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Grimma Raritäten locken ins Heimathaus Nerchau
Region Grimma Raritäten locken ins Heimathaus Nerchau
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14:51 06.11.2018
Elke Weniger, Chefin des Heimatvereins Nerchau, zeigt ein Bild mit dem 160 Jahre alten heutigen Heimathaus in der Parkstraße 1. Etwa 20 000 Sammelstücke zur Nerchauer Geschichte hat der Verein im Haus und zeigt auch einige Raritäten. Quelle: Frank Prenzel
Grimma/Nerchau

 Für Elke Weniger ist es ein kleines Jubiläum, auf das sie mit Stolz blickt. 15 Jahre ist es inzwischen her, dass der Heimatverein Nerchau in das einstige Rathaus in der Parkstraße einzog und seitdem in den alten Mauern die wechselvolle Historie der Kleinstadt wach hält. Weniger, seit 2015 die Vorsitzende des 44-köpfigen Vereins, will aber noch eine andere runde Zahl in Erinnerung rufen. Denn das geschichtsträchtige Haus im Ortszentrum wurde 1858 erbaut – und ist demnach 160 Jahre alt.

Haus im Besitz der Stadt Grimma

Neun Ausstellungsräume im Heimathaus Nerchau zeigen die wechselvolle Geschichte der einstigen Kleinstadt, die jetzt zu Grimma gehört. Der Heimatverein betreibt das frühere Rathaus nun seit 15 Jahren.

Bis zum April 2003 wurden von der Parkstraße 1 aus die kommunalen Fäden gezogen. In jenem Monat zogen Stadtverwaltung und Bürgermeister in das neu erbaute Bürgerzentrum in der Hauptstraße um. Mit der Nerchauer Eingemeindung 2011 erbte die Stadt Grimma das im fränkischen Baustil errichtete Gebäude, das sich nach wie vor in ihrem Besitz befindet.

Heimatverein Nerchau gründet sich 2002

Für die Betreibung aber fühlt sich der Heimatverein verantwortlich, der sich im November 2002 gründete, um im frei werdenden Gebäude seine Bleibe zu etablieren und die weit verstreute heimatkundliche Sammlung unterzubringen. Seitdem ist das einstige Verwaltungsgebäude als Heimathaus bekannt. „All die Gegenstände, Bilder und Dokumente, die bis dahin bei Privatpersonen lagerten, konnten endlich ausgestellt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden“, erinnert die 63-jährige Vereinschefin, die sich Anfang 2019 zur Wiederwahl stellt.

Zwar kommt die Stadt Grimma für das nicht unter Denkmalschutz stehende Heimathaus auf und erlässt dem Verein die Miete. Die Betriebskosten von rund 1800 Euro im Jahr muss der Verein aber allein aufbringen. Der Mitgliedsbeitrag von 25 Euro im Jahr reiche dafür nicht, erläutert Weniger, „das ist nur dank der Veranstaltungen zu stemmen“. So wie vor wenigen Wochen, als ein Glasbläser zu Gast war.

Handwerk- und Industriegeschichte von Nerchau

Neun Ausstellungsräume erwarten die Besucher. Im Erdgeschoss erzählt der Verein über das Post- und Schulwesen ebenso wie über die Vereinsgeschichte Nerchaus. Im Obergeschoss werden das Handwerk und die Industriegeschichte beleuchtet, taucht man ein ins Wohnen vergangener Tage, erfährt Interessantes über den bekannten Nerchauer Architekten Hugo Koch. Der kleine Veranstaltungsraum, den die Stadt jetzt mit zwei neuen Fenstern ausstattete, fasst etwa 30 Personen.

Geschichte des Heimathauses

Wo heute der Heimatverein eine etwa 20 000 Stücke umfassende heimatkundliche Sammlung aufbewahrt und ausstellt, seinem Vereinsleben nachgeht und regelmäßig zu Veranstaltungen einlädt, gingen von jeher viele Menschen ein und aus. 1858 als Wohngebäude des Wötzoldschen Kleinpferdnergutes errichtet, verkaufte die Witwe von Johann Friedrich Gottlob Wötzold im Jahr 1884 das verbliebene Gut an die Stadt Nerchau. Das einstige Wohnhaus wurde nach und nach für die Verwaltung der Kommune benötigt und galt seit 1890 als das Rathaus der Stadt. In jenem Jahr bezog hier Emil Kaulisch als erster berufsmäßiger Bürgermeister Amtsstube und Amtswohnung.

Post, Sparkasse, Polizeiwache, Arztpraxis, Ortskrankenkasse, Konfektionsgeschäft – in den vielen Jahren diente das Gebäude etlichen Dienstleistern zumindest für eine gewisse Zeit als Unterkunft. Die vier Linden, die noch heute vor dem Haus stehen, pflanzte der 1886 verstorbene Oberstabsarzt und Naturliebhaber Dr. Kopseel, der eine Zeit lang in den Mauern praktizierte und lebte.

Seit Ende vorigen Jahres treibt der Verein die Renovierung der Zimmer voran. Obwohl das Durchschnittsalter der Mitglieder bei 75 Jahren liegt, wird das aus eigener Kraft bewerkstelligt. Neben Malerarbeiten wurde das Industriezimmer umdekoriert, das Postzimmer instand gesetzt, die Wohnstube vervollständigt. Sie erhielt ein Sofa und eine Lampe aus der Zeit um 1900, aufgestöbert bei Ebay. Und Dank einer diesjährigen 1500-Euro-Zuwendung der Sparkasse Muldental aus dem Lotteriesparen konnte der Verein vier neue Glasvitrinen für seine Ausstellungsobjekte anschaffen. „Bis Jahresende wollen wir noch das Handwerkerzimmer malern, dann sind wir erst mal durch“, informiert Weniger.

Deko-Runde und Weihnachtsmarkt

Anfangs schloss der Verein, unter dessen Dach auch ein Malzirkel und eine Handarbeitsgruppe tätig sind, das Heimathaus jeden Sonntag auf. Mittlerweile reicht ein Sonntag im Monat, größer sei das Interesse nicht, sagt Weniger und verweist auch auf Führungen zu Klassentreffen und für die Viertklässler der Nerchauer Grundschule. Neben dem jährlichen Höhepunkt im Juni, das 2007 ins Leben gerufene Lindenfest, lädt der Verein zudem regelmäßig zu kleinen Veranstaltungen ein. Am Buß- und Bettag etwa bittet er wieder zum Basteln von Weihnachtsdekoration, und zum Nerchauer Weihnachtsmarkt am 2. Dezember heißt es von 14 bis 17 Uhr „Advent im Heimathaus“.

Von Frank Prenzel

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