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Ran an die Kuh: Bei Colditzer Schul-Skills schnuppern Schüler schon Azubi-Luft

Ran an die Kuh: Bei Colditzer Schul-Skills schnuppern Schüler schon Azubi-Luft

Im Grunde wollte der Raumausstatter Böhme-Voigt aus der Töpfergasse keine Lehrlinge aufnehmen. Doch als sich der Betrieb im vergangenen Jahr zu den ersten Schul-Skills in der Sophienschule präsentierte, probierte sich Maximilian Völkel an dessen Technik aus und leckte Blut.

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Clemens Lange aus der Klasse 8b versucht sich am Gummi-Euter eines improvisierten Melkstandes der Agraset Agrargenossenschaft Naundorf mit den Azubis Marcus Weise (re.) und Felix Richter (li.).

Quelle: Thomas Kube

Colditz. Er bewarb sich später bei dem Unternehmen, das ihn dann als Auszubildenden einstellte. Gestern nun, zur zweiten Auflage der recht ungewöhnlichen Veranstaltung zur Berufsorientierung, verlegte er in Leipzig gerade einen Fußbodenbelag, während ein Freund von ihm den gleichen ersten Schritt ging: Patrick van Thiel.

 

 

"Er macht sich ganz gut", urteilt Firmenchefin Kerstin Böhme. Der 16-Jährige sitzt zum ersten Mal in seinem Leben an einer Nähmaschine, muss ein Kissen herstellen. Und er ist begeistert. So wie ihm geht es wohl den meisten Oberschülern, die sich entsprechend ihrer Wünsche und Fähigkeiten aus 26 Angeboten vier Betriebe aussuchen können, die sie näher kennenlernen wollen. Und das nicht nur theoretisch, sondern ganz praktisch.

Sie ziehen unter anderem Mauern hoch, lernen, wie pflegebedürftige Menschen gelagert werden, melken eine künstliche Kuh, zimmern Holzbänke, spülen eine Abwasserleitung frei oder absolvieren einen sportlichen Parcours der Bundeswehr. Eine halbe Stunde lang beobachten die Firmenvertreter, wie der Einzelne seine Aufgabe erledigt. Dafür gibt's für jeden sogenannte Kompetenz-Armbänder. Sie zeigen an, wer beispielsweise durch logisches Denken hervorsticht, Kreativität oder Ausdauer zeigt. "So werden Stärken deutlich gemacht, anstatt auf Schwächen zu verweisen", erläutert Ronny Kritz vom Bildungs- und Sozialwerk (BSW) Muldental, das die Schul-Skills zusammen mit der Agentur für Arbeit Oschatz und der Leipziger Zarof GmbH unterstützt.

 

 

Praxisnähe schreibt die Sophienschule schon lange groß. Sie hat sogar einen eigenen Neigungskurs entwickelt, die Einführung in die Marktwirtschaft. Vier Stunden pro Woche sind die Mädchen und Jungen in ansässigen Betrieben wie Anona und Hagebaumarkt tätig, aber auch in Kindertagesstätten.

 

 

Das aber reichte Beratungslehrerin Simone Priemer nicht. Für die Bildungsstätte, die 2008 das sächsische Qualitätssiegel für Berufs- und Studienorientierung errang und fünf Jahre später verteidigte, wollte sie mehr. Als sie 2013 mit Schülern die Weltmeisterschaft der Berufe, die World-Skills, in Leipzig besuchte, kam ihr die Idee, etwas ähnliches in Colditz zu probieren, freilich in einem ganz anderen Rahmen.

 

 

Schulsozialarbeiterin, Kompetenzberaterin, Praxisbetreuerin, Förderverein der Schule und Eltern zogen mit. Beim Unternehmerstammtisch der Stadt rannte Priemer offene Türen ein. 19 Firmen beteiligten sich zur Premiere im vergangenen Jahr, bei der, wie das Beispiel von Maximilian Völkel zeigt, die Basis für künftige Laufbahnen gelegt wurde.

 

 

Gestern sind es also 26 Betriebe, die den Kontakt zum Nachwuchs suchen. Schüler werden auf sie aufmerksam und Firmen entdecken Schüler, die sie für sich gewinnen wollen, vielleicht zunächst erst einmal für ein Praktikum. "Das geschieht mit viel Engagement und ist wichtig, um den Schulstandort zu erhalten", urteilt der Landtagsabgeordnete Svend-Gunnar Kirmes (CDU), der die Veranstaltung besucht. Für andere Bildungseinrichtungen sollten derartige praxisnahen Berufsorientierungen ein Vorbild sein.

 

 

Während sich die Erwachsenen über solche grundlegenden Fragen Gedanken machen, hat Patrick van Thiel sein Kissen fertig, möchte weiter zur nächsten Station, wo er ins Friseurhandwerk hineinschnuppern will. Eigentlich bräuchte er das alles nicht, denn er hat schon eine Fotografen-Lehrstelle in Leipzig gesichert. Trotzdem findet er die Schul-Skills gut. "Man kann immer dazu lernen", sagt er. "Das erweitert den Horizont."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.05.2015
Frank Pfeifer

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