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Grimma Roggenmühle: Verein trägt Betriebskosten
Region Grimma Roggenmühle: Verein trägt Betriebskosten
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00:25 01.04.2018
Visualisierung der Pläne zur Gestaltung der Roggenmühle Grimma Quelle: Ingenieurbüro Kupsch und Schmutzler
Grimma

Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) bezeichnete es als das Highlight des Tages, als er zur jetzigen Stadtratssitzung den Nutzungsvertrag zur Roggenmühle aufrief. Einziehen wird der SeesportvereinAlbin Köbis“, sobald das der Stadt Grimma gehörende Gebäude wieder aufgebaut ist und in neuem Glanz erstrahlt. Derzeit stehen nur noch einige karge Außenwände. Um die Details im Vertrag war offenbar zäh gerungen worden. Den Stadträten lag der siebente Entwurf zur Abstimmung vor. Nach einer 20-minütigen Debatte war der Beschluss dann in trockenen Tüchern. Nur die dreiköpfige Fraktion der Linken enthielt sich der Stimme.

Nutzung mit gewissen Risiken

Am Vertrag sei mit dem Verein lange gefeilt worden, bestätigte der Rathauschef, um im gleichen Atemzug zu sagen: „Die absolute Sicherheit wird es nicht geben“, die Nutzung sei „mit gewissen Risiken belastet“. Sollte der Verein in den nächsten Jahrzehnten nicht in der Lage sein, das Gebäude zu betreiben, fiele es in die Verantwortung der Stadt zurück. „Das glauben und hoffen wir alle nicht“, so Berger. „Ich traue es dem Verein zu.“ Die Roggenmühle sei die letzte große Ruine in der Innenstadt. Nun biete sich die Möglichkeit, aus dem Gebäude so ein Highlight wie das Alte Seminar zu machen. Die Stadt sei dem Verein auch verpflichtet, warb Berger mit einem weiteren Aspekt um die Zustimmung des Stadtrates. Denn die Roggenmühle ist Bestandteil der neuen Hochwasserschutz-Anlage. Zudem müssen die Wassersportler ihr angestammtes Domizil am anderen Muldeufer aufgeben.

Nutzung für 15 Jahre geregelt

Der Nutzungsvertrag ist zunächst auf 15 Jahre ausgelegt und verlängert sich danach automatisch für jeweils ein Jahr. Ein Knackpunkt sind augenscheinlich die Betriebskosten der neuen Roggenmühle, die der Verein allein zu stemmen hat. Es steht eine Summe von jährlich 12 000 Euro im Raum. Nach Aussage von Vereinschefin Iris Berg-Bujak dürften es vor allem in den ersten drei Monaten sehr schwierig sein, das Geld aufzubringen. Der denkmalgerechte Wiederaufbau soll im Somer 2019 beendet sein, ein von der Jahreszeit her ungünstiger Termin für die Bootsfreunde, die dann mitten in der Saison stecken.

Kursangebote und Projekte für Kita- und Schulkinder

Neben den Räumen für den Verein, der im Winter im Haus auch Boote lagern kann, entstehen Schlaf-, Sanitär- und Gemeinschaftsräume sowie im Dachgeschoss eine 132 Quadratmeter große Wohnung. Die Stadt überlässt dem Seesportverein die einstige Mühle für gemeinnützige Zwecke. Andere Vereine der Stadt dürfen das Haus ebenfalls nutzen. Außerdem soll die Sportförderung zum Zuge kommen. Die Stadt möchte Kursangebote und Projekte für Kita- und Schulkinder in der Roggenmühle etablieren, gemeinsam mit dem Verein ist auch an ein neues Wassersportprojekt gedacht. Ziel sei es, das Haus das gesamte Jahr und nicht nur im Sommer zu nutzen, betonte Amtsleiterin Jana Kutscher.

Roggenmühle als touristischer Zugewinn

Grimmas Seesportverein konnte Einfluss nehmen, als das Nutzungskonzept Gestalt annahm. Er hat auch das bewegliche Inventar in seinem neuen Domizil anschaffen und ist für Reinigung und Müllentsorgung zuständig. Die Stadt wiederum übernimmt andere Pflichten und wird das Objekt künftig bewerben. Leise Zweifel kamen indes im Stadtrat auf, ob der Verein diese enorme Aufgabe wirklich bewältigen kann. „Er wird es schwer haben, finanziell über die Runden zu kommen“, meinte etwa Klaus-Dieter Tschiche (SPD), um zugleich anzumerken, dass die neue Roggenmühle ein touristischer und städtebaulicher Zugewinn für die Stadt wird. Auch das couragierte Vorgehen der Seesportler fand Beachtung. „Ich bewundere den Mut der Vereinsleitung“, unterstrich zum Beispiel Malte Martin (CDU).

Der Wiederaufbau der Mühle kostet rund 3,4 Millionen Euro. Das Geld kommt aus dem Wiederaufbaufonds nach dem Hochwasser 2013 (2,4 Millionen), aus dem Städtebau-Denkmalschutzprogramm „Östliche Altstadt Grimma“ (676 000 ) und aus der Stadtkasse (344 000).

Von Frank Prenzel

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