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Grimma Ringelnatz und seltsame Wesen begeistern das Publikum im Gymnasium Grimma
Region Grimma Ringelnatz und seltsame Wesen begeistern das Publikum im Gymnasium Grimma
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14:15 12.06.2017
Ringenatzabend mit Stephan König (Piano, l.), Franziska Klimpel (Akkordeon) und Michael Breitenbach (Saxophon, r.) sowie Elisabeth Fues (Schauspielerin, 2. v. r.) im Gymnasium St. Augustin. Quelle: Foto: privat
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Grimma

Das Gute liegt nahe, nämlich in Wurzen, wo Joachim Ringelnatz als Hans Gustav Bötticher 1883 geboren wurde. So sagte sich Stephan König, der seit acht Jahren die Konzertreihe im Gymnasium St. Augustin zu Grimma aus immer neuen musikalischen Ideen gebiert. Mit ihm am Piano, Franziska Klimpel (Akkordeon) und Michael Breitenbach (Saxofon) sowie dank der liebevollen Interpretation von Elisabeth Fues, Schauspielerin am Theater der Jungen Welt Leipzig, wurde die große Aula am Sonnabend von allerlei seltsamen Wesen bevölkert wie gipsernen Rehen, Hochseekühen, sehnsuchtsvollen Meerschweinchen oder melancholischen Eintagsfliegen. (Mit Vorsatz fehlte dabei Kuttel Daddeldu, dem das Motto der Veranstaltung „Ich bin etwas schief ins Leben gebaut“ abgelauscht war. Er hätte die Dramaturgie gesprengt.) Das skurrilste und schillerndste Wesen des Abends aber war Joachim Ringelnatz selbst. Dieser war nicht nur dichterisch, sondern auch malerisch mit reicher Fantasie begabt. Mit seinen Gedichten malte er seine Welt. Kein Wunder, dass sie oft vertont wurden, die zwölf Tonnen wiegende Hochseekuh zum Beispiel von Achim Reichel und Gerhard Schöne.

Das gediegene Stammpublikum ließ sich nur zu gern in die Wunderwelt des Ringelnatz einladen. Doch wer einen Abend zum Schenkelklatschen erwartet hatte, lag selbst schief. Zu dem „schief gebauten“ und in der Kindheit verspotteten Ringelnatz passte die immer etwas schräge Klezmer-Musik, ergänzt durch etwas Tango Nuevo von Astor Piazolla, wie keine andere. Anfangs führte sie den linkischen Ringelnatz vor Auge und Ohr, vergleichbar einem stolpernden Hofnarren. Aber immer mehr kam der Clown zum Vorschein, der selbst weint. Die kluge Auswahl der Texte und die Interpretation durch Elisabeth Fues zeigten Inhalts- und Formenreichtum der Dichtungen. Meisterhaft geht Ringelnatz mit Sprachrhythmen und Reimen um, was sich eher beim Hören als beim Lesen erschließt. An diesem Abend wurde vor allem sehr anrührend nahegebracht, welcher Ernst sich bei dem als „Ulknudel“ gehandelten Ringelnatz sprachlich Bahn bricht: das Lachen, das wie verloren klingt, tiefe Lebensweisheit, quälende Existenzangst. Wenn der „männliche Briefmark“ von der Tragik des Lebens beleckt wird, ist das zum Schmunzeln. Bei der einsamen „Nachtgalle“ aber möchte man mit dem Dichter weinen.

Die Instrumente füllen den Raum, das Akkordeon treibt, das Saxofon setzt Gelächter dazu. Bisweilen nimmt die Musik mit orientalischen Klängen richtig Fahrt auf, das Publikum wippt mit den Füßen. Dann gibt es unvermittelt zarteste Klänge, wenn der Dichter „im Traum ein Sternschnüppchen pflanzt“.

Das Publikum erklatschte mit herzlichem, rhythmischem Beifall eine Zugabe. Die Kinder der Ringelnatz-Grundschule Wurzen hatten für die Künstler etwas gebastelt, und mancher Grimmaer denkt jetzt vielleicht daran, doch einmal den Weg nach Wurzen zum Ringelnatz-Geburtshaus am Crostigall zu nehmen.

Von Beate Bahnert

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