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Grimma Robert Zillmann will Colditzer mehr einbinden
Region Grimma Robert Zillmann will Colditzer mehr einbinden
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00:36 19.05.2018
Der Einzelbewerber Robert Zillmann hat bei der Wahl zum Colditzer Bürgermeister im April 2018 im ersten Wahldurchgang die absolute Mehrheit geholt. Am 1. Juni tritt er sein Amt im Rathaus an. Foto: Thomas Kube
Colditz

Sein Amt als neuer Colditzer Bürgermeister tritt der parteilose Robert Zillmann am 1. Juni an. Wie sich der 33-jährige Noch-Stadtwehrleiter die Arbeit vorstellt, welche Veränderungen er herbeiführen will und was privat auf ihn zukommt, darüber sprach er im LVZ-Interview.

Frage: Warum haben Sie sich für das Amt beworben? Waren sie unzufrieden mit dem, was in Colditz läuft?

Robert Zillmann: Die Programme der anderen Bewerber waren mir zu unklar. Es reicht beispielsweise nicht aus, nur über den Breitbandausbau zu sprechen, sondern man muss die Digitalisierung als Thema sehen, das viele Bereiche betrifft. Außerdem empfand ich als Stadtwehrleiter die Kommunikation zwischen Bürgern und Rathaus nicht zufriedenstellend.

Können Sie das konkretisieren?

Wir hatten anderthalb Jahre gemeinsam mit allen Ortswehren ein Konzept diskutiert, wie wir unsere Struktur anpassen, wenn unser Altersdurchschnitt wächst und zu wenige neu eintreten. Doch zur entscheidenden Abstimmung sagte der Bürgermeister überraschend Nein. Hier wurde zu wenig gesprochen, und die Akteure wurden nicht mitgenommen. Mein Wahlkampf zeigte mir eindrucksvoll, dass die Menschen mitreden wollen.

Mitgeredet haben früher Ortschaftsräte, doch diese schaffte Bürgermeister Matthias Schmiedel ab. Eine richtige Entscheidung?

Ich möchte Ortschaftsbeauftragte einführen, die sich ehrenamtlich darum kümmern, wo im Dorf Handlungsbedarf besteht, beispielsweise ein Spielplatz saniert oder der Rasen gemäht werden muss, die auch Impulse der Bevölkerung in die Verwaltung geben und gleichzeitig die Einbeziehung der Bürger in Entscheidungen der Verwaltung sicherstellen.

Etwa für jeden Ortsteil?

Das geht bei 26 Ortsteilen nicht. Ein Beauftragter soll zwei oder mehrere Dörfer übernehmen.

Räte wurden gewählt. Wie wollen Sie Beauftragte finden?

Stadtrat, Stadtverwaltung und interessierte Bürger müssen zusammenkommen und diskutieren, wie vorgegangen wird. Die Regelung muss niedrigschwellig sein, wenig Verwaltungsaufwand mit sich bringen und vor allem die praktische Umsetzung im Blick haben.

Aber dadurch haben Sie noch lange keine Kandidaten...

Auch das gilt es mit Stadtrat und -verwaltung zu erarbeiten. Wir können nur Beauftragte einsetzen, wo sich Freiwillige finden. Wir zwingen den Dörfern niemanden auf.

Und die Kernstadt bleibt außen vor?

Denkbar sind Beauftragte für einzelne Gebiete, wie zum Beispiel Thumirnicht. Auch hier kommt es auf das Interesse der Bürgerschaft an.

Unter Bürgermeister Schmiedel wurden ebenso alle Ausschüsse des Stadtrats aufgelöst. Bleiben Sie bei dieser Linie?

Wenn eine Auseinandersetzung woanders nicht möglich ist, verlagert sie sich in den Stadtrat, wo es mitunter nicht mehr um die Sache, sondern um Symbolik geht. Mir schwebt ein beratender Ausschuss oder etwas Vergleichbares vor, in dem Sachfragen vorab diskutiert und Argumente aller Seiten ausgetauscht werden. In ihn könnte auch die Bürgerschaft eingebunden werden.

Die meisten Städte verfügen auch über einen Technischen und einen Verwaltungsausschuss. Für Sie denkbar?

Die Position der Verwaltung war bisher, dies bedeute zu viel Bürokratie. Hier muss ich mir erst selbst ein Bild der internen Verwaltungsstrukturen und deren Leistungsfähigkeit machen.

