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Rittergut Trebsen ein Hort von Kultur und Handwerk

Rittergut Trebsen ein Hort von Kultur und Handwerk

In diesem Monat vor 22 Jahren, um genau zu sein am 24. April 1992, hat sich der Förderverein für Handwerk und Denkmalpflege mit Sitz in Trebsen ins Vereinsregister einschreiben lassen.

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Keine Erfindung der Neuzeit: Im Rittergut Trebsen wird Wissen zur Herstellung von Stuck- und Kunstmarmor vermittelt.

Quelle: Frank Schmidt

Trebsen. Was zur Geburtsstunde im Schloss begann, hat sich derweil ins benachbarte Rittergut verlagert.

Öffentlich wird das Rittergut Trebsen als Zentrum für Kunst und Kultur wahrgenommen. Die seit Jahren veranstalteten Bluesnächte sind legendär und finden immer mehr Anhänger. Und mit Folk-Musik werden neue Musikfreunde umworben. Durch das Engagement im Bereich der Kultur, auch unterstützt vom Kulturraum Leipziger Raum, lassen sich finanzielle Mittel für die Vereinsarbeit akquirieren. Nur deshalb ist es möglich, dass altes und vor allem traditionelles Handwerk im vergleichsweise jungen Förderverein eine Renaissance erleben kann. Freilich mit dem Ziel, so ist es in der Satzung verankert, "einen Beitrag zum Erhalt, zur Erforschung und zur Erschließung von Kulturdenkmälern zu leisten."

Im Ergebnis ist unter anderem das Sächsische Bauteilearchiv entstanden, quasi als ein Fundus für Restauratoren. Doch auch deren Quelle des Wissens ist im Rittergut Trebsen angesiedelt. Denn verschiedene Fortbildungskurse für den Restaurator im Handwerk sowie Qualifizierungsmöglichkeiten für Fachhandwerker in der Denkmalpflege gehören zur Kernaufgabe des Fördervereins. Und mit verschiedenen Fachseminaren werden im Rittergut Ausbildungsnischen besetzt. So zum Beispiel in der Baustilkunde, Putz- und Mörtelanalyse und malerischen Schablonentechnik sowie in Lehmbau- beziehungsweise Farbsanierungen, Gewölbebau, Bauphysik und -chemie. Oder auch in der Fertigung von Stuck- und Kunstmarmor.

Dazu hat Christian Ortlepp als Fachmann in der Stuckrestaurierung interessante Einblicke gewährt. "Stuckmarmor ist keine Erfindung der Neuzeit. Wir stellen diesen Baustoff so her, wie er schon traditionell in der barocken Zeit angefertigt worden ist", sagt der Fachmann. Dennoch sind Kunst- und Stuckmarmor - "darin unterscheiden wir", erklärt Ortlepp - eher seltene Formen der Baukunst. "Sie werden heutzutage zumeist nur für die Restaurierung angewendet, zum Beispiel in der Semperoper Dresden, im Berliner Dom oder im Dimitroffmuseum Leipzig - eigentlich in jedem Barockgebäude."

Im Neubau werden aus Kostengründen technisch einfachere Mittel verwendet, beispielsweise durch Farb- und Spachteltechniken, die zwar nicht die Qualität des Stuckmarmors erreichen, den Kunden jedoch zufriedenstellen. Was die Farbenvielfalt beim Stuck- und Kunstmarmor angeht, "so orientieren wir uns an der Farbkomposition in den sonst profanen Räumen von Kirchen und Museen", weiß Ortlepp. "Man bringt gezielt Farben ein, die es in der Natur nicht gegeben hat und auch nie geben wird. Hierbei geht es also nicht nur um das Nachstellen, sondern auch um das Neuerfinden." Interessant ist übrigens auch, dass Ortlepp nicht nur Fachseminare im Rittergut leitet, sondern sein Wissen vor Jahren in einem dieser Lehrgänge vertiefen konnte.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.04.2014
Schmidt, Frank

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