hause kam, war er von einer Menschentraube umringt, die wissen wollten, ob die Pilze essbar sind. Viele fuhren in den Wermsdorfer Wald oder die Dahlener Heide und brachten die Pilze wannenweise zu ihm. Einer hatte körbeweise Giftchampions gesammelt, die er gleich zum Kompost durchlaufen ließ. Ein anderer brachte Gallenröhrlinge, die der Finder mit Steinpilzen verwechselt hatte. Doch selbst mit gebratenen Pilzen kamen schon Leute zu ihm. „So hatte eine Frau Kuhröhrlinge gebraten. Im Nu war die Pfanne violett“, erzählt er. Dieser Pilz sei zwar essbar, aber minderwertig. Genau kann er sich auch noch an das Jahr 2006 erinnern. „Am 26. Dezember habe ich noch Blätterpilze wie Maronen gefunden“, sagt er.

Er konnte manch einen Laien vor Verdauungsstörungen bewahren beziehungsweise sogar das Leben retten. „Bei mir hat es bisher keine Vergiftungen gegeben“, weiß er zu berichten. Bisher kamen laut seinem Buch 2136 Leute zu ihm, um sich beraten zu lassen. Dabei bestimmte er 5012 Pilze. Darunter waren Fliegenpilze, der gelbe Knollenblätterpilz, der weiße Knollenblätterpilz oder der rotschuppige Hautkopf.

Oft kommt es auch vor, dass die Leute sich telefonischen Rat einholen. „Doch das geht nur bis zu einem bestimmten Grad, da man die Pilze riechen und schmecken muss, um auf Nummer sicher zu gehen“, sagt der Experte. So hatte er eines Tags einen Anruf um 21.30 Uhr. „Ein junger Mann von 21 Jahren hatte einen Giftchampion roh gegessen und wunderte sich, dass er Verdauungsstörungen hat“, erinnert sich Schmidt. Er riet ihm, sofort zum Arzt zu gehen. In diesem Zusammenhang ließ er nicht unerwähnt, dass man die Putzreste von Pilzen noch einen Tag aufbewahren sollte. „Wenn etwas passiert, kann man feststellen, welche Sorte Pilz der Übeltäter war“, sagt er.

Dass immer alles glatt ging, zeigt: Auf Rainer Schmidt ist Verlass. Sein Handwerk hat er von seinem Vater gelernt und später nahm er an zahlreichen Schulungen teil. Gegenwärtig kenne er etwa 250 Pilzarten, schätzt er ein. Doch das heiße nicht, dass er nicht hin und wieder ins Pilzbuch sehen muss. „Man lernt eigentlich immer etwas dazu“, meint er. So ist er jedes Jahr dabei, wenn die Pilzberater des Landkreises auf gemeinsame „Safari“ gehen. Auch bei der jährlichen Pilzausstellung des Landkreises ist er anzutreffen. Im letzten Jahr war diese im Schweizergarten in Wurzen. Mit Prognosen wie das Pilzjahr in diesem Jahr ausfällt, hält er sich noch zurück. Das hängt vom Wetter ab, meint er.

Er selbst sammelt zwar gern Pilze, isst sie aber nicht so gern. Allerdings wenn seine Frau Luise die Pilze mit Zwiebeln, Salz und Pfeffer in der eigenen Küche schmort, dann greift Schmidt auch zu. „Ich esse sie mit, damit meine Frau keine Angst hat, welche zu essen“, erzählt er mit einem Schmunzeln im Gesicht. Denn seine Frau habe ihm immer den Rücken frei gehalten, wenn er seinem Hobby nachging. Mit ihr ist er sei 45 Jahren verheiratet. Während er den Anischampion anschaut, der derzeit auf den Wiesen um Mutzschen wächst, zeigt er auf den Karbolegerling im Pilzbuch. Er sieht dem essbaren Champignon zum Verwechseln ähnlich. „Er wird viel mitgenommen, obwohl er giftig ist“, erklärt der Plizberater. Man erkenne den Fehlgriff daran, dass der Pilz sich chromgelb färbt, wenn man ihn an der Kappe oder am Stiel anschneidet. Außerdem würde der Pilz dann auch einen widerlichen Geruch nach Karbol verströmen.

Von Cornelia Braun

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