Im Wahlkampf ließen Sie sich im Gegensatz zu ihren Mitbewerbern von keiner Partei oder Gruppierung unterstützen. Wie wollen Sie im Stadtrat Mehrheiten finden ohne eigene Machtbasis?

Ich sehe einen Bürgermeister nicht als jemanden, der seine Positionen durchdrückt, sondern auch als Moderator und Schlichter in Richtung auf Mehrheitsentscheidungen. Meine Stimme soll nicht die entscheidende sein. Mein Wahlprogramm soll eine Skizze sein, die gemeinsam mit dem Stadtrat und der Bürgerschaft zu einem Bild entwickelt wird. Es geht um qualitative Entscheidungen, die auf breiten Schultern getragen werden im Sinne der Gemeinde – dafür wird der Stadtrat gewählt.

In Naunhof bildete sich unter ähnlicher Konstellation eine Front zwischen Ratsmehrheit und Bürgermeister. Sehen Sie diese Gefahr nicht auch für Colditz?

Sie besteht immer, wenn sich ein Stadtrat gegen einen Bürgermeister vereinigt. Überspitzt könnte man sagen, dass der Rat sich dann wenigstens einig ist. Ich habe kein Problem damit, Meinungen gegen mich zu akzeptieren, davon lebt die Demokratie. Aber die Bürgermeisterwahl hat gezeigt, welches Programm von einer großen Mehrheit unserer Bürgerschaft für die Zukunft gewollt ist.

Was sind die ersten großen Projekte, die Sie angehen wollen?

Auf dem Gebiet des Tourismus sollten wir Parallelstrukturen zusammenführen. Für die Digitalisierung im ländlichen Raum soll Colditz ein Stückweit Leuchtturm werden. Wir müssen die Stärken unserer Oberschule mehr herausstellen und entwickeln. Nur darauf hinzuwirken, dass in Böhlen keine gebaut wird, ist zu kurz gegriffen. Die ehrenamtliche Arbeit möchte ich mehr in den Vordergrund stellen, über städtische Programme die Vereinsarbeit fördern.

Ihr erstes Schlagwort im Wahlkampf lautete Sicherheit. Was meinen Sie damit?

In Colditz haben wir nur zwei Bürgerpolizisten. Ich setze mich dafür ein, dass wir in Colditz einen dauerhaft besetzten Polizeiposten mit einem Streifenwagen bekommen. Dazu möchte ich zügig mit Entscheidungsträgern ins Gespräch kommen.

Als offenes Problem erben Sie den fehlenden Hochwasserschutz. Was wollen Sie auf diesem Gebiet unternehmen?

Das Thema hat zwei Komponenten. Eine politische, denn der Freistaat legte ein Überflutungsgebiet am linken Ufer fest, wo Häuser stehen. Ich werde sehen, ob sich das ändern lässt. Die praktische Komponente ist der Schutz der Bürger, die dort wohnen. Seit der Neugründung von Colditz 2011 haben wir keinen aktuellen Hochwassermaßnahmenplan, sondern nur Pläne der ehemaligen Gemeinden. Feuerwehr und vor allem die Stadtverwaltung wissen im Hochwasserfall nicht, was wann zu tun ist, sie würden wie ein Haufen aufgeschreckter Hühner agieren.

Apropos Feuerwehr. Wie geht es dort weiter, wenn Sie als Chef wegfallen?

Die gesamte Stadtwehrleitung erklärte den Rücktritt zum 1. Juni. Am 25. Mai wird neu gewählt, es gibt mehrere Bewerber.

Bleiben Sie einfaches Mitglied?

Ja, denn es wäre ein schlechtes Signal angesichts des Demografieproblems, wenn ein 33-Jähriger aufhört.

Und wie geht es insgesamt privat weiter?

Es ist nicht gut, wenn ein Bürgermeister woanders wohnt. Deshalb streben meine Frau und ich an, mit unserer fünfjährigen Tochter von Leisnig nach Colditz zu ziehen. Wir gehen deshalb mit offenen Augen durch die Ortschaften.

Das klingt nicht nach Innenstadt...

Wir lieben beide das ländliche Flair. Ideal wäre eine Möglichkeit in einer unseren schönen Ortschaften.

Von Frank Pfeifer

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