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Rathaus Colditz wird endlich saniert – „kein zweiter Flughafen BER“

Colditz Rathaus Colditz wird endlich saniert – „kein zweiter Flughafen BER“

Das Rathaus Colditz ist – ein prachtvoller Renaissance-Bau – wird endlich saniert. Der Stadtrat stellte am Donnerstagabend die Weichen für die dringend notwendigen Arbeiten, die im nächsten Jahr beginnen sollen.

Das Rathaus Colditz wird endlich saniert.

Quelle: Röse

Colditz. Es hatte schon etwas von „Colditz sucht den Superstar“ – europaweite Ausschreibung, Vorentscheid, Moderator, Jury und fünf Finalisten. Am Ende setzte sich das Architektur- und Ingenieurbüro Hoffmann & Hofmann durch. Nach Beschluss des Stadtrates steht fest: Die Leipziger Planer werden die Modernisierung des Rathauses begleiten. Geschätzter Auftragswert 330 000 Euro.

Bürgermeister Matthias Schmiedel (parteilos): „Wir haben hier das wohl einzige noch unsanierte Rathaus weit und breit. Während meine Kollegen im Landkreis längst erhobenen Hauptes durch schicke Amtsstuben führen, muss ich mich vor Fremden fast schämen.“ Zwar seien die Fenster erneuert, die Fassade ausgebessert und manches Zimmer ertüchtigt: Insgesamt aber bestehe dringender Handlungsbedarf – von Brandschutz bis Barrierefreiheit.

Sanierung wird rund drei Millionen Euro kosten

Hauptamtsleiter Hans-Peter Kiesel kann der langen Wartezeit auch etwas Positives abgewinnen: „Nach den Fusionen haben wir nun Planungssicherheit, wissen, was wir wirklich brauchen. So wird das Dach nicht ausgebaut, statt dessen machen wir Markt 19 als Stadthaus fit.“ Mit der Planung zu Markt 19 beauftragten die Stadträte das ortsansässige Ingenieurbüro Schlender & Heiser – Volumen rund 95 000 Euro.

Jürgen Reinhardt (Für unsere Heimat) begrüßt die seiner Meinung nötigen Investitionen, befürchtet aber einen fiskalischen Blindflug. „Bis 2020 wollen wir fertig sein! Schaffen wir das? Und was kostet das? Drei, vier oder fünf Millionen?“ Bauamtsleiterin Angela Rößner erinnert an eine ältere Studie, die noch von 3,3 Millionen Euro ausging. „Ich denke, mit Rathaus, Markt 19 und Archiv zusammen bleiben wir unter drei Millionen.“ Sie verweist auf Mittel der Stadtsanierung sowie das Förderprogramm „Brücken in die Zukunft“.

Heimatforscher Rudolf Priemer nennt das Renaissance-Rathaus von Colditz ein architektonisches Schmuckstück. „Die Giebel und Gewölbe – vor allem die u(h)rigen bockigen Ziegen, die zu jeder vollen Stunde mit fliegenden Hörnern aufeinander losgehen.“ Er würde sich freuen, wenn die Eingriffe in all die Details so gering wie möglich ausfielen.

Nach LVZ-Recherche wurde das Rathaus im Dreißigjährigen Krieg zerstört und bis 1657 neu errichtet. Ein Sammelbuch erinnert noch heute an die vielen Spenden der Bürger. Die Stadt musste den Wiederaufbau damals ganz allein schultern. Der im Schloss residierende Kurfürst gab keinen Pfennig. Für die lokale Colditzer Politik fühlte der sich nicht zuständig, da der Ort eine eigene Gerichtsbarkeit hatte. Weil in all den Jahrhunderten oft auf den Keller des Vorgängers gebaut wurde, liegt die einst repräsentative und doppelt so hohe Eingangshalle des Rathauses heutzutage unter dem Erdgeschoss. Man geht gewissermaßen gleich in die erste Etage.

Baustart am Gebäude soll Mitte nächsten Jahres sein

Baustart soll Mitte 2018 sein. Ob die Verwaltung auch bei laufender Sanierung im Rathaus bleibt, ganz oder teilweise umzieht, sei noch unklar, sagt Bürgermeister Schmiedel: „Wir könnten vorübergehend auch die zweite Etage der BBS mit nutzen oder Räume der VR-Bank Muldental, deren Colditzer Geschäftsstelle zum 29. September schließt.“ Auf jeden Fall sei es ein ehrgeiziges Projekt, so Amtsleiterin Rößner. Verwaltung, Stadträte, Architekten und Baufirmen müssten eng zusammen arbeiten, das Geld sei im Haushalt eingeplant. Nein, ein fiskalischer Blindflug sei nicht zu befürchten: „Es wird kein weiterer Flughafen BER, sondern eine Punktlandung“, verspricht Stadtoberhaupt Schmiedel.

Von Haig Latchinian

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