Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Rathaus dicht, Kitas mit Notbetrieb – Naunhofer Stadtangestellte im Streik

Personal fordert Tariflohn Rathaus dicht, Kitas mit Notbetrieb – Naunhofer Stadtangestellte im Streik

Geschlossene städtische Kindergärten am Vormittag, geschlossenes Rathaus am Nachmittag. Zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit streikten am Dienstag die kommunalen Angestellten von Naunhof. Sie wollen mit ihren Aktionen durchsetzen, nach dem Tarif des öffentlichen Dienstes eingruppiert zu werden.

Bewegung vorm Naunhofer Rathaus, aber nicht im Gebäude. Dort legte das Personal 14 bis 18.30 Uhr die Arbeit nieder.

Quelle: Thomas Kube

Naunhof. Geschlossene städtische Kindergärten am Vormittag, geschlossenes Rathaus am Nachmittag. Zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit streikten am Dienstag die kommunalen Angestellten von Naunhof. Sie wollen mit ihren Aktionen durchsetzen, nach dem Tarif des öffentlichen Dienstes eingruppiert zu werden.

Streiklokal war der Bürgersaal des Stadtguts. In großen Runden wurde diskutiert, an einigen Tischen spielten Beschäftigte Karten oder würfelten. „Der Eindruck trügt, hier würden alle lieber arbeiten“, erklärte Jürgen Kretschmar, Mitglied der Bundestarifkommission des Deutschen Beamtenbundes. „Diesmal hatten wir uns eben nicht für eine Demonstration entschieden.“

Es müsse aber davon ausgegangen werden, dass es auch wieder Aktionen auf der Straße gibt. „Es sei denn, der Stadtrat lässt sich davon überzeugen, dass unsere Forderungen gerechtfertigt sind. Oder der Stadtrat gestattet es wenigstens dem Bürgermeister, mit uns verhandeln zu dürfen“, so Kretschmar weiter, nach dessen Worten sich über 90 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder, die in der jeweils betreffenden Zeit hätten arbeiten müssen, im Ausstand befanden.

Notbesetzungen in Kitas

In drei kommunalen Kindertagesstätten in Naunhof, Eicha und Fuchshain gab es vormittags eine Notbesetzung, die nur Eltern in Anspruch nehmen durften, die nachweisen konnten, dass sie ihren Sprössling nicht anderweitig unterbringen können. Der Bauhof reinigte von 6 bis 10 Uhr keine Straßen, Plätze und Turnhallen, Papierkörbe leerte er nicht. Auch Instandhaltungen blieben aus. „Wir wollen den gleichen Lohn wie in umliegenden Kommunen. Der Unterschied macht wahrscheinlich ein Viertel aus“, sagte ein Mitarbeiter, der seinen Namen nicht öffentlich nennen wollte.

Auch die Leiterin einer städtischen Kindertagesstätte (Name der Redaktion bekannt) bezog sich auf Kommunen der Umgebung. „Wir wollen das gleiche wie die Erzieherinnen in Parthenstein, Belgershain, Grimma und Leipzig“, erklärte sie. Momentan kämen durchschnittlich netto 100 bis 150 Euro weniger raus. Den Vorschlag mehrerer Parteien und Gruppierungen im Stadtrat, zunächst die Beschäftigten der Kitas nach Tarif einzustufen und später über die restlichen Mitarbeiter zu reden, lehne sie ab. „Wir sehen uns als ein Personal und möchten uns nicht trennen lassen“, sagte sie.

Diskussionen schon seit 2012

Die Rückkehr zum Tarifvertrag sei schon seit 2012 Gespräch in der Belegschaft, betonte Streikleiterin Heike Thom, die in der Geschäftsstelle des Stadtrats arbeitet. Die Verhandlungen hätten zur Dienstvereinbarung geführt, die ein Paket vorsah, nachdem zunächst das Kita-Personal und in weiteren Stufen der Bauhof und die Kernverwaltung tariflich eingestuft werden sollten. Das hätte die Stadt anfangs jährlich 160.000 Euro mehr gekostet, zum Schluss jährlich 320.000 Euro mehr. „Erst als der Stadtrat diese Vereinbarung abgelehnt hatte, trat die Gewerkschaft auf den Plan“, so Thom. „Das hätte alles vermieden werden können.“

Dieter Schenk, der im Dezember aus der Bürgerinitiative Naunhof ausgetreten ist, war der einzige Stadtrat, der am Vormittag das Streiklokal aufsuchte. „Ich möchte meine Solidarität zeigen“, erklärte er. „Das, was der große Rest des Stadtrats macht, grenzt an Bosheit. Es ist unverschämt, die Stadtentwicklung 22 Jahre lang auf Kosten der Angestellten voranzutreiben.“

1994 hatte Naunhof den Arbeitgeberverband verlassen. Seitdem haben die Beschäftigten laut Deutschem Beamtenbund keinen gültigen Tarifvertrag mehr. „Bezahlt wird nur auf Grundlage einzelvertraglicher Regelungen“, erklärte Jürgen Kretschmar. Diese Situation sei in Deutschland nahezu einmalig.

Von Frank Pfeifer

Naunhof Markt 1 51.2777301 12.5879109
Naunhof Markt 1
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Grimma

Blättern Sie in der prall gefüllten Veranstaltungsbeilage und entdecken Sie die Termine aus unserer Region. mehr

  • LVZ-Sommerkino im Scheibenholz
    LVZ Sommerkino im Scheibenholz: Alle Infos zu Filmen, Ticketverkauf und dem Rahmenprogramm.

    Das LVZ-Sommerkino lud wieder zu unterhaltsamen Filmabenden ins Scheibenholz ein. Sehen Sie hier einen Rückblick in Fotos und Geschichten. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2017

    "Sport frei!" heißt es auch 2017 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • Gutes von hier

    Das regionale Schaufenster mit Produkten und Dienstleistungen aus dem Leipziger Raum - von traditionell bis innovativ. Gutes von hier eben! mehr