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Grimma Robert Zillmann gewinnt Bürgermeisterwahl in Colditz
Region Grimma Robert Zillmann gewinnt Bürgermeisterwahl in Colditz
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10:47 09.04.2018
Hier geht’s lang! Der kultige Kutscherstuben-Wirt Andreas Heidelbeer beherbergt auf seinem Hof das vielleicht rustikalste Wahl-Lokal Sachsens. Quelle: Foto: Haig Latchinian
Colditz

Sensationeller Wahlausgang in Colditz: Obwohl am Sonntag gleich fünf Kandidaten ins Rennen gingen, hat die Muldestadt vermutlich schon nach dem ersten Wahlgang einen neuen Bürgermeister. Laut vorläufigem Ergebnis gelang es Einzelbewerber Robert Zillmann, die nötige absolute Mehrheit der 4356 abgegebenen gültigen Stimmen auf sich zu vereinen. Am Ende stehen 50,1 Prozent zu Buche und damit zehn Stimmen mehr als er brauchte. Hätte er die 50 Prozent plus x nicht erreicht, wäre es zu einem zweiten Wahlgang gekommen. Zillmann, 33-jähriger Jurist und Stadtwehrleiter, äußerte sich am späten Abend überglücklich: „Der faire Wahlkampf und eine Wahlbeteiligung von gut 60 Prozent zeigen, dass die Demokratie in Colditz lebt. Ich freue mich sehr, es ist eine Stadt, auf die jeder stolz sein kann.“

Neuer Bürgermeister von Colditz: Robert Zillmann. Quelle: Haig Latchinian

Einzelkandidat Uwe Quedenbaum erreichte 19,7 Prozent, Sascha Schmiedel (Für unsere Heimat) 19,5 Prozent, der unabhängige Dirk Jaworski 8,5 und Matthias Muschter (CDU) 2,3 Prozent. Am Montag, 18 Uhr, trommelt Silvio Gleffe seinen Wahlausschuss zusammen. In öffentlicher Sitzung stellt er das amtliche Ergebnis fest: „Ich wünsche mir, dass das Resultat akzeptiert wird, hätte aber auch nichts dagegen, wenn der Ausschuss wegen des knappen Ausganges noch einmal Stichprobenkontrollen verlangt.“

Andreas Heidelbeer, die Colditzer nennen ihn nur „de Beere“, ist der Wirt der Kutscherstube in Thumirnicht. „Willkommen in Sachsens schönstem Wahllokal“, sagt er vollmundig. Tatsächlich, bei ihm sitzt der Wahlvorstand noch wie bei Muttern vor Kamin und Aquarium. „700 Liter, über 100 Fische, der älteste ist ein 35-jähriger Rücken schwimmender Kongo-Wels“, triumphiert der Wirt, der gut gefüllte Teller zwischen Freisitz und Gaststätte balanciert. Zur Freude von Gisela und Horst Gaggermeier: „Bei dor Beere gibts nach jeder Wahl ein Schnitzel.“ Riskiert wird auch ein Blick ins Traditionskabinett – mit Postern und Parolen vergangener Zeiten: Es lebe der 1. Mai und Wählt die Kandidaten der Nationalen Front! „Ach Gott, hätte ich das abkleben müssen?“, flachst das Original. Bei ihm wird die Wahl nicht zur Qual: Im Hof schnauft der letzte Zug von Colditz – eine Gartenbahn, die viele Anhänger hat.

Thumirnicht ist unser rustikalstes Wahllokal“, bestätigt Silvio Gleffe, Vorsitzender des Gemeindewahlausschusses. Doch die Kneipe ist einfach nicht wegzudenken – und das, obwohl nach der Bürgermeisterwahl 2011 gleich vier Wahllokale wegrationalisiert wurden: Sermuth, Leisenau, Hohnbach, Lastau. Gleffe begutachtet alle sieben verbliebenen Lokale, gibt letzte Anweisungen und zahlt den Wahlhelfern das wohl verdiente „Erfrischungsgeld“: 30 bis 40 Euro pro Nase. Eine der Ehrenamtlichen ist Iris Jahn. Obwohl die 55-jährige Reinigungskraft am nächsten Morgen um 5 Uhr auf der Matte stehen muss, verzichtet sie im Namen der Demokratie an ihrem freien Tag gern auf Garten und Sonne. Um das Mittagessen brauche sie sich nicht zu kümmern, ihr Mann Matthias koche, ganz freiwillig. „Bitte nur einmal falten“, sagt Monika Scholz. Die Mittsechzigerin schmeißt zusammen mit der fast gleichaltrigen Karin Müller in Schönbach den Laden. Beide gehören im Dorf zur Wahl wie Stift und Urne, sind Helfer aus Leidenschaft: „Du machst dich nützlich und kommst mit Leuten ins Gespräch.“ So wie mit Biker Kay Matetschk, der vor der großen Ausfahrt gleich in schwarzer Motorradmontur wählen geht. Oder mit Marco Krebs (32), der eben noch die Karpfen im Dorfteich fütterte.

Von Haig Latchinian

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