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Grimma Rauchiges Pumpernickel fließt zum Brauhausfest in Nerchau
Region Grimma Rauchiges Pumpernickel fließt zum Brauhausfest in Nerchau
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15:23 03.05.2017
Braumeister Pieter Rosenlöcher (32) bei der Arbeit: Sauberkeit und Hygiene sind das A und O im Brauhaus. Quelle: Foto: Andreas Döring
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Grimma/ Nerchau

Bio ist momentan sehr angesagt. Diesem Trend konnte sich auch der Nerchauer Brauherr Jochen Rockstroh (56) nicht verschließen. Doch er tat es nicht etwa, weil es ihm verordnet wurde, sondern weil es ein Teil seiner Lebensphilosophie ist. 2013 durfte er seinen Betrieb als erste Biobrauerei in Sachsen bezeichnen. In seinem Garten wachsen 140 Apfelbäume. In den Ställen und auf der Weide sind Hühner, Schweine, Schafe und Kaninchen anzutreffen. Denn der Brauherr ist auch der Hausherr und nicht nur das, sondern auch Spielmann, Schlossherr und Gastwirt im Trebsener Schloss. „2010 habe ich mir gedacht, das Bier könnte ich eigentlich auch selbst brauen“, erzählt Rockstroh. Am grünen Winkel in Nerchau, in einem ehemaligen Heizhaus des VEB Technodruck, entstand eine Mikrobrauerei. Eine halbe Million Euro investierte Rockstroh in Sudhaus, Gärkeller und Abfüllanlage. Der Freistaat fördert Sachsens erste Biobrauerei zu 50 Prozent. Inzwischen liefert das Unternehmen seine Biersorten in Leipziger Szenelokale wie die naTo, aber auch in vegane Restaurants wie Symbiose sowie in Bioläden nach Leipzig und Dresden. Und natürlich ist er bei Volksfesten wie dem Lämmermarkt im Garten der Denkmalschmiede Höfgen dabei.

Mit seinem Braumeister Pieter Rosenlöcher und Brauer Martin Hans mischt er den heimischen Biermarkt unter anderem mit historischem Bier, dem Pumpernickel, Spitzenpilsener oder Doppelbock auf. Mit 450 Hektolitern startete er 2011, inzwischen verdoppelte er die Menge. Denn er nahm im vergangenen Jahr noch einmal 100 000 Euro in die Hand, um weitere vier Edelstahlbehälter-Tanks zu kaufen. „Wir können nur am Markt bestehen, wenn wir etwas besonders anbieten“, sagt Jochen Rockstroh. Um gute Qualität den Kunden anbieten zu können, muss das Bier in seiner Mikrobrauerei vier Wochen in den Tanks reifen.

Elf Biersorten werden gegenwärtig im Sudhaus angesetzt, darunter Rauchbiere und saisonale Sorten wie Maibock. Letzteres wurde erst in den letzten Wochen angesetzt und wird zum Hoffest am Sonnabend frisch ausgeschenkt. Den unterschiedlichen Geschmack erreicht Braumeister Pieter Rosenlöcher (32) unter anderem durch verschiedene Gerstensorten oder Hopfen mit variierender Bitterkeit. „Auch bei den selben Zutaten, aber zwei verschiedenen Hefen, entstehen zwei verschiedene Biere“, ergänzt der Fachmann Rockstroh. Der nicht pasteurisierte Gerstensaft sei mindestens drei Monate haltbar, reife in dieser Zeit weiter und bleibe aromatisch.

Alles bis hin zum Etikettieren, ist Handarbeit. „Eine Flasche wird, bis sie die Brauerei verlässt, neunmal in die Hand genommen“, so Rockstroh. Wurden anfangs 500 Flaschen pro Woche abgefüllt, sind es jetzt 3000. Doch Handarbeit hat auch ihren Preis. Dennoch behauptet sich das Nerchauer Brauhaus, das mit Lehrling Simon Seifert (30) selbst für Nachwuchs sorgt. Beim Hoffest am Sonnabend zwischen 13 und 21 Uhr haben Bierfans Gelegenheit, einmal hinter die Kulissen zu schauen. Anschließend kann frisch Gezapftes getrunken werden – Anstich 13.30 Uhr. Maibock wird in Strömen fließen, aber auch das historische Pumpernickel, dass bereits im 15. Jahrhundert in Nerchau gebraut wurde. Herzhaftes vom Grill fehlt ebenso nicht. Dazu gibt es Live-Musik mit drei Bands, unter anderem mit den Ukulelensingers.

Von Cornelia Braun

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