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Grimma Risse und Rohre: Die Tage der alten Kita Großbardau sind gezählt
Region Grimma Risse und Rohre: Die Tage der alten Kita Großbardau sind gezählt
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13:41 06.03.2018
Mit Perlen Bilder stecken – das machen die Fünf- und Sechsjährigen der Schmetterlingsgruppe im Winter gern. Quelle: Foto: Frank Prenzel
Grimma/Grossbardau

So richtig weiß offenbar niemand, seit wann der jetzige Kindergartenbau in Großbardau an seinem Fleck steht. „Eine neue Kita hatte das Dorf nie“, erinnert sich Birgit Fels, die als technische Kraft im Kindergarten „Parthenzwerge“ arbeitet. Nach dem Krieg sei zunächst der Tanzsaal des Deutschen Hauses, später die alte Schule zur Betreuung der Kinder genutzt worden. Irgendwann in den 1950er-Jahren zog der Kindergarten dann in den Flachbau in der Alten Salzstraße um. Ihre große Schwester sei dort schon 1957 Kindergartenkind gewesen, weiß Birgit Fels. „Wir haben geforscht, aber nichts herausgefunden“, erzählt sie von der vergeblichen Suche des Kita-Teams zur Entstehungsgeschichte des Hauses. Und die alte Chronik von Großbardau sei verschwunden.

Zwar erhielt das flache Gebäude noch zu DDR-Zeiten einen Anbau, und auch nach dem Mauerfall wurde immer wieder in das langgezogene Haus investiert. Doch die Spuren der Zeit sind nicht zu übersehen. Im Gang zeigen sich Risse im Steinfußboden und an der Wand. Schäden haben auch die Türen und Fenster aus Holz. Die Heizkörper sind flach und kantig, die Rohre für Wasser und Heizung verlaufen offen unter der Decke. Und in den Gruppenzimmern fällt der in die Jahre gekommene Linoleumboden ins Auge. „Wir machen das Beste aus dem Haus, es hat aber grundlegende bauliche Mängel, die sich nicht mehr beheben lassen“, betont Kindergartenleiterin Annett Riedel. Die Einrichtung entspreche nicht mehr den Standards der heutigen Zeit, weiß sie. So müssen die Kinder zu Toilette oder Waschbecken durchs ganze Haus laufen. In der Krippe ist der Schlafraum nicht direkt mit dem Gruppenzimmer verbunden. Und in modernen Kindergärten befänden sich die Garderoben auch nicht direkt im Flur wie jetzt bei den Parthenzwergen, weiß Riedel.

Doch die Tage des alten Kindergartens sind gezählt. Derzeit wird ein neues Haus geplant, das auf dem ehemaligen MTS-Gelände neben der Feuerwehr entstehen soll. Der neue Kindergarten soll wie jetzt für 45 Kita- und 24 Krippenplätze ausgelegt sein. Hinter verschlossenen Türen wurde in diesem Monat der Technische Ausschuss des Grimmaer Stadtrates gemeinsam mit dem Ortschaftsrat von Großbardau mit Planungsdetails vertraut gemacht – unter anderem zu Lüftung, Heizung, Parkplätze und Zuweg. Laut Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) ist eine Erdwärmeheizung geplant, wozu aber noch Berechnungen nötig seien. Anfang Februar wird sich noch einmal der Technische Ausschuss mit dem Neubau befassen, der Stadtrat soll am 23. Februar darüber befinden.

„Die alte Baracke ist nicht mehr sanierungsfähig“, bekräftigt der Rathauschef. und hofft, dass es 2017 mit dem Bau losgeht. Die neue Kindertagesstätte wird voraussichtlich 1,85 Millionen Euro kosten, Grimma nutzt zur Finanzierung des Projekts das Kommunalinvestitionsprogramm „Brücken in die Zukunft“. 75 Prozent der Kosten für den Neubau lässt sich die Muldestadt auf diesem Weg von Bund und Freistaat bezahlen.

Dank der ständigen Renovierungen ist der alte Bau zwar recht gut in Schuss, „wir freuen uns aber riesig auf den Neubau“, sagt die 47-jährige Kita-Chefin. Das motiviere und sei ein großer Ansporn. Das zehnköpfige Team, darunter acht Erzieherinnen, sei in die Planung einbezogen. So besteht der Wunsch einer Fußbodenheizung, wie sie in modernen Kindergärten Standard ist, um Unfallquellen durch Heizkörper auszuschließen.

In der Kita „Parthenzwerge“ werden die Ein- bis Sechsjährigen in zwei Krippen- und zwei Kindergartengruppen betreut. Seit sechs Jahren darf sich die Kita „Haus der kleinen Forscher“ nennen und freute sich in diesem Jahr über den Landessieg im Wettbewerb „Forschergeist“. Das Tierhäuschen, mit dem sie den Titel einheimste, steht im Garten vor dem Haus und ist bereits von wilden Bienen bewohnt. Die Mädchen und Jungen hoffen, dass im neuen Jahr weitere Tiere einziehen. „Wir wollen die Kinder in die Lage versetzen, dass sie selbst Dinge in der Welt erkennen“, erläutert Riedel. Wichtig sei dabei, dass die Kinder eigene Ideen mitbringen. „Das motiviert sie.“ So erkundeten die Kinder in diesem Jahr aus eigenem Antrieb auch die langwierige Baustelle auf der Staatsstraße in Großbardau.

Von Frank Prenzel

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