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Grimma Reaktor sorgt in Trebsener Fabrik für grünes Gas und sauberes Wasser
Region Grimma Reaktor sorgt in Trebsener Fabrik für grünes Gas und sauberes Wasser
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19:08 21.12.2018
Millioneninvestition: Neben dem alten Anaerobreaktor (rechts) baute Schulte einen neuen, größeren. In beiden Türmen entsteht Biogas, das in der Folge so gut gereinigt wird, dass es mit Erdgasqualität ins öffentliche Netz eingespeist werden kann. Quelle: Thomas Kube
Trebsen

 Eine wichtige Investition hinsichtlich Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz tätigte die Papierfabrik Julius Schulte Trebsen mit dem Bau eines Anaerobreaktors, der am Freitag in Betrieb ging. Sie kann jetzt mehr Biogas erzeugen, das in der Folge besser als bisher gereinigt und ins öffentliche Gasnetz eingespeist wird. Außerdem entlässt sie saubereres Wasser in die Mulde.

Das Unternehmen, das seine Produktion seit 2006 verdoppelte und jetzt jährlich aus Altpapier 220 000 Tonnen Wellpappenrohpapier für die Verpackungs-, Möbel- und Autoindustrie herstellt, benötigt täglich 2500 Kubikmeter Wasser aus der Mulde. Bevor es in den Fluss zurückgelangt, wird es gesäubert. „Bisher lag unser Reinigungsgrad schon deutlich höher als gefordert, mit dem neuen Reaktor wird er sich nochmals verbessern“, erklärt Werkleiter Maik Nürnberger.

Zusätzliche Reinigungsstufe im Reaktor nötig

Weil das Abwasser, mit dem das Altpapier aufgelöst wurde, stark stärkehaltig ist, reicht eine normale Klärung mit Sauerstoffzugabe und Becken, in dem sich Faserreste absetzen, nicht aus. Vorgeschaltet wurde schon 2010 ein erster Anaerobreaktor, dem nun ein zweiter, größerer zur Seite steht. An seinem Bau, der im August startete, waren laut Geschäftsführer Jörg Kober größtenteils Projektpartner aus der Region beteiligt. Er kostete 1,6 Millionen Euro, ist 27 Meter hoch und fasst 1330 Kubikmeter.

„Anaerob bedeutet, dass der Prozess unter Ausschluss von Sauerstoff abläuft“, erläutert der Leiter Umwelttechnik bei Schulte, Elmar Fischer. „Wir geben dem Abwasser eine Bakterienflora bei, die die Stärke abbaut, und erzeugen gleichzeitig Biogas.“

Bioerdgas für alle statt Verwertung in Heizkraftwerken

Bisher strömte dieses Gas über eine Reinigungsanlage zu zwei Blockheizkraftwerken. Aus heutiger Sicht veraltet und ineffektiv. Deshalb wurde eine völlig neue Weiterverarbeitungsstrecke installiert. Nachdem das Gas eine Entschwefelungsanlage durchlaufen hat, übergibt es Schulte an das Unternehmen Revis Bioenergy, das auf dem Gelände der Papierfabrik eine nachgelagerte Aufbereitungsanlage errichtet hat. In dieser wird es weiter gesäubert und erhält die Qualität von Erdgas, weshalb umgangssprachlich von Bioerdgas gesprochen wird. Über eine neue Einspeiseanlage der Mitteldeutschen Netzgesellschaft Gas gelangt es ins öffentliche Netz, also auch in normale Haushalte. Energetisch gleicht die Menge dem Jahresbedarf von 5000 Einfamilienhäusern.

Die neue Biogasaufbereitungsanlage der Firma Revis Bioenergy auf dem Gelände der Papierfabrik. Das Gas verlässt sie in Erdgasqualität. Quelle: Thomas Kube

Am Montag wurde diese Linie erstmals getestet. „Seitdem stimmen wir die Anlagen aufeinander ab“, erklärt Fischer. „Im Januar sollen zweimal 300 Stunden lang Probebetriebe laufen. Danach ist der Regelbetrieb vorgesehen.“

Millioneninvestition im Jubiläumsjahr

Hochrangiger Besuch zur Festveranstaltung 125 Jahre Papierherstellung in Trebsen: Gesellschafter Eberhard Pothmann, Ministerpräsident Michael Kretschmer und Geschäftsführer Jörg Kober (vorn, v.li.) an einem Lichtkasten mit der technischen Zeichnung der Trebsener Papiermaschine. Ihn hatten die Mitarbeiter des Betriebs Kober anlässlich des Jubiläums geschenkt. Quelle: privat

„Für uns ist die Investition ein wichtiger Meilenstein, mit dem der Standort gesichert wird“, betont Kober. Und das zu einem denkwürdigen Zeitpunkt. Vor 125 Jahren begann die Papierproduktion in Trebsen, und zwar am 9. November 1893 in der Fabrik Wiede & Söhne. Das familiengeführte Unternehmen Julius Schulte, das an diese Tradition anknüpft, beging das Jubiläum am 22. September mit prominenten Gästen, unter anderem Ministerpräsident Michael Kretschmer. Kober betonte vor ihnen, dass sein Betrieb für die Herausforderungen im globalen Wettbewerb „Planungssicherheit und nachhaltige stabile politische Rahmenbedingungen“ braucht.

Trebsener Papierfabrik sucht Arbeitskräfte

Seit 2000 existiert Schulte in Trebsen. Mittlerweile wurden laut Kober 150 Millionen Euro investiert. Händeringend werden weitere Arbeitskräfte gesucht. „Wir bilden sie auch aus“, verspricht Nürnberger.

Von Frank Pfeifer

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