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Grimma Rathaussanierung in Colditz: Mitarbeiter verlassen Gebäude
Region Grimma Rathaussanierung in Colditz: Mitarbeiter verlassen Gebäude
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17:00 10.01.2019
Restauratorin Diana Berger-Schmidt hat sich eingehend mit der Baugeschichte des Colditzer Rathauses beschäftigt. Hier formt sie eine historische Ofenkachel ab. Quelle: privat
Colditz

Im Colditzer Rathaus ist das große Packen angesagt. Die Bediensteten räumen ihren Arbeitsplatz – auch das Wochenende hindurch. Am Montag muss alles besenrein übergeben werden, dann steht das Möbelauto vor der Tür.

Benjamin Loeper, der junge Hauptamtsleiter, kennt den weiteren Fahrplan: „In der nächsten Woche beziehen wir die drei Ausweichquartiere – Bildungs- und Begegnungsstätte (BBS), Markt 6 und Markt 11. Am 29. Januar öffnen wir erstmals an allen drei Standorten. Bis dahin gibt es keinen Publikumsverkehr.“

Diplom-Restauratorin Diana Berger-Schmidt hat sich eingehend mit der Baugeschichte des Colditzer Rathauses beschäftigt. Quelle: privat

Wie berichtet, wird das Rathaus voraussichtlich bis Ende 2020 für rund 4,4 Millionen Euro denkmalgerecht innen und außen saniert. Aus eigener Tasche muss Colditz etwa 1,5 Millionen Euro beisteuern. Bürgermeister Robert Zillmann (parteilos) erwartet den Rückzug ins Stammhaus nicht vor 2021. Vom Umzug vorerst nicht betroffen ist das Bauamt – es bleibt zunächst in Hausdorf, soll erst mittelfristig in Markt 19 ziehen.

Colditzer Rathaus wurde immer wieder umgebaut

Restauratorin Diana Berger-Schmidt hat zur Baugeschichte des Colditzer Rathauses geforscht. Mit seinen drei prächtigen, durch schwungvolle Verzierungen beinahe barock anmutenden Renaissance-Giebeln sei das Haus ohne Frage ein Hingucker. Allerdings habe das Gemäuer durch die Umbauten im 19. Jahrhundert einiges von seinem ursprünglichen Charakter verloren.

Das Colditzer Rathaus, wie es um 1875 aussah. Quelle: privat

Weil die Verwaltung mehr Räume beanspruchte, sei das Haus immer verwinkelter und verschachtelter geworden. „Das war nicht immer so. Im Gegenteil. Das Rathaus war zwischenzeitlich sehr offen gehalten, hieß den Besucher schon baulich willkommen. Breite Treppen, gotische Portale, gewölbte Decken – im Erdgeschoss gab es eine große Halle, in der Märkte abgehalten wurden. Kutschen der Händler konnten von hinten einfahren.“

Colditzer Rathaus stand in der Mitte des Marktes

Einst stand das Rathaus in der Mitte des Marktes. 1504 wurde es durch einen Brand vernichtet. Der Volksmund machte den zündelnden Bäckersknecht Clemens Bock dafür verantwortlich. Von 1537 bis 1558 entstand das neue Rathaus am jetzigen Standort, wobei auch angrenzende Häuser der Töpfergasse mit eingebunden wurden. 1637 besetzten schwedische Truppen das Stadtzentrum und legten Feuer. Abermals musste das Rathaus dran glauben.

Von 1650 bis 1657 sammelte der Rat nötige Spenden und ließ neu bauen. 1850 und vor allem 1889 musste der Bau der wachsenden Bürokratie angepasst werden. Weil das Niveau des Marktes über die Jahrhunderte hinweg immer weiter stieg, befindet sich die eigentliche repräsentative Empfangshalle heutzutage im Keller. Streng genommen gelangt der Besucher am Eingang nicht ins Erdgeschoss, sondern gleich ins erste Obergeschoss.

Hauptamtsleiter: Viel Stress, aber es macht Spaß

Ältere Colditzer berichteten von den Jahren 1935/36, als der Marktplatz eine einzige Baustelle war. Vor Ort sei der Rochlitzer Porphyr geschlagen worden, um die Giebel zu erneuern. Entstanden war auch der Saal für Eheschließungen. In dieser Zeit habe das Rathaus innen seinen Anstrich in Altrosé verpasst bekommen, hat Diana Berger-Schmidt heraus gefunden. „Ein grüner, ockerfarbener Ölsockel war praktisch, weil abwaschbar.“

So sah das Colditzer Rathaus früher aus. Quelle: privat

Die Kernverwaltung wechsele in die BBS, Steuer-, Ordnungs- und Einwohnermeldeamt sowie Touristinfo in das ehemalige Gebäude der Volksbank, Gewerbe- und Wahlamt beziehen Markt 11. Benjamin Loeper, der vier Jahre als Kundenberater bei der Sparkasse gearbeitet hatte, ehe er Volkswirtschaftslehre studierte, wird als neuer Hauptamtsleiter und damit Manager des Umzugs, ins kalte Wasser geworfen: „Ach was, es ist stressig, aber es macht auch Spaß.“ Nebenbei müsse der Hausdorfer sogar noch seine Masterarbeit schreiben.

Von Haig Latchinian

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