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Reinhild und Horst Melcher kritisieren Neugestaltung der Partheufer in Naunhof

Auf einen Kaffee mit... Reinhild und Horst Melcher kritisieren Neugestaltung der Partheufer in Naunhof

Auf einen Kaffee traf sich die LVZ mit Reinhild und Horst Melcher. Die beiden Naunhofer Imker hatten sich an die Redaktion gewendet, weil sie im Clinch mit der Landestalsperrenverwaltung liegen. Was diese an der Parthe im Stadtgebiet derzeit unternimmt, bezeichnen sie in Teilen als Katastrophe.

LVZ-Redakteur Frank Pfeifer beim Kaffee im Gespräch mit Reinhild und Horst Melcher.

Quelle: Thomas Kube

Naunhof. Auf einen Kaffee traf sich die LVZ mit Reinhild und Horst Melcher. Die beiden Naunhofer Imker hatten sich an die Redaktion gewendet, weil sie im Clinch mit der Landestalsperrenverwaltung liegen. Was diese an der Parthe im Stadtgebiet derzeit unternimmt, bezeichnen sie in Teilen als Katastrophe.

Mehr Raum soll der Fluss erhalten, um bei Hochwassern Schäden in angrenzenden Grundstücken zu minimieren. Deshalb ließ die Landestalsperrenverwaltung (LTV) linksseitig Boden abtragen, damit sich die Parthe dort bei Flut ausbreiten kann. Das zumindest finden die Melchers, die am gegenüberliegenden Ufer wohnen, ganz gut. Auch dass in dem tiefergelegten Areal auf leichten Erhöhungen bienenfreundliche Bäume gepflanzt werden sollen, kommt ihnen entgegen. Doch damit hören die Gemeinsamkeiten mit der Behörde auch schon auf.

„Die Parthe ist total zugewachsen“, kritisiert Reinhild Melcher. „Bis 2000 wurde sie zweimal im Jahr freigeschnitten und entschlammt, danach nur noch einmal. Und ab sofort soll nur noch die tiefere Uferseite gemäht werden.“ Das Resultat ärgert die 71-Jährige. „Schilf und Rohrbomben wuchern, das Wasser ist kaum noch zu erkennen. Flussmuscheln und Flusskrebse finde ich nicht mehr. Dieses Jahr habe ich nur einen Frosch gesehen. Es gibt weniger Fische als früher.“

Die Melchers wünschen sich mehr Pflege und würden gern auch die Wiese weiter hauen, die sich zwischen ihrem Gartenzaun und dem Fluss erstreckt. Zu DDR-Zeiten hatte die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft Fuchshain ihnen erlaubt, diesen zehn Meter breiten Streifen zu nutzen, der 1980 durch eine Verlegung des Flusslaufs entstanden ist. So pflanzten sie dort ein paar Blumen, auch Himbeeren und Johannisbeeren. Nichts zum Sattwerden. Aber was für die Bienen und zum Naschen für die Kindergartengruppen, die regelmäßig die Melchers besuchen, um etwas über die wichtigen Insekten speziell und die Natur im Allgemeinen zu erfahren. „Aus diesem Grund hatten wir auch einen Pflasterweg zur Parthe und fünf Stufen hinunter zum Wasser angelegt. Da konnten die Kleinen matschen“, berichtet Horst Melcher (75).

Das soll nun alles vorbei sein. Der Uferstreifen gehört dem Freistaat. Und dessen LTV fordert, ihn zu räumen. Der Weg aus Betonsteinen, die Stufen zum Fluss und die Pflanzen – so eine letzte Frist – müssen bis zum 27. Oktober komplett weg. Nur ein Wallnussbaum darf stehen bleiben. Dagegen kämpfen die Melchers weiter. Sie sammelten Unterschriften in Kitas und Grundschulen, damit die Kleinen von ihrem Grundstück aus in gewohnter Weise gefahrlos den Fluss erkunden können. „Wir brauchen den Weg, den wir schon zum Teil abgerissen haben. Er ist nicht höher als das Umland, stellt also kein Fluthindernis dar. Die Wiese möchten wir weiter mähen und die Beerensträucher erhalten“, sagt Reinhild Melcher.

Auf Anfrage erläutert Axel Bobbe, Betriebsleiter der LTV: „Wir wollen die Ökologie des Randstreifens verbessern, wie vom Wassergesetzt gefordert.“ Die Parthe führe klareres Waser als zu DDR-Zeiten. Dadurch scheine die Sonne zum Flussgrund durch, was wiederum Pflanzen anrege zu wuchern. Um den Fluss zu beschatten und damit den Wildwuchs einzudämmen, sollen im konkreten Fall standortgerechte Büsche und Sträucher auf den Randstreifen gepflanzt werden. „Somit müssen die Melchers alle Anlagen beseitigen, egal wie löblich ihr Anliegen ist“, sagt Bobbe. „Wir verbieten niemanden, Gewässer zu betreten. Aber nicht über technische Anlagen!“

Renaturierung hält Naunhofs Pfarrer Norbert George, der dem Grünen Tisch der Stadt angehört, grundsätzlich für sinnvoll. „Ich wünsche mir aber, dass die Vorhaben der Bevölkerung im Vorfeld erklärt werden“, betont er. „Die Menschen müssen mitgenommen werden. Und das lobenswerte Anliegen der Melchers sollte niemand behindern.“

Wollen auch Sie mit der Redaktion ins Gespräch kommen, haben interessante Dinge aus Ihrer Heimat zu berichten, Anregungen für die Redaktion oder kritische Anmerkungen zu aktuellen Geschehnissen im Landkreis Leipzig? Dann melden Sie sich per Mail an landkreis.leipzig@lvz.de Stichwort „auf einen Kaffee mit…“ oder per Post an Leipziger Volkszeitung, Redaktion Landkreis Leipzig, Peterssteinweg 19, 04107 Leipzig – der Kaffee geht auf uns.

Von Frank Pfeifer

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