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Grimma Ritterspiele im Schloss und Park Trebsen
Region Grimma Ritterspiele im Schloss und Park Trebsen
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00:34 20.05.2018
Auf ritterliche Art die Welt verbessern: Wie das möglich ist, wird in historischer Kulisse mit den dreitägigen Pfingst-Ritterspielen in Schloss und Park Trebsen dem Publikum vor Augen geführt. Quelle: Frank Schmidt
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Trebsen

„Der Gesellschaft mal unverblümt den Spiegel vorhalten. Wir Spielleute, Narren und Gaukler dürfen das“, zeigt sich Heiko Guter selbstbewusst und voller Tatendrang. Was genau er damit meint, dazu nachfolgend mehr.

Schaukämpfe und Schabernack

Zunächst aber lädt er als Marktmeister der traditionellen Ritterspiele nach Trebsen zum großen Pfingstspektakel ein, das von Heureka-Zunftmärkte und Heureka-Gastro inszeniert wird. Ritterliche Schaukämpfe zwischen den Ständen und zuweilen auch inmitten der Besuchermassen, zweimal täglich das nach eigenem Bekunden größte Ritterturnier in ganz Mitteldeutschland, welches in Europas einzigartiger historischen Holz-Arena ausgetragen wird, Marketenderey und authentische Heerlager sowie ein atemberaubendes Gaudium der Spielleute mit Mummenschanz, Schabernack, Musik und Feuerspektakel werden drei Tage lang die Szenerie in Schloss und Park beherrschen.

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Die Ritterspiele im Schloss und Park Trebsen sind ein echtes Spektakel. Gaudi vom Feinsten. Ein paar Impressionen vom vergangenen Jahr.

Musik und Schmierenkomödianten

Zum künstlerischen Aufgebot gehören unter anderem die Heurekapelle „In Validus“, die Schmierenkomödianten „Rokus Kokus“, das Duo „Die Rapauken“, mit „Euphorica“ die goldenen Stimmen aus Prag und „Fauna & Flora“ mit „Funtastischen Illusionen“, aber auch „Mayl & Peg“ aus England, „Panthera“ mit Hexereien & Feuerkunst, die Band „Horch“ mit Barock´n´´Roll, die „Cradem Aventure“ als „Die letzten Ostgoten“, die Böhmerländer Haudegen „Memento Vivere“ und „Venerius Motus“ mit ihrer Feuerspieljonglage. All das, so versprechen die Veranstalter, werde für „kurzweiliges Amüsement“ sorgen.

Belegte Geschichte der Vogelfreien

Nun aber zu dem, was sich als teils historisch belegte Geschichte rund um die Kumpanei der fahrenden Kauf- und Spielleute als einstige Zunft der Vogelfreien spinnt. Im Mittelpunkt, so weiß Heiko Guter, steht „die Vision des Grafen von Saalhausen“ im Jahr 1518. Mit einem Ritterturnier ausgetragen, soll der Friede zwischen den verfeindeten Clans in den 22 sächsischen Grafschaften und Fürstentümern wieder hergestellt werden. Es gehe um weit mehr als nur um die Gunst einer liebreizenden Dame oder um die Ehre einzelner Ritter. „Nein, Georg von Saalhausen will die Fürstentümer zu einem Land zusammenlegen, zum Königreich Sachsen. Damit mögen sich die Zollschranken öffnen, auf dass jeder seine eigene Elle verliert “, kramt Guter in der Historie.

Bezüge zur Gegenwart

Und genau an dieser Stelle stellt er einen trefflichen Vergleich zur Gegenwart her. „Durch diese Schranke sind wir doch alle selbst schon gelaufen, denn dieses Spiel wiederholt sich gerade.“ Schließlich habe sich das Königreich Sachsen mit den anderen Königreichen zum Land Deutschland aufgerafft, mit einer Währung und gleicher Steuerhoheit. „Mehr noch, Deutschland formiert sich mit anderen Staaten zur Europäischen Union, die zur Weltnation aufstrebt, um beispielsweise die Ausbeutung in China, Bangladesch und sonst wo zu bekämpfen. Aber nein, da kommen doch tatsächlich wieder diese Ewiggestrigen und wollen wie damals in der Ritterzeit die Zeit zurückdrehen“, kommt Guter richtig in Fahrt.

Fazit: „Da gibt es viele Gleichnisse. Und warum sollen wir nicht mal im Ritterspiel zeigen, dass wir ein Teil der Geschichte von gestern sind, die sich heute im Grunde genau so wiederholt.“ Deshalb, so Guter lateinisch: „Spectatum veniunt, veniunt, spectentur ut ipsae! Zum Sehen kommen sie hin, hin kommen sie, dass man sie sehe.“

Von Frank Schmidt

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